UNSER PARADIES
Wi woahnde nich am Palmestrand,
doch ward onser Därp Palmnecke genannt.
Wie hadde keine Südseewinde,
doch brusd et bi ons von vüre on hinde.
Wie könne von Damoals väl vermelde
Vom Bernsteen, vonne Seefahrt, on dato
Vatellde söck oppem Sebarch onsre Ohle
Von natürlicher Landung - ohne Hoaving on Mole.
Dat Land oppe Palw, so stund et geschräwe,
weär dem leewe Gott e bcitke äwrig gebläwe,
bloß Acker on Woald, da weär nich väl los,
kein Erz on kein Sölver leej ön sienem Schoß -
Damött weär de Herrgott nu sölwst nich tofreed
- vleicht weär he ok vonne Welterschaffung e beßke meed? -
„Loat mi nodenke“, säd he denn to söck alleen,
„Ei joa, wie wäer dat mött Klutes von Bernsteen?“
So nehm he e Hupke Lehm on pusd et sachd an,
schmeet ett rönn önne Welt on säd sodann:
„Zu Wasser und Landes, für Acker und Feld
hab ich jetzt alles aufs Beste bestellt.
Das Bernsteingold, in jeder Nuance,
gibt jetzt allen Samländern eine Chance.
Und so ist es geblieben. Ob Gott dies gewußt,
daß wir einmal in die Fremde gemußt?
Die Antwort soll jeder alleine finden,
denn Erinnerungen uns wie Stricke binden
an Heimat, an Vater- und Mutterland,
uns allen immer als Paradies bekannt.
Wir Nachfahren aus der großen Gemeinde Palmnicken
werden immer wieder heimwärts blicken,
an die Ostsee stets denken, an Samlandgold,
welches weiterhin als Träne der Götter in den Seesand rollt.
(Geschrieben zum 21. Treffen der „Palmnicker Bernsteinanhänger
und Umgebung im April 2000 von Eva Pultke-Sradnick)
Pobethen - unser Kantor Rohloff
Kantor Rohloff wurde als Nachfolger
von Rektor Seelig in den zwanziger
Jahren des letzten Jahrhunderts zum
Leiter der Schule Pobethen ernannt.
Gleichzeitig übte er auch das Amt des
Organisten in der Pobether Kirche aus.
Im Jahre 1932 wurde die neue Schule
in Pobethen, die „Hindenburg-Volksschule“,
fertiggestellt. Er übernahm damit
eine sehr modern gebaute Lehranstalt.
Kantor Rohloff war bei allen Schülern
sehr beliebt. Während seiner Zeit
als Schulleiter gab es im Sommer in Pobethen
die allseits beliebten Kinderfeste.
Höhepunkt war immer der Umzug
durch den Ort, der während des
Dritten Reiches nicht stattfand und von
allen sehr vermißt wurde.
Am Geburtstag von Kantor Rohloff
fand nicht der übliche Unterricht statt, da
wurden nur Geschichten und Märchen
erzählt - und der Rohrstock wurde
sowieso nur in Ausnahmefällen benutzt.
Unter Kantor
Rohloff wurde der
Gesang an der Schule
sehr gefördert, und
auf den jährlichen
Elternabenden im
Saal von Genserowski
wurden die einstudierten
Lieder sowie
Theateraufführungen
vorgetragen.
In der Notengebung
war er stets gerecht;
es gab bei ihm
keinen Unterschied
zwischen arm und
reich.
Nach dem Tode seiner ersten Frau
heiratete er die Leiterin der Sparkasse
von Pobethen und man traf beide oft in
der Umgebung des Ortes auf langen
Spaziergängen.
Die Abschiedsfeier zu seiner Pensionierung
fiel ihm und auch uns
Schülern sehr schwer.
Nach seiner Pensionierung verlegte
Kantor Rohloff seinen Wohnsitz nach
Tannenwalde, ohne seinen früheren
Wirkungskreis Pobethen zu vergessen.
Man traf ihn oft in Pobethen.
1942 schloß unser Kantor für immer
seine Augen. Er wurde von acht seiner
früheren Schüler zu Grabe getragen.
Auch heute noch, nach über 60
Jahren, wird seiner bei den Heimattreffen
mit Hochachtung gedacht.
Ernst Wittrien,
Hans-Thomastraße 11, 76316 Malsch
Die Jahrgänge 1923-26 (!) der „Hindenburg-Volkschule" in Pobethen mit Kantor
Rohloff 45