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Liebe Fischhausener und Landsleute
der Nachbargemeinden!
Meine
zweite Rei-;e
ins Samland gestaltete
sich schwieriger,
als ich erwartet hatte. Die
ursprüngliche Absicht,
diese Fahrt mit einer eigenen
Reisegruppe durchzuführen,
wie im Heimatbrief mehrfach
angeboten, scheiterte an der zu geringen
Teilnehmerzahl. Da ich aber den heute
in Fischhausen/ Primorsk lebenden Russen
zugesagt hatte, bei der am 19. August
stattfmdenden 700-Jahr-Feier dabei
zu sein, nahm ich Kontakt zu dem Reiseuntemehmen
Busche aus Rodewald auf,
das eine Fahrt in das nördliche Ostpreußen
anbot.
Nach zweitägiger anstrengender Fahrt
mit Zwischenübemachtung in Pila, dem
früheren Schneidemühl, trafen wir am
frühen Abend dann in Rauschen ein, wo
wir für 7 Tage unser Standquartier im
Hotel Rauschen I bezogen. Der nächste
Tag war der Besichtigung von Königsberg
gewidmet, wobei der Dom an erster
Stelle stand. Bemerkenswert sind die
restaurierten alten Stadttore auf Grund
der 750-Jahr-Feier von Königsberg im
Juli sowie die Umbenennung der ehemaligen
Albertina in Kant-Universität. Nach
einer Zwischenstation am evangelischen
Gemeindezentrum folgten die Besichtigung
das Hafens und des Kant-Denkmals.
Die gerade erst fertig gestellte Erlöserkathedrale
mit den vergoldeten Kuppeldächern
auf dem neu gestalteten
Siegesplatz vermittelte einen großartigen
Eindruck.
Am 19. August war dann der Tag der
700-Jahr-Feier in Fischhausen gekommen.
Nach dem Frühstück fuhren wir mit
sechs Personen in einem Kleinbus nach
Fischhausen, um zunächst an der Kranzniederlegung
am russischen Ehrenmal
teilzunehmen. Danach ging es zum deutschen
Soldatenfriedhof, wo wir warten
mussten, weil das russische Fernsehen
diesen Festakt aufzeichnen wollte. Die
verbleibende Zeit wurde dadurch verkürzt,
dass zwei ehemalige Fischhausener
Bürger interviewt wurden. Das Fernsehteam
begleitete uns dann von dem Tor
des Friedhofs zu der Gedenkstätte, an der
die Kränze niedergelegt wurden. Später
wurde am Kulturhaus die Begrüßung der
Gäste mit Salz und Brot gefilmt. Am
nächsten Tag hörten wir, dass im russischen
Fernsehen ausführlich darüber berichtet
worden sei.
Im Kulturhaus wurden die Anwesenden
- etwa 200 Personen, darunter ca.
30 deutsche Teilnehmer - zunächst von
dem Bürgermeister von Pillau/Baltisk
Herrn Grigorjewitsch begrüßt, der damit
die Festveranstaltung eröffnete und im
Verlauf seiner Rede auch Zukunftsperspektiven
für Primorsk entwickelte.
(Anm.: Fischhausen ist seit dem 1. Juli
2005 nicht mehr selbständig, sondern
verwaltungsmäßig Pillau unterstellt)
Danach folgten die Grußworte des zweiten
Vorsitzenden der Kreisgemeinschaft
Fischhausen, Herrn Lunau, der auch einen
durch einige Zahlen belegten Ausflug
in die Geschichte der Stadt machte.
Er hatte einige Wochen vorher den Veranwortlichen
für die Ausgestaltung des
Festes den von mir bei der Kreisgemeinschaft
beantragten Zuschuss überge-.fistlihaiistn
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ben. Als nächster sprach Louis-Ferdinand
Schwarz, der in seiner Rede eine Brücke
zwischen Gegenwart und Vergangenheit
schlug, die Geschichte in einem neuen
Licht erscheinen ließ. Daran schloss sich
die Rede der Altbügermeisterin von
Primorsk, Frau Grigorenko, der wie vorgesehen
Folkloredarbietungen folgten,
die dem Gesang, vorgetragen von verschiedenen
Gruppen, gewidmet waren.
