Full text : Unser Schönes Samland

Sowjetisches Ehrenmal unterhalb der Bergkuppe des Qaltgarbens

T999 _ Nach über 50 Jahren stehen wir wieder vor dem Qaltgarben und blicken hinauf. Der Bismarckturm fehlt,
die freie Fläche vor dem Qasthaus ist völlig zugewachsen und von dem einst rechts im Bild stehenden Qasthaus

ist nichts mehr zu sehen.

Straße ohne Naturpflaster in tiefen vom
Regen ausgewaschenen Rinnen. Ein
Auto konnte hier nicht fahren. Aber wir
und die unzähligen lästigen Mückenschwärme
 erklommen langsam den
Galtgarben von der Drugehner Seite
aus. Wir hüpften von einer Seite zur
anderen. Bald müßten wir es geschafft
haben. Welch ein Wunder, die letzten
etwa 100 Meter vor dem Gipfel waren
wieder gepflastert. Dann machte die
Straße eine Biegung nach rechts und vor
uns lag rechts des Weges, aber noch
unterhalb des Gipfels, ein freier Platz
mitten im Wald. Eine Gedenkstätte mit
drei mächtigen Kunstmarmorsteinen zu
Ehren der großen Erfolge der Sowjetunion
 in der Raketen- und Weltraumfahrttechnik.
 Vor uns bergan in etwa 50
Metern Entfernung ein hoher Gitterzaun
 - ähnlich wie schon am Fuße des
Berges. Dieser Zaun begrenzt wohl die
gesamte Galtgarbenhöhe.
Henning Peters ging zu einem der
beiden jungen russischen Wachsoldaten,
der ihm mit geschultertem Gewehr entgegenkam,
 und gab ihm die Hand. Eine

Reste des Kellereingangs

sprachliche Verständigung war nicht
möglich. Henning versuchte es nochmals.
 Er wollte den Soldaten erklären,
ob wir nicht aufs Gelände könnten, um
bei dem schönen Sommerwetter einen
Blick über das gesamte Samland zu
haben. Doch die beiden Soldaten winkten
 schon von weitem ab. Ein klares
„Njet!“ setzte Henning Grenzen. Handbewegungen
 der Soldaten zeigten uns,
daß wir umkehren sollten.
Schade! Aber wir waren nach mehr
als 50 Jahren auf dem Galtgarben, ob
erlaubt oder nicht. Die Eindrücke waren
trotzdem überwältigend. Der Abstieg
ging leichter, aber immer war neben der
Freude ein Kribbeln im Bauch, ob das
wohl gut ausgehen würde. Als wir unseren
 Taxifahrer und sein Auto erreicht
hatten, kam er ganz aufgeregt auf uns zu:
„Kommen Sie, ich habe den Bunkereingang
 gefunden, von dem Sie mir erzählt
haben. Die Mauern gehen ganz weit
nach hinten.“
Nach eingehendem Kartenstudium
zu Hause in Lunden kann ich sagen, daß
es die von Wald überwucherten Grundmauern
 des Wirtshauses gewesen sein
müssen, vielleicht ein Kellereingang.
Wir stiegen zufrieden ein und
bedankten uns herzlich beim Fahrer für
die Fahrt zum Galtgarben. Als wir wieder
 an die Hauptstraße kamen und nach
links in Richtung Kumehnen abbogen,
waren wir erleichtert. Aber noch heute
freuen wir uns, daß wir es - das
Unmögliche - gewagt haben.

Lothar Dufke,
Wilhelmstraße 55, 25774 Lunden,
Telefon/Fax: 0 48 82-10 55/63015