Full text : Unser Schönes Samland

Da standen die „ostpreußischen
Marjellens in ihren selbstgefertigten,
kunstvollen Trachten, vor ihnen die
handgearbeiteten Decken und Jostenbänder,
 die Trachtenpuppen saßen in
einer Gruppe beisammen, und es wurde
„life“ gewebt. Besonders eindrucksvoll
kamen die Teppiche zur Geltung; der
Freundeskreis hatte nämlich den Garderobenraum
 als Domizil erhalten und
die Teppiche geschickt von der Decke
herab aufgehängt. Die langjährigen
Bekannten bewunderten dieses Arrangement
 sehr, das die Vielfalt der geknüpften
 und gewebten Kunstwerke
mehr hervorhob als die in Minden und
Pinneberg benutzten Wände. Einziger
Nachteil: Es konnte nichts gekauft werden,
 da der gesamte Bestand bei der
Ausreise beim Zoll komplett sein mußte.

Auf die Fotoausstellung im rechten
Flügel des Foyes wird auf Seite 11
gesondert hingewiesen.
Astrid Biese zeigte mit ihren Aquarellen
 die ostpreußische Landschaft.
Ungestört von der grausamen Geschichte
 unseres Jahrhunderts, bleiben
 die Steilküste und die Felder, die
Seen und die Dünen und der hohe
ostpreußische Himmel ein Motiv für
Maler und Dichter. „Am Hafen saßen
Maler, die der Krieg vergessen hatte“,
schreibt Arno Surminski in seinem
Roman „Sommer vierundvierzig“.
„Sie... malten die gelben Sandberge,
rotstämmige Kiefern und den Italienblick
 des Thomas Mann.“ Und an
anderer Stelle läßt er prophezeien,
daß russische Maler die Elche und die
Dünen malen werden. Mit Astrid

Biese stellt eine Vertreterin der Nachkriegs-Generation,
 die nicht in Ostpreußen
 aufwachsen konnte, die
Schönheit und die Seele dieses Landes
dar.Das Foyer und der Platz vor dem
Clubhaus war erfüllt von Begrüßungen.
An russischen Freunden war gekommen,
 wer auch immer Kontakt zu den
Deutschen hat. 500 Samländer waren
angereist, ständig traf man auf
Landsleute, die man in Westdeutschland
 auf den Treffen und Tagungen
sieht, dauernd wurde umarmt, auf
Schultern geklopft und zugewinkt. Hinzu
 kamen die Bekannten vor Ort; wer
häufig in Ostpreußen ist, hat einen
umfangreichen Kreis von Russen und
I Rußlanddeutschen. Das Samlandtreff-|
 en zog alle an.

Die Feierstunde im Saal wurde vom
Chor aus Dissen/Bielefeld unter Leitung
 von Friedhelm Beckmann eröffnet.
 „Brüder, reicht die Hand zum
Bunde“ - ein symbolträchtigeres Lied
konnte zum Eingang nicht gewählt werden.
 Als „Ännchen von Tharau“ ertönte,
 hörte man das Mitsingen aus dem
Publikum.
Der Bürgermeister von Rauschen,
Wladimir-Alexejewitsch Schiganow, begrüßte
 die Gäste, wünschte allen eine
schöne und interessante Zeit und lobte
besonders Louis-Ferdinand Schwarz
für seinen Einsatz und für seine erfolgreiche
 Arbeit, die zu diesem Tage geführt
 habe.
Eine Überraschung war der Auftritt
der „Königsberger Grillen“ unter der
Leitung von Nina Tscherjawskaja.

Samländerinnen in Tracht

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