Panzerabwehr und für den Artilleriekampf.
Die Truppe bezog ihre wenig vorbereiteten
Stellungen am nördlichen
Stadtrand zügig und ohne Zwischenfälle.
Der 24. April war an der Front
relativ ruhig, auch der Russe litt unter
seinen hohen Verlusten.
Nur die permanente Tätigkeit der
vielen sowjetischen Flugzeuge setzte
sich fort. Unsere Luftwaffe hatte den
Flauptkräften einer sowjetischen Luftarmee
nicht mehr viel entgegen zu setzen.
An tapferen Bemühungen fehlte
es auch hier nicht. Das Jagdgeschwader
51 hatte vor den sowjetischen
Panzern die samländischen
Flugplätze eilig räumen müssen, dabei
einen großen Teil seines Bestandes,
besonders durch Bombenangriffe auf
dem Platz Littausdorf, verloren. Der in
der III. Jagd-Gruppe zusammengefaßte
Rest, Ist-Stärke 12 Jäger,
wurde nach Junkertroylhof, wo der
Russe auch nicht mehr weit war, verlegt.
Von dort aus operierte die
Jagdgruppe mit den ein oder zwei stets
einsatzbereiten Schwärmen (meistens
3 - 4 Flugzeuge) gegen die sowjetischen
Geschwader (je 40 - 70 Flugzeuge).
Bemerkenswert war, daß nach
dem Start der deutschen Jäger die
sowjetischen Verbände oft zügig ausweichen
konnten, dann aber nach der
Jägerheimkehr bald ein sowj. Bombenangriff
auf den Platz erfolgte. Als endlich,
besonders um den Abtransport
der Flüchtlinge besser schützen zu
können, dieser Jagd-Gruppe am 24.
April von Usedom aus 24 neue Me
109 G-10 zugeführt wurden, zerbombten
die sowj. Schlachtflugzeuge JL-2
diese in wenigen Tagen auf dem Flugplatz.
Viel zu spät hat man den sowjetischen
Agenten in deutscher Luft-1
waffenuniform (wohl vom sog. „Na-1
tionalkommitee Freies Deutschland“)
entdeckt, der am Platzrand eine versteckte
Funkstelle betrieb.
In ihren Stellungen
am nördlichen Stadtrand
nahm am 24. April die
83. Infanterie Div. Die
Verteidiger des Neuhäuser
Riegels auf, der
Russe drängte nicht
nach. Als die 83er Stellungstruppen
sahen, daß
die zurückgehenden Divisionsreste
etwa so
zahlreich waren wie sie
selbst, war ihre Stimmung
bald im Begriff, so
Major Reymann, umzuDas
Ende des letzten deutschen Tigerpanzers auf dem Marktplatz
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schlagen. Bisher war eine weitverbreitete
Überzeugung gewesen, „wir müssen
nach Pillau, wir werden dort
gebraucht,“ so enstand jetzt bei manchen
die Meinung „warum hat man
uns hierher geholt, wo doch soviel
eigene Truppen sind“.
Ein großer Teil der abrückenden
Truppen wurde zügig nach Neutief
übergesetzt. Marine und Pioniere vollbrachten
in der Nacht des 24./25.
April eine besonders große Leistung:
Mit wenigen Fährprähmen und Booten
setzten sie insgesamt 19.200 Soldaten
und unzählige Flüchtlinge über das
Seetief.
Am 25. April trat das sowj. 16.
Gardekorps erneut zum Angriff auf
Pillau an, der Schwerpunkt lag westlich
der Reichsstraße 131. Durch das
Lager Himmelreich drang der Russe
bis zum Jugendheim vor, ein Vorstoß
westlich davon über die Wälle des
Schießstandes bis zum Schützenhaus
verbreiterte den Einbruch. In verbissenen
Kämpfen konnte der Russe nur
noch kurze Zeit aufgehalten werden.
Er erhielt noch einmal erhebliche Verluste,
dabei fiel auch der kommandierende
General des Korps, Generalleutnant
Gurjew. Er wurde zum Helden
der Sowjetunion ernannt und zum
Namensgeber für die Umbenennung
von Neuhäuser in Gurjewsk.
Bald war das an der Reichsstraße
131 verteidigende Regiment des Obersten
Raatz zerschlagen. Zum Gegenangriff
gegen den tiefen sowj. Einbruch
standen keine Reserven zur Verfügung.
Daher entschloß sich der kommandierende
General des L. V. Korps, dem
die 83. Infr. Division unterstand, Pillau
in der Nacht vom 25./26. April zu räumen
und rief den Divisionskommandeur
zum Korpsstab auf die Nehrung.
Auf dem Weg dahin fielen der Generalmajor
Wengler und sein Adjutant
bei einem Bombenangriff.
Das sowjetische Feuer auf die brennende
Stadt und die Zitadelle war jetzt
so dicht, daß der Erdboden, so Reymann,
ständig vibrierte. Die Gardetruppen
standen bald wenige hundert
Meter vor der Zitadelle, deren Verteidiger
sich mit MG, Granatwerfer und
Flammenpatronen so hart verteidigten,
daß die Russen ersteinmal in die
Stadt eindrangen. An der Hindenburg-Brücke
wurde heftig gekämpft, in der
Stadt ging der einzige vorhandene
Tiger-Panzer, am Bahnhof der letzte
Pz-Jäger-„Hetzer“, verloren.
In Kamstigall waren die Sowjets
von Norden wie auch über den Damm
des Seekanals eingedrungen. Die hier
eingesetzten Marineschützen hatten
sich bereits zeitig auf Booten und
Flößen zur Nehrung abgesetzt. Auf
diesem amphibischen Weg kamen
auch noch einzelne Trupps und
Gruppen unserer Soldaten von der
Halbinsel Peyse zurück, die dort der
sowjetischen Gefangenschaft entkommen
waren.
Bei so chaotischer Flucht spielte oft
der Dienstgrad keine Rolle mehr. Ein
Beispiel: Um den hochdekorierten
Unteroffizier Richard Schiller (aus
Tilsit) hatten sich der ganze Rest einer
Kompanie und viele Einzelne, 40 - 50
Mann, geschart, weil er in dem Ruf
stand, überall durchzukommen. Auf
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