gekommen sein. So erklärt
sich wohl auch, wie Udo nach
Pilikoppen gekommen ist.
Eine Original-Fahrkarte
Cranz - Rossitten befindet
sich noch in meinen Unterlagen.
Mit dem Dampfer von
Cranzbek nach Memel mit
Ausbootung in Pilikoppen
| konnte man auch anreisen.
1 Ich war damals 15 Jahre alt
-sr- ^ —M l I ■ ■ ■ i i i ------------ und kann mich erinnern, dass
, , . . . . c . A r~ o . Udos Vater mit seinem Bru-Wanderdunen-Express
Ptllkoppen-Ostseebad Cranz, Besitzer .
... . _ -------- Foto:priv. der, der zu der Zeit noch
Hauptmann
Wilhelm Toll, Pilikoppen
dieser Stelle liefen sehr oft zwei oder drei
Elche neben dem Bus her, deshalb hat
man wohl eine kurze Fotopause für die
Fahrgäste eingelegt. Die Dünen aus dem
Bild sind heute leider nicht mehr zu sehen
- es ist alles mit Kiefern bewachsen.
Der Bus fuhr seit 1941 als Linienbus
---- i w i l l . . . ____
mnuMrwiflW uiiin.
tdii.
fiimpen. um s
Fahrtausweis J 34145
Rossiiten ort-($anz
3,00 Reichsmark
D Nicht übertragbar. a/ou*
gewesen sein
muss, vom
Haff her über
unseren Hof
gekommen
ist. Die Nehrung
war
11V11 VU l o v -----------------------er
us fuhr seit 1941 als inienbus ................. rung wai
zwischen Bahnhof Cranz und Pilikoppen. auch zu jener Zeit Naturschutzgebiet. Am
T-r~-— r.mrrip pr mit Holzsas be- Ortsausgang von Sarkau war deshalb ein
Z W l b L H Cl i u a m m u A ------------- ^
Kriegsbedingt wurde er mit Holzgas betrieben.
Ich ging in Cranz zur Schule und
musste einen Teil der Sommerferien
1943 und 1944 als Kassierer mitfahren.
Da kam auch einmal Tante Martha aus
Cuxhaven im Bus mit und beschwerte
sich, dass der Fahrpreis so hoch war, er
betrug für die Strecke Cranz-Pillkoppen
4,- Reichsmark. Geld war also auch
damals Mangelware. „Tante Martha“ war
Udo Tolls Mutter, sie wird kaum allein
dUUl ZUJV11V1 z-ivxv x ------------------ ^
Ortsausgang von Sarkau war deshalb ein
Schlagbaum. Unsere Autos waren die einzigen
Motorfahrzeuge, die diesen Schlagbaum
passieren durften. Darüber und
über die Eiskeller wäre noch einiges zu
berichten - vielleicht ein andermal.
Armin Toll
Rauchstraße 122
22043 Hamburg
IDaö öind nicht immer
die öchlechteöten cAtenöchen, die ötorriöch öind.
(Jmmanuel J<ian(
64
— Schule in Pillau - bevor die Hölle losbrach
@ich
erinnern und sich bewusst werden
sind zwei Pole, die Vergangenheit
und Gegenwart verbinden.
Erinnern wir uns einmal an die
Schulzeit, als wir die Sexta des Gymnasiums
in Pillau besuchten. Ich denke an
eine bis heute in meinem Gedächtnis haften
gebliebene Episode.
Unsere Klassenlehrerin Fräulein Studienrätin
Charlotte Z. gehörte der dem
neuen Geist ergebenen Minderheit der
Lehrerschaft an. Eines Tages - plötzlich -
erfaßte uns Jungen und Mädel eine seltsame
Idee. Fräulein Z. sollte im Mittelpunkt
dieser Idee stehen.
Sie war unsere Klassen- und zugleich
die Deutschlehrerin. Aus Worten und Verhalten
erkannten wir, die wir noch Kinder
waren, dass sie eine glühende Verehrerin
des Führers und seiner Idee war.
Auch wir Kinder sollten in diesem Glauben
an den Führer von ihr geprägt werden.
Wir sollten im Sinne des Führers zu
vorbildlichen Anhängern erzogen werden.
So waren wir auf das Prinzip ihrer
Erziehungsmethode eingestellt: Im Geiste
des Führers sollte unser Leben sich entwickeln.
Achtung! Die Glocke schrillt lärmend
im weiten Flur zum Beginn der ersten
Unterrichtsstunde. Laut Plan ist Deutsch
angesagt mit Studienrätin Z. Jungen und
Mädel sitzen still auf ihren Plätzen und
blicken erwartungsvoll und gespannt auf
die sich gleich öffnende Klassentür.
Schon sieht man, wie sich die Türklinke
nach unten bewegt. Der Countdown
läuft. Für die nächsten Sekundenbruchteile
heißt es, Nerven behalten. Mit
kurzen Schritten, schnell und energisch,
stramm und gerade nimmt sie Richtung
zum Lehrerpult: Zwischen dem Pult und
der Tür steht der hohe Klassenschrank.
Sie will an ihm vorbei! Da geschieht es:
Die Schranktür fliegt plötzlich vor ihr
auf: Ein jubelnder Aufschrei, die Klasse
schreit, lacht, tobt. Das Inferno der Lustbarkeit
steigert sich zum nächsten Höhepunkt:
Der kleine, rundliche Mitschüler
Ketel war eben dem Schrank blitzartig
entwichen und verschwand in der Menge.
Jetzt trat Ruhe ein.
Mit starrem Blick stand sie nun vor
uns, den Zeigestock an den Enden gepackt
und waagerecht an ihren Körper
gepresst, begann sie mit der Verdammnislitanei:
„Habt ihr keine Ehre? Kennt ihr
nicht unsere Begriffe wie Ehre, Stolz,
Mut, unsere deutschen Eigenschaften Anständigkeit,
Gradheit? Gehört ihr nicht
zur Jugend unseres Führers? Der sich auf
seine deutsche Jugend verlässt. Wir wollen
sie erziehen zu guten Deutschen, die
dem Führer gläubig und treu folgen! Das
ist und sollte unser aller Ziel sein! Haltet
euch an sein Vorbild und seine Worte und
werdet anständige deutsche Jungen und
Mädel, auf die der Führer stolz sein kann.
Ich erwarte in Zukunft eine deutsche
Haltung!“ Mit gesenkten Blicken ließen
wir die Tiraden über uns ergehen. Es
herrschte Totenstille im Klassenzimmer.
Beschämt und niedergeschlagen saßen
wir in unsern Bänken. Wie ein kalter
Wasserfall war die Idee unseres Fräuleins
über unsere Köpfe hinweg gerauscht.
Eingeschüchtert durch ihre fanatische
Strenge fanden wir keinen gedanklichen
Ausweg: Sie vertrat eine echte Idee. Aber
was war dagegen unsere Idee?
So erinnere ich mich heute als betagter
Mensch an meine und Eure damalige
Schulzeit, an eine fast vergessene Episode.
Aber die Erinnerung vergeht nicht