Fraktionen erschienen, was immer wieder
die gute Zusammenarbeit zwischen
dem Patenkreis und der Heimatkreisgemeinschaft
zeigt. Dafür fand Landrat
Heinrich Borcherding in seiner Ansprache
für den Patenkreis anrührende
Worte. Die Patenkinder seien erwachsen
geworden, sagte er, und aus der
anfänglichen Hilfeleistung sei eine tiefe
Freundschaft geworden. Die Verbundenheit,
die seit mehr als vier Jahrzehnten
besteht, solle weiter andauern.
Er zog eine interessante Parallele zu der
Geschichte des nördlichen Ostpreußens
und der Wiedervereinigung. Königsberg
sei über Jahrzehnte hin das Ziel der
Sehnsucht gewesen; Dias aus dem verbotenen
Land hatten einen ungeheuren
Wert (hier muß an den früheren Kreisvertreter
Fritz Löbert erinnert werden,
der 1998 einem litauischen Studenten
für Dias über Kirchenruinen im Samland
einen Hundertmarkschein aushändigen
ließ, so wertvoll war allen dieses
Material!). Ebenso sei die Wiedervereinigung
ein Ziel der Sehnsucht gewesen,
daß sich plötzlich mit ungeheurer
Geschwindigkeit verwirklicht habe. Er
stellte jedoch die ernste Frage, wie man
damit umgehe. Man spricht von „Ossis“
und „Wessis“, was eine Mauer in den
Köpfen bezeuge. Die müsse überwunden
werden, um zu einer echten Vereinigung
zu kommen.
Ernste Worte hatte auch Helmut
Borkowski zu seiner Begrüßung gesprochen,
als er die Not in Ostpreußen
beschrieb. Der Zusammenbruch der
Sowchosen und Fabriken hatte bereits
die Arbeitslosigkeit bewirkt; der Sturz
des Rubels führt nun zu nackter Not.
Alle Besucher des Treffens hatten bereits
Hilfe für die Menschen in der alten
Heimat organisiert, doch nun spendeten
sie noch einmal. Helmut Borkowski
begrüßte außer dem Landrat Heinrich
Borcherding den Kreisdirektor Dr.
Gerd Linkermann, den Bundestagsabgeordneten
Günther Nolting, von den
Fraktionen Herrn Günter Harke( SPD),
Herrn Winfried Räbiger (SPD), Herrn
Eckhard Urbath (FDP), ferner Herrn
Karl-Heinz Duffert und Herrn Adolf
Meyer. Dann sprach er dem Geschäftsführer
der Heimatkreisgemeinschaft.
Herrn Siegfried Brandes, einen herzlichen
Dank für die arbeitsintensive und
gelungene Organisation des Treffens
aus. Ein Dank, den Landrat Borcherding
wiederholte und bestätigte.
Als Festredner war Dr. Dr. Ehrenfried
Mathiak, Sprecher der Landesgruppe
Nordrhein-Westfälen der Landsmannschaft
Ostpreußen, gewonnen
worden. Er warf einen kritischen Blick
auf den Umgang mit den deutschen Ostgebieten
von offizieller Seite und damit
auf den Status der Vertriebenen heute.
Die rechtmäßigen Ansprüche der Vertriebenen
würden heute geleugnet, die
Sprachverwirrung, die Magdeburg nach
„Ostdeutschland“ verlegt, sei eine zweite
Vertreibung und ein Versuch, die
Erinnerung an den deutschen Osten
endgültig zu tilgen. Die Vertreibung der
Deutschen nicht als Unrecht zu brandmarken,
bedeute jedoch, bei künftigen
Vertreibungstätern den Eindruck zu
erwecken, Vertreibung sei rechtmäßig.
Recht verkomme damit zum „Recht des
Stärkeren“ und ziehe die Mißachtung
der Menschenwürde nach sich. Jeder
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Mensch habe das Recht, in Würde in
das Land seiner Herkunft zurückzukehren,
auf friedlichem Wege, ohne Beeinträchtigung
der dort lebenden Bevölkerung.
Hier seien BdV und Landsmannschaften
gefragt, da die offiziellen Politiker
hier kaum noch ein Betätigungsfeld
sehen würden.
Ernannte als Beispiel für einen Neuanfang
den Vertrag zwischen der Kreisgemeinschaft
Pr.-Holland und der dortigen
polnischen Vertretung und betonte
die friedlichen Ziele der Landsmannschaft.
Das Schlußwort sprach die stellvertretende
Kreisvertreterin Dr. Bärbel
Beutner. Auch sie dankte Siegfried
Brandes für seinen Einsatz, und hob
hervor, daß er ja längst einer der Ostpreußen
geworden sei.
Diese Verbundenheit zeigte sich
auch bei dem anschließenden lockeren
Austausch. Vertreter des Kreises Minden-Lübbecke
und der Kreisgemeinschaft
Landkreis Königsberg sind langjährige
Bekannte, die sich auf den
Treffen viel zu sagen haben.
Bis 17.00 Uhr bestand am Sonntag,
den 8. November, noch die Möglichkeit
zur Wahl des neuen Kreisausschusses.
Währenddessen zeigte Klaus Wulff
Video-Filme über Ostpreußen heute,
ein Angebot, das immer gern wahrgenommen
wird. Am späten Nachmittag
endete auch der Dauereinsatz der Kreisauschuß-Mitglieder
Manfred Schirmacher
oder Carl Mückenberger, die für
viele Fragen und anfallende Aufgaben
zur Verfügung stehen mußten.
Bärbel Beutner (Heiligen walde)
Das Ergebnis der Wahlen zum Kreissauschuß der Heimatkreisgemeinschaft
Landkreis Königsberg (Pr) e.V. am 7. und 8. November 1998 während des Kreistreffens
in Minden in der Stadthalle wird wie folgt bekanntgegeben. In den Kreisauschuß
wurden direkt gewählt:
Borkowski, Helmut,
ausKraußen, geb. 5.2.1932, Ellernweg 7,49525 Lengerich,
183 Stimmen
Beutner, Dr. Bärbel,
aus Heiligenwalde, geb.27.1.1945, Käthe-Kollwitz-Ring 24, 59423 Unna,
178 Stimmen
Wulff, Klaus,
aus Fuchsberg, geb. 26.4.1926, Kulmer Straße 20 a, 32602 Vlotho,
129 Stimmen
Blankenagel, Dorothea,
aus Neuhausen, geb. 6.5.1929, Heerstraße 59, 47053 Duisburg,
120 Stimmen 9