Schwurhand dem Besucher verkünden
und ihm zurufen: „Sieh her, ich
halte noch Wache, aber es hat sich
hier alles verändert!“ An der Südseite
ist das Mosaik vom Sämann vom
Verfall verschont geblieben. Wie lange
noch?
Während des unseligen Krieges
wurden vielerorts Kirchenglocken demontiert,
um das wertvolle Metall in
Kriegsgerät umzugießen. Von dem
unmittelbar an den Kirchenzaun grenzenden
Schulhof konnten wir als
Kinder beobachten, wie die 360 kg
QEPRIESEN SEI DER HERR ZEBAOTH
UND EWIQ SEIN REICH KOMME UND
SCHAFFE FRIEDEN ES WERDE QEHÖRET
DIE STIMME DES DANKES UND
GEPREDIGT ALLE SEINE WUNDER
(Dieses Spruchband umspannte die Katharinenkirche
zu Borchersdorf)
schwere Glocke abgeseilt, verladen
und ohne Zielangabe abtransportiert
wurde. Heute wissen wir, daß ein gütiges
Schicksal sie vor dem Einschmelzen
bewahrt hat. Nach langer Verbannung
auf dem Hamburger Glockenfriedhof
dient sie wieder ihrer Aufgabe
und ruft seit März 1953 die evangelische
Christusgemeinde in Trostberg/Bayern
mit dem weithin vernehmbaren
Schlagton c' -6 zum Gottesdienst.
(Siehe auch „DIE KIRCHEN
IM SAMLAND“ v.Walter
Dignath/Herbert Ziesmann, Seite 32)
Auf der Suche nach unvergänglichen
Spuren ihrer geliebten und unvergessenen
Heimat entdeckte Christel
Soine, geb. Fangrad aus Birken-Christel
Soine begrüßt die Qlocke im Turm der
Christuskirche in Trostberg
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feld im Januar d. J. den neuen Wir- die Glocke im wahrsten Sinne des
kungsort unserer großen Glocke. Für Wortes zu „begreifen“,
sie ein unbeschreiblich tief bewegendes
Erlebnis, nach über 57 Jahren den Helmut Hecht,
während der Kinderzeit begleitenden Achtern Diek 27, 25764 Reinsbüttel,
Glockenklang wieder zu hören und Telefon: 0 48 33 - 5 63
Qroß Kuhren - eine Kindheitserinnerung —
Heimat, Liebe, Geborgenheit, Freunde,
Strand an Sonnentagen und Berge von
Eisschollen im Winter.
Wie fast alle Königsberger, fuhren
auch wir vorwiegend nach Cranz und
Rauschen. Groß Kuhren war immer
mit einem etwas längeren Aufenthalt
verbunden. Hier hatten wir Freunde.
Tante Hildegard mit ihren Kindern,
die im Hause ihrer Eltern lebte. Eine
Namenstante, denn früher sprachen
Kinder Erwachsene nicht nur mit dem
Vornamen an. Ich liebte sie sehr und
ihren Ältesten, damals vier Jahre alt,
hatte ich sowieso als meinen Bruder
adoptiert.
Es war bereits Krieg, als ich das
erste Mal mit meiner Mutter an einem
Wintertag in Groß Kuhren ankam. Die
Sommertage hatten einen ganz anderen
Reiz. Sie waren mit Burgen bauen,
Spielen und Baden -ausgefüllt. Da es
damals noch kein Handy gab, wurde
ganz einfach mittels eines Kochlöffels
und einer Bratpfanne zum Essen gerufen.
Vom Krieg bekamen wir Kinder
nicht allzuviel mit. Bis er auch uns
eines Tages einholte.
Königsberg hatte Ende August
1944 den ersten Terrorangriff hinter
sich. Ohne zu ahnen, was sich in der
kommenden Nacht abspielen würde,
fuhren wir nach Groß Kuhren. Es war
ein schöner Sonnentag gewesen. Wir
waren voller Ideen für den nächsten
Tag, als wir in die Betten marschierten.Es
ging alles sehr schnell. Ein
Luftschutzkeller war nicht vorhanden,
so daß wir zuerst in der Veranda, dann
aber im Inneren des Hauses saßen.
Die Fensterscheiben klirrten, als die
feindlichen Maschinen im Tiefflug
über die Häuser in Richtung Königsberg
hinwegzogen. Es wollte kein
Ende nehmen und ich fürchtete ständig,
sie könnten das Dach streifen und
uns unter den Trümmern begraben.
Dazu schoß die Flak aus allen Rohren,
ohne jedoch den Weiterflug verhindern
zu können. Es war furchtbar. Nun
hatte der Krieg unsere bis dahin doch
recht heile Kinderwelt erreicht.
Ein Blick aus dem Dachfenster ließ
uns ahnen, was sich in Königsberg abspielte.
Es brannte lichterloh. Voller
Sorgen ging es am nächsten Morgen
heimwärts. Eine riesige, fast schwarze
Wolke, umgeben von einem goldenen
Rand, verdunkelte den Himmel, wie