fach. Es mußten ortsansäßige, vertrauenswürdige
Personen sein, die die Post
im Nebenamt ausübten. Sie waren
Beamte auf Widerruf und führten die
Bezeichnung Posthalter. Sie erhielten
eine kurze Ausbildung, hatten die
Postschaltergeschäfte zu erledigen und
die Post zuzustellen. Bei ihnen befand
sich die Öffentliche Fernsprechstelle.
Die Poststelle hatte keine festgelegten
Dienststunden, sondern mußte
nach Ankunft der Post eine angemessene
Zeit geöffnet sein. Praktisch
waren aber der Posthalter oder seine
Angehörigen immer dienstbereit. Die
erforderliche Betriebseinrichtung stellte
die Post. Poststellen führten einen
rechteckigen Gummistempel ohne
Datum. Der Tagesstempel wurde erst
beim Leitpostamt auf der Briefmarke
abgeschlagen. Die Stempelinschrift
war anfangs „Ort/Leitpostamt Land“
und wurde 1933 in „Ort/über Leitpostamt“
geändert. Am 1. April 1939
erhielten die Poststellen die Bezeichnung
Poststelle II, aus den Postagenturen
wurden Poststellen 1.
Poststelle Alexwangen
Als sich der Niedergang des Rittergutes
Obrotten abzuzeichnen begann,
das dann 1932 an die Ostpreußische
Siedlungsgesellschaft verkauft wurde,
erwarb der Gutsgärtner Sommer in
Alexwangen ein Siedlungshaus mit
Nebenerwerbs-Landwirtschaft. Auf diesem
Anwesen, das etwa in der Mitte des
gestreckten Ortes an der Reichsstraße
143 lag, wurde 1931 die Postelle Alexwangen
eingerichtet.
Zum Zuständigkeitsbereich gehörten
Gut und Siedlung Alexwangen und
die Dörfer Obrotten und Posselau mit
landwirtschaftlichen Betrieben und ca.
350 Einwohnern. Somit ist der Postbetrieb
sicherlich nicht sehr umfangreich
gewesen und Alexwangen hat
seinen Status als Poststelle bzw. Poststelle
II bis zur Schließung 1945 beibehalten.
Herr Sommer hat die Post
selbst zugestellt. Am Postschalter in
seinem Hause half auch seine Frau aus.
Die Orte der Poststelle Alexwangen
gehörten telefonisch zum Amt
Rauschen und waren dort seit 1931
dem Selbstwählverkehr angeschlossen.
1942 gab es in Alexwangen 3, in
Obrotten 2 und in Posselau 3 Telefonanschlüsse.
Vom 1. Poststempel mit der Bezeichnung
„Alexwangen/Königsberg
(Pr) 5 Land“ liegt leider kein Abschlag
vor. Nachfolgend eine Abbildung
des ab 1933 eingesetzten Poststempels:
Poststelle Craam/Kraam
Das Dorf Craam erhielt 1895 eine
Posthilfsstelle und 1907 eine Telegrafenanstalt
mit Öffentlichem Fernsprecher.
Posthilfsstellen sind Hilfseinrichtungen
für den Landzusteller und hatten
nur einen vereinfachten Postdienst. Die
Bevölkerung konnte dort u. a. Briefmarken
erwerben sowie Post abholen
Stempel der Poststelle Alexwangen ISamml. Klemm)
a m e
oder abgeben, die vom Landzusteller
gebracht oder mitgenommen wurde.
Leider ist der Posthalter dieser Zeit
nicht bekannt.
1931 wurde dann diese Posthilfsstelle
zu einer Poststelle aufgestuft. Posthalter
wurde Kaufmann Eggert. Nach
Auskunft von Frau Ursula Stehr übernahm
am 1. Oktober 1933 der Gastwirt
Böhm die Wirtschaft von Kaufmann
Eggert. Höchstwahrscheinlich wurde zu
dieser Zeit die Poststelle zu Bauer
Düsing verlegt, dessen Haus etwa in
Ortsmitte gegenüber der Schule stand.
1939, als aus der Poststelle die gleichrangige
Poststelle II wurde, wird er als
Posthalter genannt. Wohl aufgrund des
guten Postaufkommen wurde die Post
1942 zur Poststelle I aufgestuft.
Am 14. August 1935 wurde 1t. Entscheid
des Regierungspräsidenten die
Schreibweise des Ortsnamens von
Craam in Kraam geändert, was bei der
Post bereits ab 1934 eingeführt war.
Ortseinfahrt von Craam/Kraam
(Archiv Ingeborg Bindert)
Zum Zustellbereich gehörten die
Orte Craam/Kraam, Plautwehnen,
Plinken und Pokalkstein mit über 800
Einwohnern. Herr Düsing hat bis zu
seiner Einberufung 1939 die Post
zugestellt und wurde im Schalterdienst
von seiner Frau unterstützt.
Als er 1939 zum Militär mußte, hat
seine Frau den Postdienst weitergeführt.
Wie Frau Charlotte Schmolei-Zander,
Klycken, berichtet, war sie von 1938 bis
1941 als Hauswirtschaftslehrling bei Familie
Düsing angestellt: „In den Kriegsjahren
habe ich Frau Düsing beim Sortieren
und Austragen der Post geholfen.
Das ging im Sommer mit dem Fahrrad
und im Winter mit einem 2-spännigen
Schlitten. Als 16-jährige hatte ich auf
den verschneiten Straßen nicht viel Gewalt
über die Pferde und die Fahrt war
nicht immer einfach. Mitunter habe ich
von der gegenüberliegenden Schule die
Kinder im Schlitten mitgenommen. Die
Post wurde von den Familien, die Angehörige
im Felde hatten, sehnsüchtig
erwartet. Bei der Zustellung habe ich
auch Post von den Familien mit zurückgenommen.
Es waren lange Arbeitstage.
Ich habe dann noch Frau Düsing geholfen
die Post fertigzumachen, die vom
Postauto abgeholt wurde.“
Die Orte der Poststelle Kraam hatten
ebenfalls den Telefonanschluß zum
Amt Rauschen. 1942 gab es in Kraam 4,
in Plautwehnen 1, in Plinken 2 und in
Pokalkstein 2 Telefonanschlüsse.
Wie eingangs gesagt, hatten die Poststellen
einen rechteckigen Gummistempel
ohne Datum. Die Bezeichnung war
hier „Craam/Königsberg (Pr) 5 Land“.
1933 wurde der Zusatz geändert in
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