Diese Kindergruppe, die bereits im
Frühjahr 1999 eine Konzert-Tournee
durch die Initiative der Königsberger
Stadtgemeinschaft über Duisburg, Köln,
Düsseldorf usw. gemacht hat, sang auch
jetzt auf Deutsch „Wenn die Ostseewellen
trecken an den Strand“, was
das Publikum ebenso entzückte wie die
russischen Lieder. Sie trugen ländliche
Trachten. Das Repertoire dieser Gruppe
umfaßt eine Reihe deutscher Lieder,
und wer ihre Auftritte in Westdeutschland
erlebt hat, die westentlich durch
den Einsatz von Lorenz Grimoni zustandegekommen
sind, kann Frau
Tschernjawskaja nur von Fierzen viel
Erfolg für ihre großartige Arbeit wünschen.
Die russische Volkstanzgruppe
„Laduschky“ brachte Farbenpracht
und Rhytmus auf die Bühne. Mit einem
Blitzlichtgewitter versuchte man die
farbenfrohen Kostüme festzuhalten.
Sodann erfolgten die Grußworte.
Die Direktorin des Brachert-Museums,
Frau Alla Sarul, und der Leiter des
Museums von Pillau, Sergei Jakimow,
stellten ihre Einrichtungen vor.
Gute Beziehungen zwischen den
Russen und den Deutschen hob auch
die Bürgermeisterin von Fischhausen,
Frau Grigorenko, hervor. Louis-Ferdinand
Schwarz bedankte sich bei ihr
für die herzliche Aufnahme, sie verglich
die Besuche der Deutschen mit
Verwandtenbesuchen. Die früheren
Bewohner kommen oft und gern und
werden von den heutigen Bewohnern
wie Verwandte aufgenommen. Sie lud
zur Besichtigung der Schule, des
Kindergartens und des kürzlich eröffneten
Museums ein und erklärte ihre
Absicht, zusammen mit Louis-Ferdinand
Schwarz eine Gemeinschaft der
früheren und heutigen Bewohner zu
gründen. Sie übergab ein Regal,das von
Kindern gemacht worden war. Als
Gegengeschenk überreichte Louis-Ferdinand
Schwarz ihr ein Fax-Gerät.
„Zwei große Völker sollen in
Frieden miteinander leben“, sagte die
Bürgermeisterin von Fischhausen, ein
Wort, das Louis-Ferdinand Schwarz in
seiner Festansprache mehrmals aufgriff.
Vor sechs Jahren am 21. Juni
1993 habe er an dieser Stelle stehen
und zum ersten Mal sprechen dürfen,
begann er. Heute finde nun eine
Vertiefung der freundschaftlichen Kontakte
zwischen Deutschen und Russen
statt. Die „Samländischen Kulturtage“,
die bereits im September 1998 geplant
und vorbereitet wurden, seien ein
wesentlicher Schritt. Die Russen haben
zu diesen Kulturtagen eingeladen. Er
nannte die Höhepunkte dieses
Treffens.
So konnte er auch eine Reihe von
Ehrengästen begrüßen. Weitgereiste
Gäste wurden besonders begrüßt: Frau
Mella Parshen-Kempfer aus Darwin/
Australien, Herr Siegfried Fischer aus
Toronto/Kanada, Herr Karl-Heinz
Deckert aus Wales, der mit seiner
Enkelin gekommen war. Ein herzliches
Dankeschön wurde Hans-Georg
Klemm für die gelungene Foto-Ausstellung
ausgesprochen, ebenso dem
Freundskreis, der mit seiner Ausstellung
das Treffen bereichert habe.
Ein besonderes Dankeschön erhielt
Astrid Biese, die vor sechs Jahren
bereits als Volkstänzerin am Treffen
teilgenommen habe. Nun sei sie mit
einer eigenen Ausstellung vertreten; das
müsse als „Aufstieg“ gewertet werden.
Der Geschäftsführerin Frau Albers und
ihrem Mann wurde für einen unermüdlichen
Einsatz gedankt, und die
Leistungen des Männergesangvereins
unter Leitung von Friedhelm Beckmann
wurden hervorgehoben.
Vor 58 Jahren, so Schwarz, begann
der 2. Weltkrieg, der 55 Millionen
Menschen das Leben kostete. Dieses
dunkelste Kapitel der deutsch-russischen
Geschichte muß für alle Zeiten
als Warnung gelten. Gemeinsam soll ein
Fundament für Frieden und Freundschaft
gebaut werden, auf dem sich
Russen und Deutsche achten und helfen.
Doch dieses Fundament kann nur
auf Wahrheit beruhen; in der Erinnerung
liegt das Geheimnis der Versöhnung.
Seit Februar 1991 dürfen die
Deutschen das nördliche Ostpreußen
besuchen,und sie tun es in der Absicht,
sich mit den heutigen Bewohnern auszusöhnen.
Russen und Deutsche wollen
friedlich leben, und Versöhnung
muß in den Köpfen erdacht und in den
Herzen getragen werden. So wollen es
die Menschen auf beiden Seiten halten.
Seit acht Jahren .besteht nun die
Möglichkeit der deutsch-russischen
Begegnung im Samland. Das Resümee,
so Schwarz, sei jedoch zwiespältig.
Einerseits sei eine Entwicklung zu
beobachten, die jahrzehntelang nicht
für möglich gehalten wurde: Deutsche
und Russen, Vertriebene und Neusiedler,
reichen sich die Hand. Selten
wurde das Wort von der Völkerverständigung
so mit Leben erfüllt. Die
Perspektiven erschienen unendlich.
Doch die Schattenseiten sind auch zu
sehen; es blieb bei Absichtserklärungen,
und geschehen sei relativ wenig.
Das jedoch, so Schwarz, sei weder die
Schuld der Deutschen noch der Russen,
sondern der Regierungen in Bonn
und Moskau, die kein Interesse an dem
Gebiet hätten. Man habe das Gefühl,
im Stich gelassen zu werden, ja es
scheine sogar Kreise zu geben, die
bewußt die Dämonen von gestern am
Leben halten, um die Königsberger
Region an der Entwicklung zu hindern.
Da werde auf der einen Seite die
Gefahr einer Regermanisierung beschworen,
auf der anderen Seite das
Bild des gewalttätigen Russen aufgerichtet,
unrealistische Projektionen, um
Angst zu säen und die Versöhnungsbereitschaft
auf beiden Seiten zu behindern.
Politik und Medien hätten die
Chance eines neuen Brückenschlages
unterstützen müssen. Leider sei häufig
das Gegenteil der Fall.
Doch nun bricht sich die ostpreußische
Mentalität Bahn. Von Bonn
und Moskau im Stich gelassen, entwickelt
sich ein neues Gemeinschaftsgefühl
von Deutschen und Russen.
Russen und deutsche Ostpreußen
bemühen sich gemeinsam um eine gute
Zukunft und wollen ihr Land zur
Brücke in Europa machen. Dazu dienen
die Kulturtage im Samland in
besonderer Weise. Kultur verbindet,
wo die Politik Schwierigkeiten hat.
Die Ortsgemeinschaften haben
durchgehend ein herzliches Verhältnis
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