Ländliche Idylle: Die Dorfstraße in Mülsen Foto:priv.
kehr in Königsberg doch schon ein wenig
gestört. So waren wir am Abend froh,
wieder „auf dem Lande“ zu sein.
Am nächsten Tag mussten wir zunächst
nochmals zusammen mit unserer
Gastgeberin zur Polizei nach Cranz. Also
standen wir wieder ab 9 Uhr geduldig
an, bis wir endlich um 12 Uhr unsere
ersehnten „Stempel“ erhielten. Von vier
Tagen in Russland haben wir somit fast
einen ganzen Tag zur Registrierung bei
der Polizei verbracht!
Entsprechend genervt strampelten wir
also los, zunächst auf Wegen in Strandnähe
Richtung Seebad Rosehnen. Schon
bald war Fahrradfahren auf dem Sand
nicht mehr möglich und mangels Alternativen
schoben wir dann unsere Räder
ein Stück auf der Samland-Bahnlinie bis
Weischkitten. Weiter ging es bis Stobjehnen,
zum Teil auf guter Landstraße.
Nach der Bahnüberquerung begann eine
Schotterstrecke, die uns bis Neukuhren
viel Kraft kostete und uns an unserem
Tagesziel Rauschen zweifeln ließ. Also
eine kurze Beratung mit dem Ergebnis:
Wir fahren nach j
Rauschen, nehmen
zurück nach
Cranz aber die
Samlandbahn.
Am Orteingang
von Rauschen begrüßte
uns ein
großes Eingangsschild
und eine I
Gärtnerkolonne
war gerade dabei,
neue Bäume und
Sträucher zu pflanzen.
Für uns ein
ungewohnter, aber
erfreulicher An- I
blick in der Oblast. Wir fuhren durch den I
Ort mit seinen schönen alten Häusern I
zum Strand. Schade, hier in Rauschen
hätten wir gern etwas mehr Zeit gehabt,
die wir leider in Cranz auf der Polizei
verbracht haben.
Also ging es bereits nach zwei Stunden
zum Bahnhof und von dort mit der
Bahn nach Cranz. Nach dem Abendessen
in Mülsen mussten wir unser Reise- I
gepäck vorbereiten, denn am nächsten
Morgen sollte es schon wieder Richtung
Nidden gehen.
Zum letzten Mal gab es die wirklich
leckeren russischen Brotsorten, die geschmackvollen
Eier, und, und, und. Etwas
traurig nahmen wir Abschied, da alles
ein wenig zu kurz war. So saßen wir
bald wieder auf unseren Rädern und starteten
Richtung Heimat. Nochmals geht
es durch Cranz. Ich denke: Warum ist es
hier nicht so schön wie in Rauschen?
Warum gibt es keine Begrüßungsschilder,
warum keine Blumen und Bäume am
Ortseingang? Mit wenigen Schildern
(auch bei der Polizei zur Registrierung,
vor allem am Ortseingang) könnte man
doch Vieles einladender gestalten. Vor
allem fehlen mir Farben, also Blumen!
Das Wetter verschlechterte sich, wir
zogen unsere Regensachen über und gaben
richtig „Gas“. Diesmal fahren wir in
den Ort Rossitten hinein, schauen uns die
Kirche und die ehemalige Vogelwarte an.
Zu meiner Freude liegt am Eingang der
Vogelwarte ein Findling, der an den Besuch
von Bismarck im Jahre 1886 erinnert.
Schon bald erreichten wir dann die
letzten Bernstein-Verkaufsstände auf der
russischen Seite, versuchten am Strand
nochmals selbst - ohne Erfolg - Bernstein
zu finden und fahren weiter zur
Grenze. Den Pass vorzeigen, nach 15
Minuten sind wir ohne irgendeine Gepäckkontrolle
wieder in Litauen. Wir sind
sehr erstaunt und glücklich, dass alles so
problemlos geklappt hat.
^%/hfang August 1995 kamen mein ällltester
Bruder Alfred und ich, der
^▼'dritte Sohn der Familie, überein,
in den russischen Teil von Ostpreußen
zu reisen. Wir wollten sehen, ob es noch
„unser“ Dorf gibt. Fortgetrieben hatten
sie uns im Februar 1945. Es war etwa 50
Jahre her. Viele Bilder gab es noch in
unserer Phantasie, die sich über diesen
langen Zeitraum im Speicherwerk des
Gehirns festgesetzt hatten. Es war eine
dieser Busreisen, bei denen man die
Toilettenpausen in den Wäldern zubringt
und die Tagesessen im Bus aus der Dose
einnimmt.
Die Reisegesellschaft setzte sich zusammen
aus Ehemaligen, die sehr viel
vom Land wussten und manche Biograln
Nidden übernachten wir wieder in
unserem Hotel, das wir schon von der
Hinreise kennen und erhalten dort sogar
wieder die gleichen Zimmer. Am nächsten
Morgen radeln wir dann bei besserem
Wetter auf einem hervorragendem
Radweg Richtung Klaipeda. In Juodkrante
besichtigen wir noch den Hexenberg
und stärken uns letztmalig mit litauischen
Gerichten. Da wir bis zum
Ablegen der Fähre noch Zeit haben genießen
wir die letzten Stunden auf der
Nehrung mit Sand und Sonne am Strand.
Unser Fazit: Eine wirklich einzigartige
Urlaubswoche mit vielen neuen Eindrücken.
Es wird nicht unser letzter Besuch
im Samland und in Litauen gewesen
sein. Dort müssen wir auf alle Fälle
noch mal hin!
Helmut Springer
phie erzählen konnten. Bei der Länge der
Reisezeit war es trotzdem sehr kurzweilig
und interessant. Der Fahrer und eine
weibliche Begleitperson hatten fast keine
Ahnung vom Land und den alten Ortsnamen,
so dass man nie etwas nachfragen
konnte, leider. Nach zwei Übernachtungen
in Westpreußen (Polen) landeten
wir schließlich in Königsberg am Pregel
- oder was davon noch übrig ist. Eine
ältere Dame brachte unsere Eindrücke
mit zwei kurzen Sätzen auf den Nenner:
„Mein Gott, da gibt es rein gar nuscht
mehr. Alles sieht so ,pracherich’ aus“.
Vom Hotel „Kaliningrad“ aus betrieben
wir die Taxifahrt ins Samland. So
wie viele Dinge in Russland brauchte es
ungeheuer viel Zeit, etwas so Einfaches
Reise in die Vergangenheit
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