und Frau Hildegard Friedrich, geb.
Schrade aus Rauschen, die sich nach 43
Jahren wiedersahen. Sie fanden vor
Überraschung kaum Worte als sie sich
unverhofft gegenüberstanden. Ein besonderes
Erlebnis war der Besuch des
Treffens auch für Frau Marianne
Meinert, die in unseren Fotoalben von
Rauschen Abbildungen ihrer Taufkirche
fand. Familie Brauer mit den Kindern
Jürgen und Marianne hat von 1941
bis 1944 in Rauschen, dabei zeitweise
bei Vergien, gewohnt. Die Tochter
Marianne wurde 1942 in der evangelischen
Kirche in Rauschen von Pfarrer
Matz getauft. Von ihrem Taufschein mit
der Unterschrift von Pfarrer Matz mit
dem Kirchensiegel von Rauschen stellte
sie uns eine Ablichtung für das Archiv
zur Verfügung.
Herr Jürgen Brauer brachte uns eine
in Hamburg erworbene Bronzestatue „I.
Preis Langlauf Jun. Rauschen 1927“ als
Geschenk mit. Beiden wurde herzlich
für diese wertvollen Dokumente und
Spenden gedankt.
Wie alle 4 Jahre üblich, hatten die
Ortsvertreter in diesem Jahr den Vorstand
neu zu wählen. Darüber ist in
diesem Heimatbrief an anderer Stelle
ausführlich berichtet. Erfreulicherweise
stellten sich aus unserem Bezirk 4 Kandidaten
für die Plätze der Beisitzer zur
Verfügung. Frank Schneege, Tykrehnen,
zog wegen anderer Aufgaben seine Kandidatur
zurück. Marion Gehlhaar, Tochter
von Arno Glagau, Rauschen und
Sabine Lüchau, geb. Goldenbaum,
Alexwangen, kamen neu in den Vorstand;
ich wurde wiedergewählt. Damit
hat sich der Vorstand für die zukünftige
Arbeit erheblich verjüngt. Doch kein
Licht ohne Schatten: Die Erfahrungsträger
mit Erlebnissen und Kenntnissen
aus der Heimat werden weniger. Und
damit komme ich zu meinem Schwerpunktthema
in diesem Heimatbrief:
Heimaterinnerungen
Wenn wir uns heute für Vorgänge in
der Heimat von vor 100 oder vor 80
Jahren interessieren, wird es schwierig
eine Klärung zu finden. Glücklicherweise
traten damals besondere Ereignisse
nicht so häufig auf und so kann
man mit etwas Glück noch Schriften
und Bücher aus der damaligen Zeit finden
in denen darüber berichtet wird.
Zur Orts- und Naturgeschichte, auch
unserer kleineren Dörfer, sind der
„Wegweiser durch das Samland“ von Dr.
Karl Emil Gebauer, 1886, oder „SAMLAND
- ein Wegweiser für den Strand
und das Innere“ der Hartungschen
Buchhandlung, in Königsberg (Pr), ca.
1910 - 1921, anzusehen. Für das „Westliche
Samland“ hat Oskar Schlicht, der
Ehrenbürger von Fischhausen, 1922 in
Dresden das gleichnamige, über 1000
Seiten starke Werk mit sehr detaillierten
Schilderungen von Land und Ortschaften
herausgegeben. Doch wie aus den
Druckdaten zu erkennen ist, hören die
Schilderungen in den Schriften vor 80
Jahren auf.
Von Georgenswalde liegt außerdem
eine Jubiläumsschrift zur 300-Jahrfeier
im Jahre 1929 vor und von Rauschen
gibt es die im Hbr 147 genannte Schrift
zur 180-Jahrfeier von 1920.
In den größeren Orten, insbesondere
den Ostseebädern, erschienen danach
74
noch einzelne Prospekte für den Fremdenverkehr.
Für die weiteren Ereignisse in den
Folgejahren sind wir fast ausschließlich
auf unser Erinnerungsvermögen angewiesen.
Es sind die Jahrgänge von 1910
bis 1920, die die Zeit der 3üiger Jahre
bewußt miterlebt haben. Für die
Kriegsjahre dürfte auch noch genügend
Erinnerung bei den nach 1920 Geborenen
vorhanden sein.
Diese Sätze bedeuten für uns alle,
daß wir - so gut wie möglich und so
lange wir können - unsere Erinnerungen
aufschreiben oder anderen zum Aufschreiben
erzählen müssen. Ich sammle
gern solche Aufzeichnungen und werde
sie in geeigneter Form an unser Heimatmuseum
in Pinneberg weiterleiten.
Dorle und Fritz Billjött haben in über
30 Jahren ein enormes Archiv an Bildern
und Ansichtskarten unseres Heimatgebietes
zusammengetragen. Ich - zwar
noch aus der Erlebnisgeneration, aber
doch 12 Jahre jünger - habe bereits große
Schwierigkeiten einige dieser Abbildungen
richtig zu erklären. Mit Sicherheit
fehlt unseren nach 1940 geborenen
„Jung-Ostpreußen“ jede Erklärungsmöglichkeit.
In einem interessanten Vortrag
hat Frau Lienert, die vorübergehend im
Heimatmuseum in Pinneberg als Fachkraft
eingesetzt ist, sehr deutlich gemacht,
daß unsere Archivalien und Ausstellungen
auch späteren Besuchern vermitteln
müssen „was wo war“ bzw. „was oder wer
ist das“. Und das erfordert eine klare Beschreibung.
Männergesangverein Rauschen von 1927 (Archiv Rauschen) 75