stall untergebracht (es war angeblich
das Lazarett) verstarb er am 12. Mai
1945. Ihre mehrjährigen Nachforschungen
vor Ort über das Grab ihres
Vaters blieben ergebnislos. Den dort
erst 1950 zugezogenen Russen war
von diesem GPU Lager für Deutsche
nichts bekannt. Lediglich ein älteres
Ehepaar gab Hinweise auf einen
„Friedhof für Deutsche“ aus der Stadt
Königsberg, der auf Uggehnen, etwa 1
1 /2 km südöstlich von Karmitten gelegen
deutet. Es wird ein Tannenwäldchen
nördlich des einstigen Gutes
angegeben, heute Standort einer verfallenen
Kolchose. Diese Aussage
bekräftigt auch Frau Dora Müller telefonisch.
Frau Helene Wittke berichtet von
einem Mann namens Richard, der die
unmenschlichen Tortouren in Karmitten
durchlebte. Die massenweise
anfallenden Toten seien am Gut „hinter
dem Schloß“ verscharrt worden.
Hier ist sicher das Gutshaus gemeint,
das sehr eindrucksvoll wirkte. Diese
Aussage erhärtet die von Ernst Szonn
in meinem letzten Bericht. - Frau
Ruth Roggon erlebte die Grausamkeiten
dieser Hölle im Alter von 14
Jahren mit Mutter und Tante zusammengepfercht
im Schweinestall.
Sie erinnert sich an „ein dunkelhaariges,
bildhübsches Mädchen von 16
Jahren“, das von 10 Rotarmisten
nacheinander vergewaltigt worden
war. Sie blutete tagelang an den Unterleibverletzungen.
Ihr ständiges Wimmern
erlosch erst mit ihrem qualvollen
Tod. Mißhandlungen bei Verhören
waren üblich, um sogenannte Geständnisse
ohne Wahrheitsgehalt zu
erzwingen. Das aber zog dann die Verschleppung
nach Sibirien nach sich.
Dieses Schicksal traf auch ihre Tante
und wenig später die Mutter. So stand
das 14jährige Mädchen Ruth damals
„mutterseelen alleine irgendwo am
Haff“. Die in Arnau Geborene ist erst
im August 1948 von Jungferndorf aus
nach Deutschland ausgewiesen worden,
wo sie dann etwas später ihre
ebenfalls 1948 aus Sibirien entlassene
Mutter antraf. -
Den wohl ausführlichsten Bericht
mit ausgezeichnetem Kartenmaterial
von Powunden bis Trutenau und
Matzkahlen sowie einer Großkopie
von Stantau, Aweyken bis Ziegelau,
schickte mir Frau Irmgard Badzong,
geh. 1926, früher wohnhaft in Stantau.
Sie erzählt von einer Gefängnis-Kolchose
in Stantau, die mit Stacheldraht
umgeben, ca. 30 Personen, vorwiegend
Männer „beherbergte“. Die Insassen
waren wegen geringfügiger
Vergehen - oft auch willkürlich - verurteilt.
Auch hier fanden unmenschliche
Verhöre durch Folterungen statt
Verstorbene verscharrte man in der
Nähe des Hauses Schwaak nahe der
Dorfstraße. Frau Badzong war in der
Zeit von 1946 bis zur Abschiebung im
April 1948 auf dieser Kolchose tätig.
Die mir zugesandten Karten vom
Großraum Powunden als auch von
Stantau im Maßstab 1 : 25000 sind
auch für Ermittlungen im Bereich
Karmitten und Uggehnen außerordentlich
hilfreich. Vielen herzlichen
Dank - auch den vorgenannten Informatinnen!
36
Viele werden die Frage stellen,
warum ich nach mehr als 50 Jahren an
diese grauenvolle Zeit erinnere. Die
Antwort: Erst wenn auch die Russen
um ihre Verbrechen wissen, ist eine
wünschenswerte Versöhnung ehrlich
und von Dauer. Diese Wahrheit sollte
jeder „Heimwehtourist“ beim Besuch
in seiner Heimat anklingen lassen. Ich
habe es stets getan!
ORTSTREFFEN FUCHSBERG
Hiermit möchte ich nochmals an
unser Ortstreffen im Naturfreundehaus
Löhne-Gohfeld am 17. und 18.
Juni d. J. erinnern. Dieser Hinweis
sollte die letzte Anregung sein, möglichst
zahlreich daran teilzunehmen.
Die Bezieher des Samlandbriefes sind
nun mehrfach darüber informiert und
sind aus Gründen notwendiger Sparsamkeit
auch nicht persönlich angeschrieben
worden. Also bis zum
Wiedersehen am 17. und 18. Juni in
Löhne - Gohfeld oder eine Woche
vorher in Leipzig?
Herzlichst Euer Klaus Wulff,
Kulmer Straße 20 A, 32602 Vlotho,
Telefon: 0 52 28-71 83
Kirchen- und Schul-Visitation
in Cumehnen im Jahre 1893
Im Jahre 1852 verfügte der Evangelische
Oberkirchenrat, Überprüfungen
der Arbeit in den Kirchengemeinden
durchzuführen. Diese sogenannten
Visitationen sollten folgende
Aufgaben erfüllen:
• Kräftigung und Befestigung des evangelischen
Glaubens und Bekenntnisses
und der möglichsten Stärkung
oder Herstellung alt-evangelischer
Sitte in den Gemeinden
• Ermittlung und Abstellung von Mißständen
• Genaue Erkundung des gesamten
geistlichen Zustandes der Gemeinden
und derer, die an ihnen arbeiten.
In der Zeit vom 26. Mai bis 14. Juni
1893 wurden im Kreis Fischhausen
diese Visitationen durchgeführt. Die
Kommission setzte sich aus 8 geistlichen
Würdenträgern und 6 weltlichen
Mitgliedern - meist aus dem Adelsstand
- zusammen. Am 6. Juni 1893
war dann Kumehnen (damals noch mit
„C“ geschrieben) dran.
Hier der ungekürzte, unveränderte
Visitationsbericht im ursprünglichen
Wortlaut, jedoch an die heutige Rechtschreibung
angepaßt:
12. Dienstag, den 6 Juni 1893
Kirchspiel Cumehnen
Ostpreußen im Internet - „http://www.ostpreußenblatt.de“
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