Wir waren oben!
Auf dem Qaltgarben im Juli 1999
Anläßlich des vorjährigen Kulturtreffens
unseres Samlandkreises waren
meine Frau Ursula (geb. Pawlowski;
geboren 1935 in Johannisburg/Masuren)
und ich (geboren am 20. Mai 1935
im Krankenhaus Barmherzigkeit in Königsberg;
aufgewachsen in Kumehnen
als Sohn des Sattler-, Polsterer- und
Tapeziermeisters Robert Dufke und seiner
Ehefrau Eva, geb. Thiel aus Regehnen)
sowie das befreundete Lundener
Ehepaar Helga und Henning Peters
jun. nach Rauschen geflogen. Das Ehepaar
Peters war schon einmal in Königsberg
gewesen. Meine Frau und ich sind
im Frühjahr 1992 für eine Woche in
Rauschen gewesen. Dort steht noch
heute Vaters 1938 gebaute Villa direkt
gegenüber der Sassauer Volksschule.
Nun wollten wir eigentlich ein letztes
Mal meine alte Heimat Wiedersehen:
Die wuchtige Kumehner Kirche,
unsere Villa in Rauschen, Oma Rosa
Thiels Haus in Regehnen, - das noch
steht und von zwei russischen Familien
bewohnt wird, - und unser
schönes Samland mit seinen unbeschreiblichen
Naturschönheiten. Und
ich wollte auf den Galtgarben. Herr
Edgar Schumacher hat unseren höchsten
„Berg“ so gut in seinen Erzählungen
im Heimatbrief geschildert.
Im Herbst 1944 sind wir mit unserer
Kumehner Lehrerin Frau Kriechauff als
Schüler der 3. Klasse über Daliwehnen
zum Galtgarben gewandert. Dort besuchten
wir in einer Stellung deutsche
Soldaten und bekamen Erbsensuppe.
An diesen Ort wollte ich schon 1992.
Aber damals stand an der Straße Drugehnen
- Kumehnen ein Verkehrsschild,
das die Durchfahrt verbot, weil
Ehemaliges Wirtshaus mit Blick auf den Qaltgarben und Bismarckturm
die Straße eine Einbahnstraße aus Richtung
Galtgarben war. Der damalige
Taxifahrer wollte den Weg zum Galtgarben
auch nicht befahren, auch nicht
von Kumehnen über Dallwehnen. „Njet!
Verboten!“
Der Galtgarben war militärisches
Sperrgebiet, von dem wir wußten, daß
dort so gewaltige Mengen an Fern-,
Atomraketen und ähnlicher Waffensysteme
eingebaut sein sollten, die mit
dem Ziel Bundesrepublik Deutschland
reichen würden, dieses Ziel vollständig
zu vernichten. Ob Wahrheit oder nicht:
Die für die ehemalige Sowjetunion strategisch
herausragende Lage des Samlandes
könnte dies vermuten lassen.
Am sonnigen Morgen des 18. Juli
1999 gegen 10.00 Uhr kamen wir Vier
mit dem Taxi von Drugehnen und wollten
nach Kumehnen. Ich bat unseren lieben
Fahrer, an der Abzweigung der
Straße zum Galtgarben nach links ganz
langsam zu fahren. Und siehe da, der
Weg zum Galtgarben ohne Verbotsschild,
nur eine schmale Fahrbahn, umgeben
von dichtem Bau- und Buschbestand
auf beiden Seiten. „Fahren wir,
es steht nicht „Verboten““, sagte unser
Fahrer. Auf der schmalen, durch die
nahen Bäume fast unheimlich wirkenden
und dunklen Chaussee kamen wir
bald zu einer Weggabelung. Ich ließ anhalten.
Vor uns mußte die früher freie nördliche
Fläche vor dem Galtgarben (mit
dem von den Russen gesprengten Bismarckturm)
liegen. Aber wir sahen vor
uns einen ungepflegten Laubwald. Dazwischen
lagen mit Gras bewachsene
Flächen. Am Rande lag aber der Galtgarben.
Kein Turm, keine Schanze, aber
auch keine militärische Anlage zu
erblicken. Wir waren zwar am Galtgarben,
wie aber nach oben kommen?
Links die Stuckerchaussee oder rechts
auf dem Asphalt weiter? Ich schlug vor,
westlich um den Galtgarben herumzuführen,
Richtung Dallwehnen. Gesagt,
getan, der Taxifahrer fuhr tapfer mit uns
weiter, in weitem Bogen um den Galtgarben.
Halt! Links ging ein gut ausgebauter
Weg bergauf. Sollten wir einbiegen?
Diese Frage wurde nach einigen
Metern mehr als überflüssig. Vor uns
tauchten in etwa 100 Metern Entfernung
hohe Gitterzäune und -tore auf.
Wachtposten mit geschulterten Waffen
bewachten die Einfahrt zu einem militärischen
Gelände westlich des Galtgarbens.
Allmählich wurde es uns ein
wenig „mulmig“. Rechts neben uns -
also außerhalb des Militärgeländes -
ein verunkrauteter Kfz-Parkplatz und
dahinter mehrere mehrstöckige, recht
ungepflegt wirkende, aber bewohnte
Wohnblocks. Wir fuhren unser Auto auf
den Parkplatz und stiegen aus. Uns war
klar, weiter geht es nicht und nach kurzer
Beratung fuhren wir zur Weggabelung
im Norden des Galtgarbens.
Dort hielten wir an und parkten das
Fahrzeug am Straßenrand. Wir wollten
von der Ostseite auf der Pflasterchaussee
auf den Galtgarben hinauf.
Unser Fahrer wollte zuerst mit, blieb
aber bei seinem Auto. Sein Kommentar:
„Sonst zappzarapp!“ Wir vier Deutschen
also los auf den Galtgarben.
Anfangs war die Straße gepflastert,
aber mit Gras zum Teil überwachsen.
Doch dann ging’s bergauf auf einer
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