begann der Schlorrentanz und die
„Mädchen“ sangen den plattdeutschen
Text: „Em Soamland, da wolle wi woahne,
em Soamland, da lewt et seck goot,
opp Klotzkorke wolle wi goahne on
renne on springe to Foot;“ usw., usw. Ein
Reigen wurde geschlungen und es
hoben im Tanze sich die Füße. Die
Darbietung erstreckte sich über fünf
unterschiedlich getanzte Teile mit entsprechenden
Texten. Äußerst kurz war
die gemeinsame Probezeit gewesen und
so blieb auch mancher Fehler. Vielleicht
war ja gerade dieser fehlende Perfektionismus
die besondere Würze im kulturellen
Flöhepunkt, wie Dieter Bardtke
sich lobend ausdrückte. Allen Beteiligten
hatte es viel Spaß gemacht, und
durch die unauffällige Führung von
Hanni Wittke reichte es sogar zu dankbarem
Beifall.
Der Schlorrentanz wurde vor dem
Zweiten Weltkrieg in jedem Jahr, später
erst wieder 1984 von der Landwirtschaftsschule
Fischhausen beim Pinneberger
Kreistreffen aufgeführt. Auch
wir hatten uns nun bemüht, das Überlieferte
lebendig zu gestalten. Tradition
und Fleimatliebe jedes Einzelnen wurzelt
in diesem Text, in diesem Tanz.
Die Zeit war dann gekommen, wo
die Bernsteinkönigin des Jahres 2000
ausgerufen wurde. Völlig ungläubig und
verdattert stand dann Ruth Kecker mit
einem kleinen Feuerwerk im Herzen im
„Rampenlicht“. Ich empfing viele ehrliche
Glückwünsche, einen zauberhaften
Blumenstrauß - den wieder Lisa
Rockel besorgt hatte -, den andenkenwürdigen
Bernsteinschmuck in Form
eines Weintraubenzweiges; und all das
wurde mit kühlem Sekt und fröhlichen
Gesichtern um mich herum zum
Gipfelerlebnis erhoben. Die Bernsteinkrone
auf meinem Haupte war vor über
20 Jahren von Max Albrecht, Sorgenau,
in schöner Handarbeit angefertigt worden
und wird seitdem von Königin zu
Königin weitergegeben.
Zwischen Kaffee, Kuchen, Fotografien,
Bernstein und e Tulpche Bier
wurde dann endlich und ordentlich
geschabbert, wurden die Kindheitstage
zurückgeholt. Viele Erlebnisse
glitzerten da wie kleine Kristalle, die
für unser Seelenleben unverzichtbar
sind. Die Stunden rasten dahin, die
Augenblicke der Wirklichkeit waren
im Nu schon Vergangenheit. Mitternacht
lag längst über dem Land als
sich auch die letzten Standhaften vom
Erlebnistag lösten.
Die Schlorrentanzgruppe . . .
62
Die Seelsorge am Sonntagvormittag
hatte wieder Ernst von Gerlach
übernommen. Von ihm und seinem
„Assistenten“ Max Albrecht hörten
wir Bibeltexte, auch Lesungen in
Plattdeutsch, die Ernst von Gerlach
übersetzt hatte. Das Thema war der
dienende Mensch, der dienende Gott:
Der weise Mensch setzt sein Ich hintenan!
Die Predigt in unserer Mundart
wurde von Ernst von Gerlach so innig
vorgetragen, daß seine Stimme sogar
vibrierte und vielen von uns quollen
Tränen in die Augen. Diese Sprache,
dieser Dialekt ist unsere Lebensader,
vor allem schafft sie ein Wir-Gefühl in
uns. Auch ohne Musik, bei nur andächtig
von uns gesungenen geistlichen
Liedern, war Gott allezeit zugegen.
Wir sind den beiden „Seelsorgern“
dankbar für ihren nicht leichten
Einsatz.
Jedes Stück hat auch mal ein Ende
und in jeder Begegnung liegen Willkommen
und Abschied schon beieinander.
Auch uns blieb es nicht erspart,
mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen,
denn Hoffen ist die Möglichkeit,
das Gute zu erwarten.
Es grüßt Euch herzlich
Eure Ruth Ganser-Kecker,
Grillparzerstraße 15,
84036 Landshut,
Telefon: 08 71-214 96
■ .. erfreute die Zuschauer