Hiermit habe ich über das Neueste
vom Zusammensein der Cranzer in
Leipzig berichtet. Nun möchte ich noch
erwähnen, daß auch jetzt - 55 Jahre
nach Kriegsende - immer wieder Cranzer
Landsleute die Verbindung zu unserer
Heimatgemeinschaft finden. Allein
durch die Neuzugänge beim Leipziger
Treffen habe ich die Karten meiner
Ortskartei auf 1204 erhöhen können.
Schon vor dem Deutschlandtreffen wurde
ich durch den Heimatbrief „Unser
schönes Samland“ - 146. Folge, S. 31
bis 33 - auf Pastor i.R. Alfred Scherlies
aufmerksam, der in Cranz geboren
wurde und dort mit seinen Eltern und
Geschwistern in der Talstraße gewohnt
hat. Ich nahm sofort fernmündliche Verbindung
zu ihm auf und erhielt seine für
meine Kartei wichtigen persönlichen
Die Nachbarskinder Deta und Hans liegen sich beim
erstmaligen Wiedersehen nach 55 Jahren in den Armen,
Daten und das Versprechen, mir die
Daten seiner Geschwister ebenfalls zu
übersenden. Er hat das Versprechen zu
meiner Freude eingehalten. Die Daten
der Ortskartei gebe ich an keinen Unbefugten
weiter. Ich verwende sie ausschließlich
für meine Cranzer Arbeit.
Sie dienen vor allem der Zusammenführung
von Verwandten und alten
Bekannten. Ich habe seit der Erstellung
der Kartei im November 1977 schon
vielen Cranzern mit Auskünften helfen
können. - Pastor i. R. Scherlies arbeitet
übrigens auch heute noch ehrenamtlich
in der Probstei Kaliningrad der
Evangelisch-lutherischen Kirche in
Rußland für begrenzte Zeiträume mit
und bleibt damit seiner Geburtsheimat
weiterhin eng verbunden.
Am 02. Juli reisten meine Frau und
ich mit einer Reisegruppe ins Samland.
Erstmals hat uns unser ältester Sohn begleitet.
Er möchte endlich das Land kennenlernen,
in dem sein Vater die Kindheit
verbracht hat. Im nächsten Heimatbrief
werde ich über die Reise kurz
berichten.
Am 16./17.09.2000 findet unser
jährliches Kreistreffen in Pinneberg
statt. Ich hoffe auf einen regen Besuch
und zahlreiches Wiedersehen.
Ich wünsche Ihnen Gesundheit und
Zufriedenheit und grüße Sie in heimatlicher
Verbundenheit
Ihr Walter Rosenbaum, Gerhardstraße 23,
27576Bremerhaven, Tel. 0471/55008
auch im Namen von Bruno Radtke,
Hemmstraße 306, 28215 Bremen,
Tel. 0421/3512 03 und unserer Frauen.
36
Weitere starke Sturmschäden in Cranz
Konnte ich im I. Quartal d.J. noch
darüber berichten, daß der Badestrand
„nur“ zwischen dem Monopol und
Corso zum Teil ganz fortgespült ist, so
mußte ich bei meinem Besuch im
Januar/Februar d. J. weitere, sehr große
Strandverluste und erhebliche Schäden
feststellen. Besonders betroffen hat
mich der Verlust des oberen Teils des
„Pegel“. Die Winterstürme haben dem
alten Cranzer Wahrzeichen so zugesetzt,
daß er am unteren Rand abgebrochen
ist, und zwar an der Durchschußstelle,
entstanden bei „Schießübungen“
nach dem Kriege. Bei ruhiger See ragt
ein Stummel von ca. 50 cm aus dem
Wasser. Damit haben wir wieder ein
„Stückchen Heimat“ verloren, denn es
hängen doch sehr viele schöne Erinnerungen
an diesem Gebilde aus Stahl
und Beton.
Es war der Traum eines jeden
Jungen, ihn aus eigener Kraft schwimmend
zu erreichen. Die „Mutprobe“ war
bestanden, wenn man schon in jungen
Jahren zum Pegel schwimmen und
ihn erklimmen konnte. Auch erinnern
manche Späße an „unseren“ Pegel. Es
Der Strand westlich „Schloß am Meer" im Januar 2000
herrschte große Aufregung bei der
Kurverwaltung und natürlich Schadenfreude
bei uns Jungen, als wir morgens
zum Strand kamen und der „Storch“
vom Storchenteich auf dem Pegel thronte.
Junge Cranzer hatten ihn nachts mit
einem Paddelboot dort hingebracht und
festgezurrt. Ich glaube es war 1940/41?
Wer kann sich noch an diesen Streich
erinnern und war evtl, daran beteiligt?
Der gesamte Badestrand zwischen
dem ehemaligen Ostbad und dem
Fischerplatz West (Zugbrücke) wurde
ein Opfer der letzten Winterstürme.
Hier ist der Strand meines Erachtens
in einer Höhe von mindestens 80 cm,
teilweise sogar über 1 m Raub der See
geworden. Viele Bauteile und Pfähle
alter Anlagen, die vor 1945 tief mit
Sand bedeckt waren, z.B. der Seewasserbrunnen
für das Warmbad am
Corso ragen aus dem Wasser. Es ist
jedoch zu berücksichtigen, daß der
Wasserspiegel der Ostsee - besonders
in der Cranzer Bucht - sehr starken
Schwankungen unterworfen ist und
ich hoffe, im Sommer hat wieder alles
ganz anders ausgesehen. Zwischen-Der
Strand beim „Monopol" im Januar 2000