Post im Samland bis 1945
Liebe Samländer!
Sie halten nun wieder einen Heimatbrief
in Händen, der Ihnen durch die
Post zugestellt wurde. Das die Post funktioniert,
ist für uns heute selbstverständlich,
auch wenn oft genug kleine Mängel
moniert werden. Nur Wenigen ist bekannt,
wie die Post in unserer Heimat
vor 1945 funktionierte oder gar wie sie
sich von ihren Anfängen im Laufe von
Jahrhunderten entwickelt hat. Dabei ist
das Thema Post für die Dokumentation
der Kultur und Wirtschaft unserer Heimat
unerläßlich und sollte von keinem
Ortschronisten ausgelassen werden.
Denn sie ist eng mit der Geschichte des
Landes verbunden. Dabei ist zu berücksichtigen,
daß Verkehr und Nachrichtenübermittlung
erst eine florierende
Verwaltung und Wirtschaft ermöglichten.Als
Sammler begann ich mich vor ca.
15 Jahren für die Post in Ostpreußen
und dort natürlich besonders für die
Post in unserem Heimatkreis Samland
zu interessieren. Dabei machte ich zwischen
den Kreisen Fischhausen und
Königsberg (Pr) Land keinen Unterschied
und habe auch die Orte, die
1905, 1927/28 oder 1939 nach Königsberg
(Pr) eingemeindet wurden, in meinen
Betrachtungen eingeschlossen.
Während ich am Anfang kaum glaubte
einen Brief oder eine Karte mit einem
Poststempel aus dem Kreisgebiet zu finden,
stellte ich im Laufe der Zeit fest,
wer „suchet der findet“. Der Zugang zu
den entsprechenden Sammlerkreisen
hat es mir ermöglicht, von den allermeisten
der über J70 Postanstalten zahlreiche
interessante Briefe und Karten zu
finden. Ein besonderes Lob gebührt
hier den Mitgliedern der philatelistischen
Arbeitsgemeinschaft Deutsche
Ostgebiete e. V, die mir sehr geholfen
haben. Diese Arbeitsgemeinschaft mit
280 Mitgliedern beschäftigt sich mit der
Post in den Provinzen Ost-/Westpreußen,
Pommern, Posen, Schlesien und
dem Sudetenland. Ich gehöre dieser
Arbeitsgemeinschaft seit 13 Jahren an.
Vor 2 Jahren wurde mir deren Leitung
übertragen. Interessenten können sich
gern an mich wenden.
Wie hat sich nun die Post im Samland
entwickelt? Sicherlich ist die Kommunikation
schon immer ein Anliegen
der Menschen gewesen. Doch liegen aus
der pruzzischen Zeit keine schriftlichen
Aufzeichnungen vor.
In den Ordensarchiven finden wir
eine Vielzahl von Briefen ab dem frühen
15. Jahrhundert mit denen Nach-Ordensbote
um 1276 nach einer anonymen Zeichnung
richten der Ordensoberen an Kaiser
und Papst oder die von einem Stützpunkt
zum anderen übermittelt wurden.
Der Hauptweg dieser Post des Ordens
lag zwischen Marienburg und Königsberg
und weiter zu den Grenzfesten
Tilsit/Ragnit oder über die Kurische
Nehrung und Memel nach Livland.
Daraus ist schon zu ersehen, daß diese
Course auch auf samländischen Gebiet
verliefen, z. B. von Brandenburg nach
Königsberg, von Königsberg nach Labiau
oder Cranz. Innerhalb des Samlands
sind Routen, von Königsberg ausgehend,
nach Kaporn-Fischhausen-Lochstädt,
nach Medenau, nach Grünhoff,
nach Schaaken, nach Waldau und
nach Neuendorf bekannt. Die Übermittlung
der Briefe erfolgte durch bryffjongen
zu Fuß oder auf besonders ausdauernden
Pferden, den sweyken. Diese
„Post“ war den Amtsgeschäften des
Ordens Vorbehalten.
Neben dieser Nachrichtenübermittlung
des Ordens begann sich ein Nachrichtendienst
der Kaufleute zu entwickeln,
der insbesondere die Hanse-Städte
verband, zu denen damals auch
Königsberg gehörte.
I Als 1525 der Hochmeister Albrecht
von Brandenburg den Orden in ein
weltliches Herzogtum umwandelte, entstand
aus der Botenpost des Ordens die
Ämterpost des Herzogtums. Die Schulzen
(Bürgermeister) hatten die Aufgabe,
die anfallende Post bis zum nächsten
Amt zu befördern.
Alle diese genannten Posten gingen
nach Bedarf, also ohne festgelegte Zeiten,
und standen der Bevölkerung nicht
zur Verfügung.
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Anfang des 17. Jahrhundert, nach
der Vereinigung des Kurfürstentums
Brandenburg mit dem Herzogtum
Preußen im Jahre 1618, wurde die
Brandenburgische Post- und Botenordnung
auch in Preußen eingeführt.
Der Postcours ging von Berlin bis Danzig
und dort begann der Königsberger
Cours über die Frische Nehrung-Pillau-Fischhausen
nach Königsberg. An der
Strecke waren Stationen zum Pferdewechsel
eingerichtet, so z. B. in Widitten.
Die Weiterführung des Courses ging
dann von Königsberg über Cranz-Rossitten
nach Memel und Riga.
Diese Course wurden in der Folgezeit
auch innerhalb Ostpreußens erweitert,
das Postnetz wurde dichter, die
Wege und Transportmittel verbessert
und dadurch die Postbeförderung beschleunigt.
Das Postwesen stand nun in
Preußen jedermann offen. Es wurden
Briefe, Pakete, Geld und auch Personen
befördert. Die Post hat damit den ersten
öffentlichen Personenverkehr eingeführt
und bis zum Bau der Eisenbahnen
allein aufrecht erhalten.
Wie auf der Karte auf der nächsten
Seite zu entnehmen ist, war das westliche
Samland aber immer noch ein
weißer Fleck in der Postlandschaft. Die
Course verliefen hauptsächlich in südlicher
und östlicher Richtung. Nach
Norden ging die Post weiterhin über
Mülsen-Cranz-Sarkau-Rossitten nach
Memel und nach Westen über Widitten-Fischhausen-Pillau
zur Frischen
Nehrung und weiter nach Danzig.
Wahrscheinlich spielte sich auf dem
Lande die Information und der Gedankenaustausch
nur innerhalb der Dorf- 14