Full text : Unser Schönes Samland

mel, seinem zukünftigen Heimathafen.
Die Memel-Cranzer Dampfschiffs-Gesellschaft
 beschäftigte das Passagierschiff
 im Fahrtgebiet an der Kultischen
 Nehrung. Die als Salondampfer
 bezeichnete „Cranz“ war vor
allem von Memel aus in Richtung
Cranz unterwegs. Dabei bediente sie
die Stationen Schwarzort, Nidden,
Rossitten und gelegentlich Sarkau im
Kurischen Haff. Reiseziel war der
Liegeplatz des Raddampfers im Hafen
Cranzbeek. Die Besucher des Seebades
 Cranz hatten dann bis zum
Strand nur noch einen kurzen Weg.
Die „Cranz“ legte gelegentlich auch an
Häfen der Landseite des Kurischen
Haffs an, beispielsweise in Tapiau an
der Deime, einem Nebenfluß des
Pregels, in Labiau oder fuhr den Russ
aufwärts nach Tilsit. Erst um 1920
wurde der Dampfer außer Dienst

gestellt. Über den weiteren Verbleib
ist nichts bekannt. Sicher ist jedoch,
daß die „Cranz“ bis 1920 nicht den
Eigner gewechselt hat.“
Daß unser bis Kriegsende zwischen
 Cranzbeek und Memel verkehrende
 Seebäderschiff „Cranz“ einen
Raddampfer als Vorläufer hatte, war
mir nicht bekannt. Vielen anderen
Cranzern der „jüngeren“ Jahrgänge
geht es vermutlich nicht anders. Ich
glaube, wir haben unsere Eltern und
deren Generation viel zu wenig über
die Geschichte von Cranz befragt. Das
Buch von Claus Rothe enthält übrigens
 auch Angaben über die uns
bekannten Seebäderschiffe „Kurisches
Haff“ und „Rossitten“.
Trotz meiner nicht kleinen Bildersammlung
 (z.Zt. mehr als 1400) alter
Aufnahmen von Cranz und Umgebung
erhalte ich immer noch neue, interes­Der

 Salondampfer „Cranz" verkehrte als Nachfolgemodell des Seitenraddampfers bis Ende des Krieges auf der

Route Cranzbeek und Memel.

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sante Motive. So überraschte mich
kürzlich meine ehemalige Klassenkameradin
 Brigitte Schlicht, geb.
Schwarz, mit einer Gruppenaufnahme,
über die ich mich ganz besonders
gefreut habe. Sie wurde am 7. August
1918 anläßlich der Taufe von Elvira
Schwarz gemacht und zeigt u.a. unsere
Cranzer Hebamme Anna Crispin, allgemein
 bekannt als „Tante Pine“.
Welcher Cranzer hat sie nicht gekannt?
Sie hat doch jahrzehntelang bis zum
Kriegsende fast alle Cranzer Neugeborenen
 auf die Welt geholfen. Vielen
Dank, liebe Brigitte, für Dein Geschenk!


Meine Bildersammlung enthält u.a.
auch Klassen-, Konfirmations- und
sonstige Gruppenaufnahmen. So verfüge
 ich z.B. über Konfirmationsaufnahmen
 aus den Jahren 1933, 1935,
1936, 1937 und 1939, auf denen alle
Konfirmanden abgebildet sind. Aus
dem Jahre 1934 habe ich die Mädchen
 und eine kleine Gruppe der
Jungen sowie die Mädchen aus dem
Jahre 1938 auf den Konfirmationsbildern.

 Wer sich auf einem der Bilder
wiederfindet und das Erinnerungsstück
 erwerben möchte, kann dies bei
unseren Heimattreffen gegen Erstattung
 der Unkosten tun. -
Im Juli d.J. werden meine Frau und
ich eine 9-tägige Busreise nach Cranz
mit Abstecher nach Nidden, Pillkoppen,
 Rossitten, Sarkau, Neuhausen,
 Labiau, Labagienen, Tilsit, Ragnit,
 Insterburg und Königsberg unternehmen.
 Ich hoffe, Ihnen im nächsten
Heimatbrief darüber möglichst viel
Positives berichten zu können.

Ihnen allen wünsche ich einen
schönnen, erholsamen Sommer mit
viel Sonnenschein und grüße Sie herzlich
 Ihr
Walter Rosenbaum,

Gerhardstr. 23, 27576 Bremerhaven,
Telefon 04 71-5 50 08
auch im Namen von
Bruno Radtke,
Hemmstraße 306, 28215 Bremen,
Telefon: 04 21-35 12 03
und unserer Frauen

Nach 54 Jahren wieder

Evangelische Qottesdienste in Cranz

Wenn ich an Ostpreußen denke,
fängt mein Herz an zu schwärmen“,
so sagte einmal der frühere Bischof
der Landeskirche Sachsen-Anhalt. Er
war bis 1945 Pfarrer in Palmnicken.
Als einziger Pfarrer im Samland
erlebte und überlebte er den Einmarsch
der Roten Armee in Ostpreußen. Im

Jahre 1946 machte er sich auf, die im
Samland verbliebenen Deutschen in
ihren Ortschaften zu besuchen und
ihnen Gottesdienste zu halten. Dabei
nahm er Gefahren und Strapazen auf
sich. Natürlich war er zu Fuß unterwegs.
So kam er auch im Sommer 1946 nach
Cranz. In einem Saal des Hotels 31