Rogehnen - zu Hause war, ist
und bleibt Ostpreußen!
Nachdem vor mehr als einem Jahr
mit Gerhard Schumann der letzte von
3 Söhnen und 2 Töchtern von Wilhelm
Schumann, Rogehnen gestorben ist,
bleiben nur seine Enkelkinder übrig,
von denen sich kaum eines an
Rogehnen erinnern kann, weil sie bei
Kriegsende noch zu klein waren.
Ich war der Sohn der 2. Ehefrau von
Wilhelm Schumann, also der Stiefsohn.
Ich habe in Rogehnen eine wunderschöne
Jugend erlebt und in Wilhelm
Schumann einen verständnisvollen und
guten Stiefvater gehabt. Rogehnen
wurde für mich ein Zuhause, wie ich es
mir besser nicht vorstellen konnte.
Auch meine Freunde, die teilweise aus
der Stadt kamen, wurden begeisterte
Reiter, halfen bei der Ernte und lernten
das Landleben lieben. So sehr, daß
mein bester Freund, ein Berliner, nach
dem Krieg auf dem Gut der Familie
Ahlmann in Schleswig-EIolstein die
Landwirtschaft erlernte.
Mein Wunsch, Rogehnen noch einmal
zu sehen, wurde immer größer. Ich
wußte zwar aus Briefen und Berichten,
daß kein Stein mehr auf dem anderen
steht, aber ich hoffte, daß die Natur
einige unveränderte Merkmale zur
Orientierung gelassen hat.
Nichts war geblieben. Nicht die alte
Lindenallee, nicht der Dorfteich, nicht
die Rotbuchen auf dem Weg nach
Medenau. Nur die beiden Hochsilos
hinter der alten Scheune standen noch.
Die von Russen wohl für Bunker oder
sonstige Befestigungsanlagen gehalten
wurden, wie die vielen Einschüsse vermuten
ließen.
Das Wohnhaus von Wilhelm Schumann in Rogehnen
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Ich stand in dieser Wüstenei von
Büschen, Brennesseln, hohen Gräsern
und kleinen Bäumen. Von den großen
Linden und Kastanien keine Spur
mehr. Keine Andeutung von Stellen wo
einmal ein Gebäude gestanden haben
könnte.
Es war erschütternd und schnürte
einem die Kehle zu. Der Irrsinn eines
solchen Krieges steht einem dann besonders
deutlich vor Augen. Die letzten
Tage von Rogehnen müssen furchtbar
gewesen sein. Ich bin froh, daß ich
immer mal in der Geburtstagsliste des
Samlandbriefes die Namen von ehemaligen
Rogehnern lese. Es sind wohl doch
viele herausgekommen. Zurückgebliebene
hatten wenig Überlebenschancen.
Auch an die Tiere muß ich denken. Was
■ \ Es werden unentwegt
Bücher geschrieipg
jHBn bcn und gedruckt, die
s'ch mit unserer ost-1
\\ preußischen Heimat
U b Ä t t oder mit dem Ver-_____—-\\
treibungsschicksal
auseinandersetzen.
Die Meinung, das Thema
interessiere nicht mehr, kann angesichts
der vielen Autoren, die alle
durchaus ihre Leser haben, wohl nicht
stimmen.
Hier sollen nun einige Bücher vorgestellt
werden, die nicht auf den ersten
Blick in den Buchhandlungen zu finden
sind.
wurde aus den Hunden, den Pferden,
den Kühen, den Schweinen?
Als ich im Dezember 1949 aus russischer
Gefangenschaft „nach Hause“
kam, kam ich eben nicht nach Hause,
sondern nach Westdeutschland, wohin
der Rest meiner Familie geflohen war.
Zu Hause war, ist und bleibt Ostpreußen,
und hier besonders Rogehnen
und Neuhäuser, und dahin werde ich
noch einmal fahren.
Wie ich mir die Zukunft dieses
Landes vorstelle, darüber habe ich
meine eigenen Gedanken, die ich aber
hier nicht publizieren möchte.
Hubertus Klein,
Neubrandenburger Straße 7,
24558 Henstedt-Ulzburg
Was gibt's zu lesen ?
Hildegard Benz hat mit dem Buch
„Ostpreußische Lebensbilder“ das getan,
was besonders der Erlebnisgeneration
immer wieder ans Herz gelegt
wird: authentische Lebensläufe aufzuschreiben
und damit ein Stück ostpreußischen
Alltag und ostpreußische
Lebensbedingungen festzuhalten.
„Zwei Erzählungen“ lautet der Untertitel,
„Amalchen“ und „Eva-Maria ein
ostpreußisches Marjellchen“. „Amalchen“,
eine Familiengesichte von 1862-1945,
aufgeschrieben für meine Enkelkinder,
spielt ganz im Samland. In
Perwissau wächst Amalchen auf, geht
in Schaaken zur Schule, reist nach
Cranz zu ihrer Tante, um nach einigen 77