Full text : Unser Schönes Samland

Liebe Bärwalder!

Das Jahr ist wie im Fluge vergangen
und wir stehen an der Schwelle zu einem
neuen Jahrtausend. Was wird es uns
bringen, an Gutem oder Bösem?
Auf jeden Fall wünsche ich Euch
allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und
Glück und Gesundheit für das neue Jahr
„Zweitausend“. Möge es Euch und
Euern Familien gut ergehen.
Für das Jahr 1999 wäre vor allem
über unsere Reise mit der Kreisgemeinschaft
 nach Rauschen zu berichten.
Über den Ablauf des Kulturtreffens ist
bereits von kompetenter Seite im vorigen
 Samlandheft geschrieben worden,
so bleibt mir nur. Euch über unseren
Besuch in Bärwalde zu berichten.
Unsere russische Freundin Sofia
Grinkowa und ihr Schwiegersohn holten
uns in Rauschen ab und wir fuhren über
Wargen und Seerappen in unseren
Heimatort, ln der Langgasse stehen
noch zwei Häuser aus früherer Zeit und
so begrüßten wir die russische Familie
in Kreuzbergers Haus und Maria, die
mit ihrer Familie seit 1946 in dem
März’schen Haus wohnt. Ganz in der
Nähe von Kreuzbergers Haus saß auf
einem Telegrafenmast ein Storch in seinem
 Nest. Wir waren freudig überrascht,
daß sich wieder ein Storchenpaar in
Bärwalde angesiedelt hat.
Inzwischen war es Mittagszeit und
der von Sofia reichhaltig bestückte Picknickkorb
 wurde ausgepackt. Wir ließen
uns auf dem Ruffschen bzw. Neumann’
sehen Grundstück nieder, mit Blick auf
unsere Hofanlage.
Unser Versuch, an der ehemaligen
Schule und Stuckes/Ploogs Haus vorbei
in den Wald nach Sonntagsruh zu gelangen

 schlug fehl. Von der früher breiten
 Fahrstraße war nur ein schmaler
Weg übriggeblieben, der zudem noch
von großen Wasserlöchern übersät und
dadurch unpassierbar geworden war.
Eine Frage der Zeit, bis die Wildnis
auch hier ihr Werk vollendet hat.
Lisa und Orest, die Familie die unseren
 Friedhof betreut, haben wir zunächst
nicht angetroffen. Sie besuchten uns am
Abend in Rauschen.
Der Friedhof befand sich in einem
gepflegten Zustand. Orest hat einige
Tannenbäumchen um den Gedenkstein
gepflanzt und er hofft, daß sie nicht gestohlen
 werden, um sie als Weihnachtsbäume
 zu mißbrauchen.
Wir haben zwei Rosensträuße an
dem Grabmal niedergelegt und eine
kurze Gedenkzeit gehalten.
Orest sagte uns, daß ein Neu-Bärwalder
 ein Stück von einem schmiedeeisernen
 Gartenzaun in seinem Garten
vergraben hat, den er für den Friedhof
hergeben würde. Er könnte vielleicht als
Eingangstor benutzt werden. Überhaupt
würden einige Bärwalder den Friedhof
liebevoll betreuen und Blumensträuße
niederlegen. So konnte ich mich davon
überzeugen, daß Eure Spenden gut angelegt
 sind.
Ansonsten existiert das alte Bärwalde
 nur noch in der Sonntagsruhe.
Hier stehen einige Häuser aus früherer
Zeit, die sich in einem relativ guten
Zustand befinden. In einem schönen,
neuerbauten Haus war eine Russin
dabei, ihre Fensterrahmen zu streichen.
Sie reagierte sehr freundlich, als wir sie
ansprachen, zeigte uns ihren schönen,
gepflegten Garten und das große Ge­42



wächshaus, wo u.a. Tomaten in großer
Üppigkeit wuchsen. Am Ende unseren
Gespräches hatten wir dann Tüten voller
 Obst und Gemüse, der Mittagstisch
von Sofia litt für die nächsten Tage keinen
 Mangel. Wir revanchierten uns mit
Seife und Süßigkeiten, denn in Rußland
erfordert ein Geschenk immer ein
Gegengeschenk. Wir wußten das und
waren darauf eingerichtet. Die Gastfreundschaft,
 das haben wir in Bärwalde
auch bei anderen Familien erlebt, kennt
keine Grenzen.
Trotz des vollen Programms in
Rauschen fanden wir noch Zeit, das
Brachert-Museum in Georgenswalde zu
besuchen. Wir marschierten auf dem
Hinweg durch den Wald und hatten uns
ein bißchen verfranzt. Eine russische
Familie, der wir begegneten, half uns
wieder auf den richtigen Weg. Das
Brachert-Museum, mit seinen Exponaten,
 ist sehenswert. Das Haus hat
einen großen, sehr gepflegten Garten
und man versteht, daß Brachen hier
sehr gerne gelebt hat.

Die Direktorin des Museums, die
uns über eine Stunde von Brachen erzählt
 hat, stärkte uns am Ende mit einem
vorzüglichen russischen Tee, den besten
den wir je getrunken haben.
Zurück nach Rauschen wateten wir
durch das kühlende Wasser der Ostsee.
Es war sehr heiß, aber die leichte Brise
und die weiche, streichelnde Ostseeluft
ließ uns die Hitze nicht spüren. Wenn
man die Augen schloß, konnte man meinen
 die Zeit wäre stehengeblieben, es
wäre alles so schön wie früher und Leid,
Vertreibung und Verlust der Heimat
wären nur ein böser Traum.

Ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig
mitnehmen auf unsere Reise in die alte
Heimat, schade nur, daß keine weiteren
Bärwalder mitgereist waren.

Mit heimatlichen Grüßen
Eure Ursel Growitz,
Auf dem Freibogen 1, 53127 Bonn

Bludau-Farnilien-Nachrichten

Liebe Bludauer, wenn Sie diesen
Bericht lesen weihnachtet es schon sehr.

Wir hoffen, daß Sie einen schönen
Sommer mit vielen erfreulichen Erlebnissen
 hatten, wie zum Beispiel die
Kulturtage der Samländer in Rauschen.
Über das Treffen wurde bereits ausführlich
 an anderer Stelle berichtet.

Ein großes Dankeschön an unseren
Vorsitzenden Louis-Ferdinand Schwarz
für die arbeitsreiche Organisation und
an die Geschäftsführerin Frau Albers.
Die Vorbereitung eines so großen
Treffens kostet bekanntlich viel Zeit
und vielleicht auch manch schlaflose
Nacht. Die Sorge um die Gesundheit
ihres Sohnes äußerte die Mutter unseres 43