Full text : Unser Schönes Samland

Heimatlos in deutscher Heimat

Zum 100. Qeburtstag von Margarete Fischer

Wir trauern um Alfred Becker

Am 31. August 1900 wurde Margarete
 Fischer in dem Kirchdorf Kumehnen
 mitten in unserem schönen
Samland geboren. Als Kumehner
möchte ich herzlich zum 100. Geburtstag
 gratulieren und für die Zukunft
alles Gute und Gottes Segen wünschen.
Wie kann es möglich sein, so alt zu
werden? Gute Gesundheit gehört bestimmt
 dazu. Man muß Menschen begegnen,
 die man lieben und achten
kann und von denen diese Liebe und
Wertschätzung als wärmende Lebenskraft
 zurückstrahlt. Und dann ist da
noch das Gottvertrauen, denn wir alle
stehen in Gottes Hand. War es so?

Frau Fischer besuchte die Volksschule
 in Kumehnen und dann das
Konservatorium in Königsberg. Auf
dem Rittergut Soleinen, Kreis Preußisch
 Holland, und bei einer jüdischen
Familie in Osterode arbeitete sie sieben
 Jahre als Erzieherin und Hauslehrerin.
 1927 heiratete sie nach Sensburg/Masuren.
 1945 flüchtete sie über
Berlin und Haldensleben. In Steinbergholz
 bei Flensburg konnte sie ihre
schriftstellerischen Fähigkeiten entwickeln.
 1950 erfolgte die Umsiedlung
nach Lahr, weil der Beruf ihres Mannes
dies erforderte. Bereits 1951 verstarb
Herr Fischer. Bis zu ihrer Berentung
arbeitete Frau Fischer bei der Militärregierung
 in Bad Ems als technische
Zeichnerin. 1981 zog sie ins Seniorenheim
 Georg-Vömel-Haus in Bad Ems.
Dort möchte sie 2001 auch ihren 101.

Geburtstag feiern.
Frau Fischer engagierte sich immer
für ihre Landsleute. Die Landsmannschaft
 Ostpreußen verlieh ihr dafür
1992 das Verdienstabzeichen. Ihre
ostpreußischen Wurzeln ließen sie
Zeit ihres Lebens zur Feder greifen.
Ihre Heimatsehnsucht konnte sie so in
vielen tief empfundenen Gedichten
ausdrücken. Unser Kumehnen hat sie
genau wie ich nicht vergessen.

Lothar Dufke,
Wilhemstraße 55,
25774 Lunden,
Telefon 04882-1055

Mr.

5 Vf V

11

Am 3. Mai dieses Jahres verstarb in
Schloß Holte-Stukenbrock im Alter von
87 Jahren der ehemalige Sprecher des
Kirchspiels Powunden und Initiator der
Patenschaft zwischen der Kirchen- und
Ortsgemeinde Hüffelsheim an der Nahe
und den ehemaligen Einwohnern des
Kirchspiels Powunden, Landkreis Königsberg
 (Pr). Die Nachricht von seinem
Tod erreichte die Landsleute des Kirchspiels
 Powunden, seine Freunde und
Bekannten völlig unerwartet, hatte er
doch am 29./30. April noch mit großer
Freude in Hüffelsheim das Patenschaftsjubiläum
 miterlebt. Wir sind sehr betroffen
 von seinem Tod. Seinen Angehörigen
 gilt unsere aufrichtige Anteilnahme
 und unser tiefes Mitgefühl.
Alfred Becker stammte aus Bergfriede
 im Kreis Osterode (Ostpr.). Geboren
 wurde er am 8. Januar 1913. Nach
Abschluß seiner Schulbildung nahm er
in Halle (Saale) ein Studium auf, das er
mit dem akademischen Grad eines
Diplom-Ingenieurs abschloß. Sein weiterer
 beruflicher Werdegang führte ihn
wieder nach Ostpreußen, wo er zunächst
 in Schugsten und anschließend in
Neuhausen im Landkreis Königsberg
(Pr) mit verantwortungsvollen Aufgaben
betraut wurde.

1938 schlossen Alfred Becker und
die aus Abbau Lobitten im Kirchspiel
Powunden stammende Landwirtstochter
 Charlotte Nitsch den Bund fürs
Leben. Die kirchliche Trauung erfolgte
in der alten Ordenskirche Powunden,
einer der schönsten Dorfkirchen des
Samlands. 50 Jahre später feierte das
Ehepaar Becker unter dem Klang einer
der Powundener Glocken in Hüffelsheim

 seine goldene Hochzeit. Diese
glückliche Ehe währte noch fast elf
weitere Jahre - bis zum plötzlichen Tod
von Charlotte Becker am 20. Dezember
1999. Seine Ehe, seine über 60 Jahre andauernden
 Freundschaften zu ehemaligen
 Powundern und eine in Hüffelsheim
hängende Glocke aus der Kirche Powunden
 bildeten das Fundament von
Alfred Beckers enger Verbundenheit zu
dem Kirchspiel Powunden und zu seinem
 innigen Verhältnis zur Patengemeinde
 Hüffelsheim und deren Einwohnern.


Begünstigt durch eine profunde Ausbildung,
 durch berufliche Erfahrung,
Strebsamkeit, Gewissenhaftigkeit und
Verantwortungsbewußtsein konnte sich
Alfred Becker nach dem Zweiten Weltkrieg
 in Westdeutschland wieder eine
solide Existenzgrundlage und sich und
seiner Familie ein neues Zuhause schaffen.
 Im Rahmen des demokratischen
Parteiensystems nahm er teil am demokratischen
 Aufbau der Bundesrepublik
Deutschland. Geprägt von den Erfahrungen
 eines schrecklichen Krieges und
der schweren Nachkriegsjahre, von
Flucht und Vertreibung, von dem Verlust
 seiner ostpreußischen Heimat beteiligte
 sich Alfred Becker auf unterschiedlichen
 Ebenen an den landsmannschaftlichen
 Aktivitäten. Und auf diesem Gebiet
 lag ihm das ehemalige Kirchspiel
Powunden ganz besonders am Herzen.
Am 18./19. Oktober 1980 fand in
Minden parallel zum Heimattreffen der
ehemaligen Einwohner des Landkreises
Königsberg (Pr) das erste - von Alfred
Becker organisierte - Kirchspieltreffen
Powunden statt. Beflügelt vom großen

6 7