,Hexenkessel Pillan. Der Untergang
der ostpreußischen Seestadt"
1944/45 gehörte ich der 25. Schiffsstammabteilung
Pillau an. Mit Beginn
der Flüchtlingstransporte wirkte ich in
bescheidenem Maße bei der Einschiffung
mit und war dann, bis zu meiner
Gefangennahme im April 1945, als
MG-Schütze in einem Marineschützenbataillon
an der Samlandfront eingesetzt.
Obwohl ich Berliner bin, fühle ich
mich seit dieser Zeit mit dem schweren
Schicksal der Ostpreußen verbunden.
Aufgrund meiner eigenen Erlebnisse,
intensiver Materialstudien und
Konsultationen mit Menschen aus
Pillau und dem Samland habe ich jetzt
eine Dokumentation fertiggestellt, in
der ich die Ereignisse vom 15. Januar
bis zum 26. April 1945, Tag für Tag, in
und um Pillau nachzeichne. In einem
Anhang habe ich die damals beim
Standesamt Pillau registrierten verstorbenen
Zivilisten aufgeführt. Desgleichen
ist ein Verzeichnis der zerstörten
Häuser und Baulichkeiten enthalten.
Die Dokumentation wird im Herbst
diesen Jahres von der Verlagsgruppe
Koehler/Mittler, Hamburg (ca. 176
Seiten) unter dem Titel „Hexenkessel
Pillau. Der Untergang der ostpreußischen
Seestadt“ erscheinen.
Helmut Blocksdorf,
Sewanstraße 152,
10319 Berlin
Kleine Erinnerungen an zu Hause
Nun sitz’ich und sinne
und möchte gern
von der Heimat sprechen,
die heute so fern.
Wir haben sie tief
im Herzen geborgen
trotz Angst, Kummer, Schrecken
und mancherlei Sorgen,
und sind schon die Alten
und haben 's noch gut,
denn die nach uns kommen
aus unserem Blut,
sie wissen nicht mehr,
wie die Heimat war,
wie die Wälder so grün
und der Himmel so klar,
wie die Wellen so weich
umkosten den Strand
oder brausten im Sturm,
wenn nach Norden er sprang.
Drum wollen wir kleine Kerzen anzünden
Und ihnen von unserem Leben künden,
und in ihre Herzen ganz tief hinein
pflanzen die Liebe zur Heimat ein.
Wir wollen erzählen, nur manchmal -
zuzeiten -
Von all den kleinen Begebenheiten,
die uns zu Hause so oft erfreuten
und Leben und Glück und Heimat
bedeuten.
Irma Lukas
Von Dr. Hans Westenberger, Leiter
der Literarischen Abteilung des Meßamts.
(Entnommen aus: Ostpreußen -
seine Entwicklung und seine Zukunft,
erschienen 1922 im Lima-Verlag
G.m.b.H., Berlin-Charlottenburg 2)
Der wirtschaftliche Wohlstand der
Provinz Ostpreußen beruhte vor dem
Kriege (Anm.: I.Weltkrieg) einmal auf
der Zugehörigkeit der Provinz zu dem
großen deutschen Wirtschaftsgebiet,
auf das sie für den Bezug aller industriellen
Erzeugnisse angewiesen ist, zweitens
auf den Handelsbeziehungen zum
russischen Reiche, für dessen Ein- und
Ausfuhr Königsberg einen wichtigen
Umschlagplatz bildete. Der Weltkrieg
und das Friedensdiktat von Versailles
haben diese Grundlage des ostpreußischen
Wirtschaftslebens gefährdet, ja
zum Teil vernichtet.
Der polnische Korridor trennte die
Provinz vom Mutterlande. Der rege
Verkehr mit den Zentren des deutschen
industriellen Lebens geriet hierdurch
ins Stocken, so daß Ostpreußens
Kaufleute nur mit ernster Sorge der
Zukunft entgegensehen konnten. Diese
Sorge war um so begründeter, als auch
der Verkehr mit dem östlichen Ausland
vollkommen darniederlag. Sowjetrußland
hatte alle Beziehungen nach
außen abgebrochen, einen russischen
Handelsverkehr gab es nicht mehr. Die
Randstaaten aber, die auf dem Boden
des russischen Reiches entstanden
waren, befanden sich zunächst politisch
und wirtschaftlich in der Abhängigkeit
der Entente. So stand Ostpreußen
isoliert da, als eine Insel des
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DIE DEUTSCHE OSTMESSE
KÖNIQSBERQ PR.
Deutschtums, umgeben von Land
fremder Nationalitäten, der Grundlage
seines früheren Wohlstandes beraubt.
Nicht gewohnt, derartige Schicksalsschläge
tatlos hinzunehmen, suchte der
ostpreußische Handel nach einem
Wege, um den Verkehr mit dem Reiche
und mit den Oststaaten Litauen, Lettland,
Estland, Finnland - trotz der
widrigen politischen Verhältnisse - zu
beleben. Die Wiederaufnahme der
Handelsbeziehungen mit dem Osten
war aber eine Forderung, die nicht nur
im Interesse Ostpreußens, sondern
ebensosehr im Interesse des deutschen
Reiches gelegen war. Nachdem nämlich
der deutsche Außenhandel, der unmittelbar
nach dem Kriege einen erfreulichen
Aufschwung nahm, durch die Antidumping-Gesetzgebung
immer mehr
beschnitten wurde und Schwierigkeiten
aller Art die Wiedereroberung der alten
Absatzmärkte, vornehmlich auch in
Übersee, unmöglich machten, da setzte
der deutsche Kaufmann seine Zukunftshoffnung
auf den Osten Europas.
Rußland ist für Europa das Land
der unbegrenzten Möglichkeiten, und
nirgendwo, so sagte man sich mit Recht,
sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen
für den engsten Warenaustausch so
günstig, wie hier. Die russische und die
deutsche Volkswirtschaft ergänzen sich
gegenseitig. Deutschland kann Rußland
mit allen industriellen Erzeugnissen,
die es in Zukunft in größtem Maßstabe
aus dem Ausland beziehen muß, beliefern,
und Rußland wird in Deutschland
einen aufnahmefähigen Absatzmarkt
für seine überschüssigen Naturprodukte
finden. Infolgedessen muß man
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