Die Zuhörer belohnten die Vortragenden
mit viel Applaus. Am Ende dieser Veranstaltung
erhielten alle deutschen Teilnehmer
ein kleines Fotoalbum vom heutigen
Fischhausen. Anschließend nahm
Dietrich Huuck aus Tenkitten die Gelegenheit
wahr, dem Bürgermeister von
Pillau/Baltisk, Herrn Grigorjewitsch, im
Namen der früher um Fischhausen gelegenen
Dörfer ein Tablett zu überreichen
mit einer historischen Karte der gesamten
Ostseeküste, auf der neben St.
Petersburg und Stockholm auch Pillau
und Fischhausen eingezeichnet sind.
Sodann besuchten wir das im gleichen
Gebäude untergebrachte kleine Museum,
in dem viele Bilder mit Stadtansichten
und Hafenpartien sowie von bedeutenden
Gebäuden des ehemaligen Fischhausen
präsentiert wurden. Eine von mir
beigesteuerte Mappe mit 24 Bildern von
Fischhausen und Umgebung im DIN-A4-Format
konnte ebenfalls in Augenschein
genommen werden.
Beim anschließenden Festmahl hieß
der Bürgermeister von Pillau/Baltisk die
deutschen Gäste sowie alle anderen Anwesenden
noch einmal willkommen, indem
er einen Toast ausbrachte. Im weiteren
Verlauf floss reichlich Wodka, zu
dem in Scheiben geschnittene, fette Mettwurst
nicht fehlen durfte.
Danach ging es zu einem Platz in der
Nähe der Brücke zur ehemaligen Domäne,
wo versucht wurde, die Ritterspiele,
die in den 20er und 30er Jahren in Fischhausen
durchgeführt wurden, nachzuempfinden.
Im Rahmen von Sportveranstaltungen
folgte ein Fußballspiel.
Beide Veranstaltungen fanden bei dem
schönen Wetter unter großer Anteilnahme
der dortigen Bevölkerung statt. Dabei
wurde auch versucht, mit einzelnen Personen
eine Unterhaltung zu beginnen,
was wegen der Sprachbarriere mit Schwierigkeiten
verbunden war. Gegen Abend
verließen wir den Veranstaltungsort und
fuhren mit unserem Kleinbus wieder zurück
nach Rauschen.
Am 20. August war eine Fahrt nach
Pillau geplant. An der Schranke in Höhe
Lochstädt erwartete uns eine russische
Reiseführerin, die uns in ausgezeichnetem
Deutsch unser Reiseziel Pillau mit
den verschiedenen Gebäuden erläuterte,
wobei eines unserer Ziele der rot-weiß
angestrichene Leuchtturm war. Wir besichtigten
u. a. das Marinemuseum, das
im ehemaligen Amtsgericht, einem
Backsteinbau, untergebracht ist. Diesem
Gebäude gegenüber liegt die ehemalige
„Oberschule für Jungen“, in die ich im
Januar 1945 zum letzten Mal meinen Fuß
gesetzt hatte und die heute das Pillauer
Stadtmuseum in mehreren Räumen beherbergt.
Viele Bilder aus alter Zeit haben
Kindheitserinnerungen wachgerufen.
Später ging es zum deutschen Soldatenfriedhof
sowie zu einem kurzen Ausflug
auf die Mole oder zum Strand. Nach einer
Vielzahl gewonnener Eindrücke verließen
wir Pillau mit einem großen Lob
an die russische Reiseführerin. Die Weiterfahrt
führte nach Germau, wo wir die 19