Full text : Wollsteiner Aufsätze

Regel, die Zweifelderwirtschaft noch vorhanden. Vielfach
lebten die Dörfer noch mit der Brandrodung: eine Waldgebiet
wurde niedergebrannt und dann für einige Jahre bebaut. Der
Ertrag sank dabei von Jahr zu Jahr. War der Boden nach Jahren
 zu sehr ausgelaugt, zog das Dorf weiter.
Dieses wirtschaftliche System war natürlich indiskutabel für
einen Landesfürsten. Doch wie sollte man eine schnelle Umstellung
 auf das „deutsche System“ erreichen? Zu alledem war
mit der eigenen Bevölkerung wenig anzufangen. Die Bauern
waren seit Jahrhunderten ausgebeutet und unterdrückt worden.
Zudem lag auf dem Land eine hohe Abgabesteuer, so daß
niemand bereit war irgend etwas zu investieren. Der Adel
nahm den Mehrgewinn dem Bauern sowieso wieder ab. Zudem
 verfügten die polnischen Bauern nicht über das notwendige
 Know How. So ist es verständlich, daß nur die Ansiedlung
 von deutschen Bauern in Frage kam, wollte man das
Land schnell voran bringen.

Die Wahl fiel zu jener Zeit sehr häufig auf den Orden der Zisterzienser.
 Jener war um das Jahr 1100 entstanden und expandierte
 von Frankreich aus sehr schnell Richtung Osten. Die
Zisterzienser waren aus der Reformbewegung entstanden und
propagierten das Armutsideal. Aus diesem Grunde siedelten
sie mit Vorliebe in abgelegenen Gebieten und waren Fachleute
für Rodungen, Urbarmachungen und Landwirtschaft - also die
idealen Kolonisten. Aus diesem Grunde fiel auch im Falle
Priments die Entscheidung zugunsten dieses Ordens.

Die niederschlesischen Piasten waren um 1200 der vorherrschende
 Zweig der Familie und strebten die totale Hegemonie
an. Aus diesem Grunde schenkte Herzog Boleslaw Ordo dem
Kloster Schulpforta/ Naumburg in Person des Abtes Winnemar
 zehn Dörfer im Burgbezirk Priment: Domnik, Bukwitz im
Kreis Fraustadt und Mochi (Mauche), Ptowo, Radomierz, 39