Full text : Unser Schönes Samland

Uhr Visitationsgeschäft
9 Vorm. Visitationsgottesdienst:

Eröffnung
Liturgie und Predigt
Ansprache
11 Prüfung der Konfirmanden
11 'ff Unterredung mit den Konfirmierten
12 Unterredung mit den Hausvätern
ll'/i Sitzung des Gemeinde-Kirchenrats

im Pfarrhaus
12'¡2 Schule Cumehnen II., Lehrer Dolief

" Cumehnen I, Organist Bieber
" Gr. Ladtkeim, Lehrer Andrees
" Pojerstieten, Lehrer Werner
" Seefeld, Lehrer Daneel
" Wiekau, Lehrer Abramson
2\¡2 Nm. Schlußwort und Segen
5 Abendpredigt
6 Pahrt nach Wargen

Am Dienstag, den 6. Juni, begann die
Visitation in dem großen Kirchdorf Cumehnen,
 nachdem wir tags zuvor dort
unter freudiger Begrüßung des Pfarrers
und der Kirchenältesten unseren Einzug

gehalten.
Die Gemeinde Cumehnen zählt 2600
Seelen in 26 Ortschaften. Die Kirche ist
eine alte Ordenskirche, groß und geräumig,
 mit einem sehr langen Schiff, einer
bunt bemalten Holzdecke, ebenso tragen
die Chöre alte, recht geschmacklose
Malereien.
Der Pfarrer des Orts, Eduard Lade, 56
Jahre alt, ist 27 Jahre im Amt und seit 22
Jahren an dieser Gemeinde. Er hat ein
Einkommen von 4000 Mark und eine
Familie von 8 Kindern und lebt unter
mannigfaltigen Sorgen. Er ist genötigt, das
große Pfarrgut von 4 Hufen (Anm. ca. 280
Morgen) selbst zu bewirtschaften, und

Fungierende Geistliche

Superintendent Fischer
Pfarrer Lade
Pfarrer Lie. Gemmel
Pfarrer Jamrowski
Superintendent Lie. Kreibig
Generalsuperintendent Poetz

Superintendent Lackner

Pfarrer Jamrowski

mancherlei Mißernten erschweren ihm die
Wirtschaft. Obgleich ihm seit Jahren bessere
 Stellen angetragen worden sind, hat er
es doch nicht vermocht, seine Gemeinde,
welche er sich in zwanzigjähriger pflichttreuer
 Tätigkeit herangezogen hat, zu verlassen.
 Er trägt die Last der täglichen
Sorgen mit frommem glaubensfreudigem
Gemüt, unterstützt von einer sehr wackeren
 Hausfrau. Überhaupt macht das
Pfarrhaus durch den heiligen Ernst, der
das ganze Leben desselben durchdringt,
einen überaus wohltuenden Eindruck.
Der Gottestdienst begann am Visitationstage
 früh 9 Uhr mit dem Gesang
eines gemischten Chors, welchen der 2.
Lehrer der Gemeinde recht gut eingeübt
hatte. Die Eröffnungsansprache hielt
Superintendent Fischer über Phil. 1,6, die
Liturgie der Ortspfarrer insofern abweichend
 von dem Gebrauch der übrigen

Geistlichen, als er sich beim Sündenbekenntnis
 zum Alter wandte und die
Liturgie überhaupt sehr frei sprach als er
aus der Agende las. Die Predigt hielt der
Geistliche über Offenb. 3,14-22. Der
Vortrag war frisch, eifrig und überzeugungsvoll,
 doch war er nicht immer deutlich
 und prononciert genug, so daß er zum
Teil der großen Gemeinde unverständlich
geblieben sein muß. Die Ausführung war
im übrigen schlicht und zu Herzen dringend.
 Der Predigt folgte die Ansprache des
Pfarrers Gemmel vom Altar über
Johannis 21,17. Die Prüfung der Konfirmanden
 durch den Pfarrer Jamrowski
über das Gebet ergab recht befriedigende
Resultate. Mit den Konfirmierten, welche
sehr zahlreich erschienen waren, sprach
Superintendent Kreibig und mit den
Hausvätern, welche gleichfalls sehr willig
und freudig sich um den Altar versammelten,
 der Generalsuperintendent unter andächtiger
 Teilnahme der ganzen Gemeinde.


Nach Schluß des Gottesdienstes um
12'/2 Uhr fand die Sitzung mit dem
Gemeindekirchenrat statt, in welcher der
Referent sich anerkennend über die vor
anderen hervorragende Kirchlichkeit dieser
 Gemeinde aussprechen konnte. Unzweifelhaft
 hat die langjährige Treue des
Geistlichen hier gesegnete Früchte getragen.
 Die Sonntagsheiligung ist besser als in
anderen Gemeinden, auch die Sittlichkeit
zeichnet sich durch nur 8% unehelicher
Kinder vor anderen aus. Die Kommunikantenzahl

 beträgt fast 40% und übersteigt
 damit die aller übrigen Gemeinden.
Der Gemeindekirchenrat steht dem
Pfarrer in der Erbauung der Gemeinde
treu zur Seite und konnte mit Befriedigung
berichten, daß die vor Jahren hervorgerufenen
 Drostesche Bewegung in dieser
Gemeinde fast völlig erloschen sei.
Während des Nachmittags wurden die
Schulen vom Superintendenten Lackner
geprüft, worüber ein besonderes Protokoll
beiliegt. Über die sechs Lehrer der
Gemeinde spricht sich der Pfarrer, welcher
zugleich Ortsschulinspektor ist, durchweg
günstig aus. Ihre Führung ist gut, ihre
Stellung zur Kirche ist wohlgesinnt. Das
Spiel des Organisten läßt zu wünschen
übrig. Der Pfarrer klagt, daß die weite
Zerstreuung der Ortschaften ihm die
Seelsorge erschwere. In seiner Vorbereitung
 auf die Predigt ist der Pfarrer sehr
sorgfältig und vermag die Konzepte der
einzelnen Jahrgänge vorzulegen.
Unser Schlußurteil über diese Gemeinde
 geht dahin, daß dieselbe vor anderen
 in der kirchlichen Treue erhalten und
in ihrem Glaubensleben gut wohlgepflegt
ist.

Am Abend des Tages verließen wir das
liebliche Pfarrhaus und begaben uns in
das Kirchspiel Wargen.

Dieser Bericht wurde eingesandt von
Karl Willamowius,
Celler Str. 24 d, 38114 Braunschweig,
Telefon: 05 31-57 81 95

Redaktionsschluß für Folge 147 ist der 10. Juli 2000 39