fullscreen : Unser Schönes Samland

Links führte ein Weg in Richtung
Audehm, der auf dem Hof endete.
Bevor wir aber auf dem Hof Audehm
angelangt sind, stoßen wir auf ein kleines
 Haus. Hier erinnere ich mich noch
an eine Familie Schock. Auf der rechten
 Seite wohnte Frau Boxnick. Die
ersten russischen Kriegsgefangenen
wurden in diesem kleinen Haus untergebracht.


Hier unterbrechen wir unseren Spaziergang
 und gehen auf der Straße weiter,
 die rechts verläuft. Wir stehen vor
dem Stall von Growe, daneben verläuft
ein kleiner Steig, den wir als Abkürzung
 zu Bäcker Hübner nutzten. Auf
der linken Seite haben wir das Haus
der Familie Strauß erreicht. Gustav
Strauß war in Rothenen der Bernstein-Abnehmer,
 d.h., dort konnten wir unseren
 am Strand gesammelten Bernstein
abgeben. Der Bernstein wurde in ein
Sieb geschüttet, die größeren Stücke
gewogen, und wir waren stolz, wenn
wir ein paar Dittchen bekamen. Nachdem
 unser Fund in einem Buch vermerkt
 war, bestätigen wir mit unserer
Unterschrift diesen Eintrag. Alles
mußte seine Ordnung haben.
Gleich neben dem Grundstück von
Strauß lag der Teich von Bauer Audehm.
 Dieser Teich war im Winter
unser „Eis-Stadion“, abends beleuchtet
von einer Straßenlaterne als „Flutlicht“.
Ja, Rothenen hatte während meiner
Kindheit schon Straßenbeleuchtung,
zur Freude unserer Eishockeyspieler.
Genau gegenüber verlief eine
Straße in Richtung Hof Wittkau. An
der Ecke stand das Kaufhaus Growe.
Als Kind staunte ich immer wieder,

wenn Herr Growe den großen runden
Käse auf den Ladentisch legte und
dann mit einem „Riesenmesser“ die
Scheiben schnitt. „Ower nich so dick
schniede!“ Die Waage, mit kleinen
blanken Gewichten, erhielt einen
Schubbs mit dem Finger, damit sie
schön pendelte. - Ach, und dann das
Bonbon-Glas. Ich glaube, ich habe den
Laden nie ohne einen Knasterbonbon
verlassen.
Von Growe gehen wir weiter in
Richtung See. Rechts das Haus von
Rudolf Schaack. Zwei Dinge sind mir
hier unauslöschlich in Erninnerung
geblieben, der kleine Hund Prinz(?),
der immer lauthals bellte und der
große Birnbaum vor dem Haus. Ob er
wohl noch steht? Wenige Schritte weiter
 auf der linken Seite ist die Auffahrt
zum Hof Max Audehm, später Oskar
Audehm. Wir Kinder sind an dieser
Auffahrt meistens wie der Blitz vorbeigelaufen,
 um keinen Streit mit dem
Ganter und seiner stattlichen Gänseschar
 zu bekommen.
Weiter erinnere ich, als einziger
Bauer hatte Audehm ein Schimmelgespann.

Und nun kommt rechts das Haus
vom alten „Rähs-Karl“, der immer in
Lederlatschen lief. In Schuhen haben
wir ihn niemals gesehen. In diesem
Haus wohnten auf der Rückseite die
Familie Emil Rähse und Erwin Heidt.
Die Küche hatte einen „offenen“
Schornstein, sah man zur Decke, blickte
 man in den Himmel. In diesem
Schornstein wurden gleichzeitig die
ringsherum hängenden Speckseiten geräuchert.


48

Nun gehen wir nach rechts weiter
und kommen zu dem Haus von Max
Baumeister. Ein Stückchen dahinter
steht links die Scheune und der Hof
von Bauer Otto Rähse. Auf der Scheune
 brütete jedes Jahr ein Storchenpaar,
das mit lautem Geklapper Rothenen
begrüßte. - Zur Fastnacht war in
Rähsens Scheune eine große Schaukel
angebracht. Ein Seitenteil von einem
„Bullerwagen“ wurde durch zwei
Ketten gehängt und an zwei Sparren in
der Scheune befestigt. Vier bis fünf
Personen konnten aufsitzen und dann
ging’s rund.
Am Ende dieser Seitenstraße stand
das Haus von Julius Mehlfeldt. Mehlfeldt
 war Fischer. Im Haus stand ein
großer Webstuhl, auf dem die alte Frau
Mehlfeldt die schönsten Flickerdecken
webte, die auch in meinem Elternhaus
lagen.

Wir gehen die Straße nun wieder
zurück, wo an der Ecke mein Elternhaus
 steht. Das ist das Insthaus von
Bauer Paul Wittkau. Familie Ernst
Baumeister und Familie Emil Hübner
wohnten hier ebenfalls. Ganz früher
gab es da noch die Eheleute Karl und
Henriette Schwarzkopf.
Neben dem Haus führt durch Wittkaus
 Weide ein direkter Weg zur Kraig
und zum „Paul-Wittkau-Gund“ (früher:
„Kaisergrund“).
Wir wandern weiter durch’s Dorf
Rechts der Straße kommt nun das
Haus der Familie Adolf Heyse, gleich
daran gebaut das Haus der Familie
Franz Hübner. Auf der anderen Seite
kam man in das Haus der Familie Wilhelm
 Baumeister. Heyse, Baumeister,

Hübner, die Häuser standen dicht
nebeneinander. Hinter Baumeister war
der „Koterstieg“. Wißt Ihr noch, wenn
wir „Vater 50 om dem Koterstieg“
spielten?

Auf der linken Seite befindet sich
das Grundstück von Karl Schaack, auch
Zauster-Schaack genannt. Rechts neben
Franz Hübners Stall geht ein kleiner
Weg zum Haus von Auguste Gedenk
und Therese Schock. Bei Gedenk im
Stall stand eine Wäschemangel, das war
ein Trog mit großen Steinen gefüllt.
Dieser Trog lief auf drei Rollen. Auf
einer Rolle wurde die Bettwäsche
schön aufgewickelt und dann zog man
den Steintrog hin und her. Das Ergebnis
- superglatte Wäsche.
Von Gedenk gehen wir weiter und
können nun schon die Ostsee sehen.
Rechts steht der Hof von Karl Schaack
(Ober-Schaack). In Gedanken sehe ich
ihn heute noch zur Melkerzeit mit seinen
 zwei Kühen bei uns Vorbeigehen,
immer barfuß und die Hosenbeine
etwas aufgekrempelt.
Ober-Schaack gegenüber stand ein
neues Haus, in dem Familie Fritz
Hübner mit den „Puppas“ wohnte. Die
beiden jüngsten Kinder waren Zwillinge,
 Gerda und Herta, die ich nie auseinanderhalten
 konnte. Es waren eben
die „Puppas“. Bevor Hübners Haus gebaut
 worden war, war hier unser Platz
zum Drachensteigen und „Klipp und
Klink“ spielen. Leicht erhöht, hatte
man von hier einen wunderbaren Ausblick
 auf die Ostsee, die man nach ein
paar Minuten Fußweg erreichte.
Drei Wege führten von hier zur See.
Einmal war da der „Fischersteig“ zu 49