Full text : Unser Schönes Samland

Qroß Kuhren und Umgebung

Liebe Heimatfreunde aus Groß Kuhren

und Umgebung

Vom 18. bis 25. Juli 1999 fand das
zweite Treffen der Samlandkreise in
der alten Heimat statt. Durch das engagierte
 Bemühen unseres Kreisvorsitzenden
 Louis-Ferdinand Schwarz
und einiger Russen wurden die Kulturtage
 in Rauschen ein großer Erfolg der
Annäherung unserer Völker.
Hierzu waren auch 16 Landsleute
aus Groß Kuhren und Klein Kuhren
angereist. Den Teilnehmern möchte
ich auf diesem Wege nochmals danken.


Wir waren in Rauschen in einer
sehr schönen Hotelanlage untergebracht.
 An vielen Veranstaltungen des
Kreises haben wir teilgenommen. Beeindruckend
 war das Konzert in dem
von außen fast fertiggestellten Königsberger
 Dom. Großen Anklang fand
auch der Gottesdienst und die Festveranstaltung
 in Rauschen.
Im Vorfeld der Reise hatte ich Kontakt
 mit dem Kindergarten in Groß
Kuhren aufgenommen. Wir wollten
einige dort dringend benötigte Dinge
mitnehmen. Dem Aufruf zur Spende
waren alle Reiseteilnehmer gefolgt und
so führten wir ca. 8 bis 10 Ztr. Hilfsgüter
 in unserem Bus mit. Hiergegen
hatten aber die russischen Grenzbeamten
 etwas einzuwenden und wir
mußten in der Nacht um 0.30 Uhr alle
mit unserem Gepäck über die Waage.
Danach hatte jeder einen Obulus zu
zahlen und wir konnten die Reise fortsetzen.
 Auch für die Mithilfe bei dieser
Aktion, bei der sich alle Reiseteilnehmer

 als ein Team erwiesen, nochmals
 herzlichen Dank.
Am Montag dieser Kulturwoche
fuhren wir dann nach Groß Kuhren in
den Kindergarten. Einige russische
Frauen und die Leiterin Frau Valentina
 Vasiljewna nahmen uns in Empfang.
 Die Freude über die Wäsche,
Kleidung, Geschirr, Süßigkeiten und
Spielsachen war sehr groß, auch wenn
der Kindergarten zur Zeit renoviert
wurde. Am 13. August d.J. sollte das
30jährige Bestehen des Kindergartens
gefeiert werden. Unsere Geschenke
kamen etwas zu früh, lösten aber trotzdem
 große Freude aus, und ich glaube,
die Aktion war ein voller Erfolg. Nach
einem kleinen Imbiß, den Frau
Vasiljewna vorbereitet hatte, nahmen
wir Abschied und versprachen, diesen
Kontakt aufrecht zu erhalten. Zum
bevorstehenden Jubiläum sprachen
wir der Leiterin unsere Glückwünsche

aus.Auf dieser Reise unternahmen wir
auch Tagestouren ins Innere der
Region. So besuchten wir Trakehnen,
Insterburg und das Gestüt Georgenburg.
 Alles in allem war es eine interessante

 Reise.
Das Kreistreffen am dritten
Wochenende im September in Pinneberg
 liegt nun auch schon einige
Wochen hinter uns. Die Beteiligung
unserer Dorfbewohner war wie immer

sehr gering.
Was unsere Ortschronik angeht,
liebe Groß Kuhrer, bin ich von Eurer
Mitarbeit etwas enttäuscht. Bitte
schreibt doch einen kleinen Bericht
über Eure Familie und überlaßt uns

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ein paar Fotos von zu Hause. Wir kommen
 nicht so recht voran. Jetzt kommen
 die langen Abende, schaltet einfach
 den Fernseher ab, nehmt Euch
ein Stück Papier und schreibt Eure
Gedanken über die Familie in Groß
Kuhren auf. Wir wären sehr dankbar
für jede Kleinigkeit. Wenn wir unsere
Erinnerungen nicht aufschreiben, wer
dann?

So, liebe Heimatfreunde, bleibt gesund
 und verlebt die Weihnachtstage
und den Jahrtausendwechsel wie Ihr
es Euch wünscht. Dazu die heimatlichen
 Grüße von

Herbert Metauge
und
Dieter Behrendt,
Kauslunderstr 75 a, 24943 Flensburg

Weihnachtsfeier im Qutshaus in Kalten

Zur Weihnachtszeit muß ich immer
wieder an die Weihnachtsfeiern im
Gutshaus von der Goltz-Kallen denken,
 ausgerichtet für die Arbeiterkinder
 von Kallen, Compehnen und
Bruch.

Herr Baron von der Goltz hatte für
die Arbeiterkinder eine Schule gebaut,
 wodurch der Kontakt zum Gutshaus
 entstand. Auf die Weihnachtsfeier
 mit der Bescherung freuten sich
alle schon Wochen vor dem Fest.
Die Angestellten des Gutshauses
strickten in der Vorweihnachtszeit
Handschuhe, Schals und Mützen.
Meine Mutter - mit ihr wohnte ich im
Gutshaus - nähte Schürzen für die
Mädchen und Mamsellchen backte
mit ihren Hilfskräften körbeweise
Pfefferkuchen.

Lehrer Neumann übte mit viel
Geduld Weihnachtslieder ein. Mit
meiner Stimme war jedoch nicht zu
rechnen und sein Kommentar lautete:
„Du singst so, wie das Veilchen im
Verborgenen blüht.“ Das muß sich

irgendwann geändert haben, denn als
spätere Kindergärtnerin klappte das
Singen.

Am Tag der Bescherung brachte
jedes Schulkind einen Teller ins Gutshaus.
 Auf dem Tellerrand war mit
Sauerteig ein Zettel mit dem Namen
des Kindes geklebt. Das war ein Holzschlorrengeklapper
 auf dem langen
Flur bis zur sogenannten Ölstube. Als
größeres Mädchen durfte ich die
Teller entgegennehmen und auch
beim Füllen helfen. Für jeden wurden
genau abgezählt Pfefferkuchen, Äpfel,
Nüsse und Bonbon. Da ich die Größe
der Kinder kannte, durfte ich auch
Handschuhe, Schürzen usw. verteilen.
Danach sagte ein Kind ein Gedicht
auf und Frau Baronin las die Weihnachtsgeschichte
 vor. Nachdem wir
gemeinsam das Vaterunser gebetet
hatten, wurde jedes Kind namentlich
an seinen Platz gerufen. Schnell verschwanden
 Bunte Teller und Geschenke
 in den mitgebrachten blauoder
 rotkarierten Kopfkissenbezügen. 69