Schwarz wiederholt schilderte, war,
daß jener russische Herr das Ostpreußenlied
und mehrere deutsche
Volkslieder gesungen habe - auf
Deutsch. Seine Freundschaft zu gewinnen,
war von nun an das Ziel des
Kreisvertreters von Fischhausen, und
stolz kann er berichten, daß er dieses
Ziel erreicht hat. Zum Freund gewonnen
hat er eine Kapazität; Prof. Dr.
Iwan Koptzev ist Germanist und international
anerkannter Kant-Forscher.
Er hatte eine Einladung als Referent zu
einem Kant-Kongress im Gebiet abgesagt,
um in Pinneberg die Festrede halten
zu können. Langanhaltender Beifall
dankte ihm für diesen Entschluß,
bevor er seinen großartigen Vortrag
startete.
Der Freude über das Eintreffen der
russischen Gäste war jedoch ein harter
Kampf vorangegangen, den Schwarz
auch offen ansprach. Schwierigkeiten
mit dem Visum und ein bürokratischer
Krieg mit Moskau stellten den Besuch
bis zuletzt in Frage. Warum gibt es
immer noch kein deutsches Konsulat
in Königsberg? Eine berechtigte Frage,
die alle stellen, die im Gebiet engagiert
sind. Es gibt in Königsberg das
Deutsch-russische Haus, das zu einer
echten Begegnungs- und Bildungsstätte
geworden ist. Könnte man dort
nicht ein kleines Konsulat einrichten?
Der Vorschlag von Louis-Ferdinand
Schwarz wurde von einigen
Ehrengästen aufgegriffen. Es hatten
sich der Kreispräsident Dietrich Anders,
der Europa-Abgeordnete Christian
von Bötticher, der Bundestagsabgeordnete
der CDU Gert Willner, die
Bürgermeisterin von Neuendeich, Bärbel
Thiemann, der ehemalige Bürgervorsteher
von Pinneberg, Bruno Möwius,
und die Stellvertretende Vorsitzende
vom Schleswig-Holsteinischen
Heimatverband Frau Rudolf
eingefunden.
Der Bundestagsabgeordnete Gert
Willner befürwortete in seinem Grußwort
denn auch die Errichtung eines
deutschen Konsulates in Königsberg,
damit die Arbeit der Deutschen - zumeist
ja Heimatvertriebene - dort erleichtert
werde. Er stellte sein Grußwort
in einen interessanten historischen
Kontext: er berichtete von dem
besonderen Erlebnis, die erste Rede
im Berliner Reichstag gehalten zu
haben. Er habe in seinem Leben nicht
damit gerechnet, gab er offen zu; umso
mehr sei er von den Möglichkeiten, die
sich heute in Berlin auftun, fasziniert
Die erschwerte Arbeit der Vertriebenen
und die Kürzung des § 96 bedauerte
er.
Lob und Ermunterung erhielten die
Samländer durch das Grußwort des
Kreispräsidenten Dietrich Anders. Er
habe den Samlandbrief vom Herbst
1999 aufmerksam gelesen und darin
ein Zeugnis der Friedenspolitik der
Samländer gefunden. Heute gebe es
offenbar nicht nur eine entkrampfte
Beziehung zwischen Russen und Deutschen,
sondern mehr noch freundschaftliche
Kontakte und gemeinsame
Arbeit.
Das wurde in dem Grußwort von
Ludmilla Kormaschowa bestätigt
Ihren Besuch in Pinneberg mit de:
Möglichkeit der Arbeit im Samland-Museum
führte sie auf die gute
Freundschaft zwischen ihrem Chef
Sergej Jakimow vom Museum in Pillau
und Louis-Ferdinand Schwarz zurück.
Diese Beziehung schaffe auch für
sie gute Arbeitsmöglichkeiten, betonte
sie. Sie überreichte Louis-Ferdinand
Schwarz einen Bierkrug mit der Aufschrift
„Pillau“, ein willkommenes Exponat
für das Museum.
„Friedensarbeit ist Kulturarbeit,
sind gemeinsame Projekte, ist die
Begegnung von Mensch zu Mensch!“
Diese Worte von Louis-Ferdinand
Schwarz fanden in der Feierstunde
ihre Bestätigung. Der Besuch der russischen
Gäste war sozusagen eine Folge,
eine Frucht der „Samländischen Kulturtage“
im Juli, und in der Festansprache
klang die Resonanz der Definition
von „Friedensarbeit“ hindurch.
Bereits die Begrüßung durch Prof.
Iwan Koptzev machte den Zuhörern
deutlich, daß zwischen diesem Redner
und seinem Publikum eine Verbindung
bestand. „Gestatten Sie mir,
Ihrem Gast aus Kaliningrad/Königsberg,
Sie als alte Samländer, die in
ihrer Geburtsheimat Kindheit und
Jugend verlebt haben und heute noch
gern und oft sich an diese Heimat erinnern
und gern zu ihr zurückkehren, aus
Anlaß des Tages der Heimat herzlich
zu begrüßen!“
Prof. Dr. Koptzev hat freundlicherweise
das Konzept seiner Rede ausgehändigt,
so daß es möglich ist, die
Rede hier weitgehend wörtlich wiederzugeben.
„In Kaliningrad und in der
Oblast Kaliningrad lebt seit Kriegsende
nun schon die dritte Generation,
die dieses Land auch als ihre Heimat
bezeichnet und sich immer mehr mit
der Vergangenheit dieses Gebietes
befaßt. Die heutigen Pregelstädter
identifizieren sich zunehmend mit der
Vergangenheit der
alten Kulturstadt,
die durch Jahrhunderte
hindurch
eine wichtige
Brücke nach
Osteuropa gewesen
ist. Die Geschichte
der Region,
in der wir
jetzt wohnen, war
Am Rednerpult Prof. Dr.
Iwan Koptzev, daneben
Louis-Ferdinand Schwarz
und der Pinneberger
Kreispräsident Dietrich
Anders.
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