Full text : Unser Schönes Samland

Die Sonne lachte und der Himmel
war so blau und die weißen Wolken
zogen dahin wie Segelschiffe.
Heute bin ich - das Kind von einst -
62 Jahre alt und denke immer noch
gerne an die Sommerferien zurück,
denn mein schönes Waldhöfen gibt es
nicht mehr. Wir waren inzwischen
dort, voller Aufregung und Erwartung.
Was würden wir noch vorfinden? Es ist
alles weg, nur der versumpfte Teich ist

noch da, wo einst Leben und Treiben
herrschte.
Meine liebe Oma ist in den
Nachkriegsjahren in Ostpreußen verhungert,
 wie viele andere Menschen
auch. Ihr gehört mein Dank für alles.
Sie hieß Maria Schwarz.

Die Kindsheitserinnerungen ihrer Tochter
wurden eingesandt von Käte Reich,
Erkenfeldstraße 35 b, 59075 Hamm

Die Pfarrkirche zu Kumehnen -

ist sie noch zu retten?

Die mitten in der Halbinsel Samland
 gelegene Pfarrkirche zu Kumehnen
 ist nur noch eine traurige Ruine.
Der russische Fotograf und Archivar
Anatolij Bachtin beschreibt in seinem
Buch „Vergessene Kultur - Kirchen in
Nord-Ostpreußen“ die Ordenskirche
mit den folgenden Sätzen:
Sie wurde von der Landwirtschaft
als Lagerhalle genutzt. Der Turm befindet
 sich in einem katastrophalen
Zustand. Der südwestliche Anbau ist
zerstört. In den Ostteil des Chores
wurde eine quadratische Toreinfahrt
für LKW gebrochen. Die Vorhalle im
Norden ist abgerissen, die schöne Tür
vermauert. Die Sakristei ist nicht
erhalten. An vielen Stellen fehlen
Dachziegel, der Dachstuhl ist verrottet,
 die Nordwand des Chores zerfällt.
Auch die nordöstliche Ecke des
Kirchenschiffs verrottet, weil ein
Wasserabfluß fehlt.
Seit 1994 ist die Kirche ungenutzt.

Menschen, die nach dem Kriege
ihre Heimat besuchten, die Kirche, in
der sie getauft oder konfirmiert wurden
 oder geheiratet haben, besichtigten,
 ist dieser schockierende Anblick
nicht erspart geblieben.
War dieser mächtige gotische
Backsteinbau doch geistiger und kultureller
 Mittelpunkt von ca. 2500 Menschen
 aus 24 Ortschaften, eines
Kirchspieles mit einer Ausdehnung von
8 mal 8 km, mit Gr. Ladtkeim im
Norden, Wiekau im Süden, Pojerstieten
im Westen und Drugehnen im Osten.
Die Kirchen hatten gerade auf dem
Lande eine besondere Rolle.
Der Pfarrer erfreute sich besonderer
 Wertschätzung. War er es doch, der
nicht nur den Jugendlichen die christliche
 Lehre vermittelte sondern er war
auch Berater der Gemeindemitglieder
in allen Lebenslagen.
Bis 1918 übte der Pfarrer auch die
Schulaufsicht aus. Die Kinder des

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Kirchbezirkes wurden in den Schulen
Kumehnen, Gr. Ladtkeim, Pojerstieten,
 Seefeld und Wiekau unterrichtet.
Besonders am Sonntag trafen sich
die Bewohner der umliegenden Orte
in der Kirche, sie war schlechthin das
Kommunikationszentrum für jung
und alt.
Die Menschen im Herzen des
Samlandes konnten zurecht stolz auf
ihre Heimat sein. Da ist einmal das
von schmucken Bauernsiedlungen
eingerahmte Alkgebirge, das mit seinen
 weiten Wäldern zu ausgedehnten
Spaziergängen einlud. Das Forkener
Mühlentließ schlängelt sich mit seinem
 sauberen Wasser und seinem
Reichtum an Fischen und Flußkrebsen

 durch die hügelige Landschaft und
die sauberen Dörfer. Die mit 111 m
höchste Erhebung des Samlandes, der
Galtgarben, der im südlichen Zipfel
des Alkgebirges liegt, gehört ebenfalls
zum Pfarrbezirk.
Das besonders dieses Gebiet seine
landschaftlichen Reize haben mußte,
beweist die Tatsache, daß für die Königsberger
 neben den Samland-Stränden
 der Galtgarben das beliebteste
Ausflugsziel war. Mit der Samlandbahn
 fuhr man bis nach Drugehnen
und wanderte dann noch 3 km durch
eine unberührte Natur bis zum höchsten
 Punkt des Samlandes.
Hier soll der Sage nach der Preußenkönig
 Widewut eine Burg gehabt

Die Kirche zu Kumehnen (aufgenommen 1998) 39