Full text : Wollsteiner Aufsätze

Deutschen bislang hatte einigen können. So drohte man mit
dem Einmarsch in Deutschlands Westen. Bei den Verhandlungen
 schlug nun der Marschall Foch eine am Kartentisch
gezogene Grenzlinie entlang der Linie Birnbaum
(Miedzychod), Bentschen (Zbazyn), Lissa (Leszno) und Rawitsch
 (Rawicz) vor, die den Deutschen aber zu weit ging, so
einigte man sich am 19.2.1919 in dem Waffenstillstandsvertrag
 von Trier auf den Status quo. Damit waren die Kämpfe im
Großen und Ganzen beendet. Da es aber immer noch Ungereimtheiten
 beim detaillierten Grenzverlauf gab, versuchten
die Polen in einigen Abschnitten immer wieder die Grenzfrage
vor der Ankunft der Kommission der Alliierten gewaltsam zu
klären. Die Einigung von Trier festigte die Lage im Primenter
Raum: Mauche und Altkloster waren polnisch, Lupitze bereits
deutsch und mittendrin lag der „unabhängige Freistaat
Schwenten.“

Am 10. August 1919 gab Schwenten dann die Neutralität auf,
da die Untersuchung der Grenzregionen durch eine Ententekommission
 bevorstand. Man wollte so vollendete Tatsachen
schaffen. Am 16. August gelang es den deutschen Grenzschutz
davon zu überzeugen, daß Schwenten nicht mehr neutral sein
konnte und gesichert werden mußte. So schickte man nach
und nach 80 Mann dorthin, die seither den neuen Status sicherten.


Am 9. Juni 1920 traf dann die erwartete Ententekommission
ein, die die erwartete Entscheidung bezüglich Schwentens traf,
nicht aber betreffs Vincenthorst, das eng mit dem Kirchspiel
und der Nachbargemeinde Mauche verflochten war. Vincenthorst
 wurde polnisch. Aus Mauche ist bezüglich diesen
Tages sogar noch Einiges in der mündlichen Tradition erinnerlich
 geblieben. So hatten sich die Deutschen im besten
Sonntagsanzug auf dem Mühlberg versammelt, um die Kom­ 15