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Schummerstunde
Schummerstunde - so nannten wir die Zeit, wenn es noch nicht lohnte Licht zu
machen, die Lampen anzuzünden.
Me Arbeit war getan, es war die Zeit zwischen Tag und Abend. Dann gingen wir
gerne zur Oma. Sie saß dann im Lehnstuhl am Fenster. Ich glaube, sie wartete dann
schon auf uns. Sie konnte so gut erzählen. Und alles was ich heute noch von meiner
LLeimat Ostpreußen, dem Samland dort an See und Haff weiß, das weiß ich von ihr,
und ich bin dankbar dafür.
Meine Heimat gehört heute zu Rußland. Nach uns wird niemand mehr berichten wie
sie war. unsere Heimat. Niemand wird mehr fragen nach unseren Bräuchen. Gewohnheiten
- es wird alles vergessen sein.
In der Schummerstunde bin ich gerne allein,
dann denke ich viel an zu Haus'.
Dann geht in meinem Kopf eine Schublade auf.
und ich „krassel“ dann alles raus.
Mir fällt dann alles aus der Kinderzeit ein.
und alles ist greifbar und nah.
Die Gesichter - ja sogar die Stimmen ich hör. -
von Menschen, die doch längst nicht mehr da.
Alle Kinderspiele sind in der Schublade drin-„Mutterchen
darf ich"? - „Wirzieh'n durch“ - und mehr.
Nichts ist vergessen - es ist alles noch da.
und es ist doch schon so lange her.
In der Schublade sind auch Gerüche drin,
wie roch es doch noch zu Haus?,
wenn Einkochzeit war oder Weihnachtszeit,
die Seeluft nach Sturm, rein und klar.
Ach. es ist noch so viel in der Schublade drin,
auch Sehnsucht und Heimweh drin wohnt.
Doch ich hör auf zukrassein", mach die Schublade zu.
bis mal wieder aufräumen lohnt.
kJ
p % - n
Charlotte Ortwig-Klein
Ostseebad Cranz
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Treffen der Qodriener
Fiebernd sahen wir dem Termin
entgegen. Ende August sollte er stattfinden.
So war es schon vor einem Jahr
vereinbart worden. Marianne Butschat
hatte es sich zur Aufgabe gemacht,
unser Treffen in Garbsen zu organisieren.
Nun war es bald soweit. Was war
wohl so Besonderes an diesem Treffen?
53 Jahre nach Kriegsende hatten sich
ehemalige Bewohner des kleinen Dorfes
Godrienen im Landkreis Königsberg
wiedergefunden. Dieses war nun
das dritte Treffen der anfangs kleinen
Gruppe, und wieder waren „Neue“
dabei, wie Grünheit, Borries und
Schmidt, und andere aus Wundlacken.
Langes Suchen hatte Erfolg gehabt,
unser Kreis war größer geworden. Aber
ganz besonders freuten wir uns über
den unerwarteten Besuch von Christel
Priess, die nach schwerer Krankheit
unbedingt bei uns sein wollte. Wir
konnten nicht ahnen, daß wir sie zum
letzten Mal sehen sollten, wenige Tage
danach ging sie für immer von uns.
Bei Kaffee und Kuchen aber saßen
wir noch alle zusammen, es wurde gelacht
und erzählt, nachdenklich zugehört
und viel, sehr viel nachgedacht.
Unbemerkt und viel zu früh wurde es
Abend. Einige verabschiedeten sich
und fuhren nach Hause, die übrigen
blieben über Nacht und fanden erst zu
später Stunde den Weg ins Zimmer.
Den Ausklang am kommenden Tag
machten uns Marianne und Willi ganz