Das Bundespräsidentenehepaar Herzog
besuchte die Kurische Nehrung
ren von dort weiter nach Kiviöli. Herr
Lind begleitete uns zum Gräberfeld. Er
hatte alle Pläne und kannte das Gelände
aus seiner Kindheit.
Auf dem brachliegenden Feld, mit
hohem Gras und Unkraut überwuchert,
sahen wir die eingefallenen Gräber,
dicht an dicht. Von der Gemeinde Kiviöli
ist geplant, die Fläche zu planieren,
Rasen anzusäen und einen Gedenkstein
aufzustellen für die 613 Verstorbenen,
die hier ihre letzte Ruhe fanden.
Mitten auf dem Gräberfeld befand
sich ein ca. 6 x 15 m großes Kartoffelfeld,
auf dem zwei Männer arbeiteten.
Unsere Begleiter sprachen sehr verärgert
mit ihnen und erklärten uns, daß es
verboten sei die Fläche zu bestellen. Es
handelte sich um Russen, die sich nicht
an das Verbot hielten. Am Montag wollte
unser Begleiter es der Stadtverwaltung
melden.
Dann fuhren wir zu der von Unkraut
überwucherten Stelle, wo nach Plan
unser Vater begraben liegt. Wir standen
nun nach 54 Jahren der Ungewißheit,
fast an dem Todestag, dem 2. Juni, am
Grab unseres Vaters. - Unbeschreiblich!
Ich verstreute die Erde aus meinem und
meiner Schwesters Garten. Wir steckten
Kastanien, Eicheln, den Schischke (Tannenzapfen)
und Steine von der Kirche
aus Schönwalde in die Erde, knieten
nieder und sprachen mit meinem Vater.
Auf dem Videofilm, für meine Mutter
gedreht, waren von meinem Zwiegespräch
nur Wortfetzen zu hören. Der
Wind hatte die Worte zerrissen, und ich
glaubte meinen Vater zu hören: „Das
war doch nur für mich bestimmt.“
Rudi Sandern,
Tangstedter Straße 64, 25462 Rellingen,
Telefon: 04101-22977
war schon immer einmal mein
Wunsch, die Kurische Nehrung zu
sehen und zu erleben.Obwohl es von
meinem Heimatort Gallgarben bis
nach Cranz nur etwa 20 km waren,
hatte ich nie die Gelegenheit auf die
Nehrung zu gelangen. Die Schule besuchte
ich während der Kriegsjahre,
und Schulausflüge waren in dieser
Zeit selten und fanden dann meistens
in die nähere Umgebung statt.
Meine erste Begegnung mit der
Kurischen Nehrung machte ich im
Mai 1991, als wir im Morgengrauen
von Königsberg nach Polangen zum
Flughafen fuhren. In Powunden durften
wir damals noch nicht starten.
Seitdem hat sich vieles verändert.
Bei unserer letzten Ostpreußenreise
im Mai dieses Jahres besuchten
wir nun den litauischen Teil der
Kurischen Nehrung in Nidden und
Schwarzort. Wir waren überwältigt
von der Schönheit der Nehrung, insbesondere
von den Dünen bei Nidden
und Schwarzort. Die Sauberkeit und
Gepflegtheit der Uferpromenaden in
diesen beiden Orten hat uns sehr
beeindruckt. Durch Zufall stattete
auch der deutsche Bundespräsident
Herzog mit seiner Frau, anläßlich
eines Staatsbesuches in Litauen und
Lettland, Nidden eipen Besuch ab.
Wir waren sehr erstaunt, ihn dort
anzutreffen. Mit seinem Gefolge besuchte
Herr Herzog die Düne bei
Nidden und das Thomas-Mann-Haus.
Bei dieser Gelegenheit gelangen mir
ein paar Fotoaufnahmen, soweit sie
Presse- und Sicherheitsleute zuließen.
Es hat mich sehr gefreut, daß ein deutscher
Bundespräsident sich für einen
Teil unserer ehemaligen ostpreußischen
Heimat interessiert hat. Mögen
es seine Nachfolger auch tun. Sie würden
es nie bereuen.
Eine besondere Sehenswürdigkeit
ist der Hexenberg in Schwarzort. Hier
haben litauische Künstler vor etwa 20
Jahren bizarre Holzfiguren aus alten
Sagen und Märchen aufgestellt und so
einen Märchenpfad geschaffen.
Einen Abstecher machten wir mit
dem Taxi in das Gebiet von Heydekrug.
Aus diesem Gebiet kamen im
Oktober 1944 die ersten Flüchtlinge
zu uns nach Gallgarben, die dann im
Januar 1945 mit uns auf die Flucht
gingen. An dieser Stelle sei noch einmal
daran erinnert, daß in den Hungerjahren
1945 - 1947 viele Kinder -
auch aus unserem Kreisgebiet - nach
Litauen wanderten, um dort bei
Bauern unterzukommen und dem
Hungertod zu entgehen. Oft mußten
die Kinder vor der Miliz versteckt
werden. Die Bauern gingen dann ein
hohes Risiko für ihr eigenes Leben
ein.Mit unermeßlichen Eindrücken
kehrten wir nach Deutschland zurück.
Nach über 60 Jahren war mein
Wunschtraum in Erfüllung gegangen.
Ich habe doch noch unsere Kurische
Nehrung gesehen und erlebt. Auch
unser Bundespräsident wird von dieser
schönen Landschaft begeistert
gewesen sein.
Herbert Paulusch,
An der Kreuzwiese 19,
61440 Oberursel
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