wohnt. Auf dem Hof Schartner
erblicke ich völlige Leere. Vor zwei
Jahren stand das Wohnhaus noch,
wenn auch in einem trostlosen Zustand.
Das trifft mich sehr, hatte doch
mein Ur-, Ur- Urgroßvater Heinrich
Wulff vom Amt Uderwangen im „Auftrag
des Königs“ etwa 1760 seine
„Landverschreibung“ urkundlich erhalten.
Die jetzigen Häuserlücken lassen
mich schon von weitem unser
Wohnhaus vom einstigen Mühlengrundstück
sehen. Ich bin nicht hineingegangen.
Es leidet wie ich! So
wandere ich auf dieser Seite zur Beek.
Auch hier hinter Bäumen versteckt
das Wohngebäude Bronitzki, einst
auch das Zuhause unseres Geigenlehrers
Erwin Kohlhoff. Doch mit beiden
vor dem Haus sitzenden Bewohnern
ist kein Gespräch möglich
-auch nicht durch Gesten. Beide sind
am hellen lichten Tag besoffen. Also
wende ich mich dem Hof Stobbe zu.
Es war einst der größte Bauer und er
blieb es dank Kämmerer Bersuck. Den
hat der Russe scheinbar nicht. So nagt
auch hier die Zeit an der Substanz.
Maschinen und Geräte stehen wirr auf
dem Hof durcheinander. Ich kann von
hier aus das dazugehörende Altenteil
sehen, das früher unsere Gendarmen
beherbergte. Hier gehen die Eigentumsverhältnisse
in Dachfirstrichtung.
Die hintere Längstseite wird den Geist
bald aufgeben, während die zur Straße
zeigende Fassade zwar verwittert, aber
doch noch Jahre überstehen könnte.
Das Wohnhaus Eichwald muß man
schon suchen. Verdeckt von hohen
Bäumen ist es in der Länge gestutzt
worden. Der jetzt gegenüber dem Hof
liegende Eingang führt direkt in eine
Küche mit nun gestampftem Lehmboden.
Dort besuchte ich oft eine alte
Frau, die vor Jahren verstarb.
Mein vorletztes Foto schieße ich
vom Wohnhaus Schweißing im „Karpfenteich“.
Hier gab es tatsächlich noch
vor ca. 200 Jahren einen von allen
Ortsbewohnern gemeinsam genutzten
Fischteich, der das noch karge Nahrungsangebot
verbessern half. Auch
hier ist der Stallanbau mit dem riesigen
Loch verschwunden, der Bau verkleinert.
Ich wandere zurück zur „Flinsengasse“
und stoße auf die „Villa“ Krüger.
Nur wenig Bausubstanz schimmert
durch das wuchernde Grün der
Bäume und Büsche. Erst von der Hofseite
Bochert bemerke ich auch hier
abgetrennte Gebäudeteile die notdürftig
mit Brettern vernagelt sind. Das
Dach ist schlecht abgedichtet. Das
geht nicht lange gut! Einst wohnte der
Kolchosdirektor hier. Von beiden Insthäusern
des Bauernhofes Borchert
zeigte ich bereits Fotos. Ihr Zustand
läßt auf tüchtige Russen schließen.
Ganz anders das Wohnhaus des Altbürgermeisters.
Die rechte Seite (vom
Hof aus) verfiel schon 1996 und so ist
auch dieses Gebäude verkleinert. Die
neue Außenwand besteht aus rohen
Brettern. Das Innere kaum als wohnwürdig
zu bezeichnen.
Von beiden russischen Kolchosen
sind selbst die früher noch so gespentisch
in den Himmel ragenden Stahlträger
der Wirtschaftsbauten verschwunden.
Russische Wirtschaft in
Fuchsberg; symbolisch für das gesamte
nördliche Ostpreußen!
Auf der Rücktour fahren wir an
Wehnenfeld, das nicht mehr existiert,
vorbei nach Borchersdorf. Dieser einst
von Pottel und Hopp, den beiden
Straßenwärtern, so liebevoll gepflegte
Weg, ist auch heute in relativ gutem
Zustand und der Straße ab Hohenhagen
vorzuziehen. In Borchersdorf
angekommen, registrieren wir in der
zur Straße weisenden Giebelmauer
unserer Kirche ein riesiges Loch.
Dieser alte so symbolträchtige Kirchenbau
wäre vor Jahren noch zu retten
gewesen. Doch nun ist der endgültige
Verfall nicht mehr aufzuhalten. Es
ist die älteste der im Patronat derer
von Dönhoff befindlichen Kirchen
gewesen. Das Mitleid der Gräfin, ansonsten
wohl engagiert, hat sie nicht
erwecken können.
Über die restlichen Tage meines
Aufenthaltes im Königsberger Gebiet
werde ich in meinem einstündigen
Videofilm berichten, den ich am
Wochenende der 3. Maiwoche 2000
zeigen werde. (Kopie des vertonten
Videofilms 39,- DM) Als besonderen
Schwerpunkt neben dem Samlandtreffen
in Rauschen und dem Besuch
Pillaus, bin ich der „Blutspur der
Sowjets 1945“ im Samland gefolgt und
habe Kriegsgräberstätten aufgesucht.
Es grüßt Euer Klaus Wulff,
Kulmer Straße 20 a,
32602 Vlotho -2,
Telefon: 052 28-7183
56 57