Viele Samländer haben nach dem
Krieg das Hinterlassene nicht mehr
angetroffen, Gebäude und ganze Dörfer
sind dem Erdboden gleichgemacht.
Dennoch werden sie auch künftig
dorthin reisen, nämlich „nach Hause“
fahren. Grund ist sicherlich die liebgewordene
reizvolle Landschaft, die weiten
Wälder, die wunderschönen Alleen.
Die Ostpreußin Marion Gräfin Dönhoff
meint: „Landschaft ist eben wichtiger
und gewiß prägender als alles Andere.
Sie gehört im lezten und höheren Sinne
ohnehin niemandem, allenfalls vielleicht
dem, der imstande ist zu lieben
ohne zu besitzen.“
Karl Willamowius,
Celler Straße 24 d, 38114 Braunschweig,
Telefon: 0531-578195
Das Forkener Rieß bei Pojerstieten im Jahre 1997
Pferdehdlg.: Sussmann
Sattler: Dufke - Wittke, E.
Schmiede: Klein, Adolf
Stellmacher: Kleist, Gust. (Dampf)
Zu dem Kirchspiel gehörten neben
Kumehnen (russisch Kumatschjowo),
Daliwehnen (Kamyschinka), Gr. u. Kl.
Drebnau (Zeljonyj Gaj, Molotschnoe),
Drugehnen (Pereslawskoe), Galtgarben,
Hortlauken, Kalk, Klaukinnen, Kobjeiten
(Selskij), Kotzlauken (Tumanowka),
Gr. u. Kl. Ladtkeim (Jasnowka), Marienhof,
Nastrehnen (Kamyschinka),
Pentekinnen, Pojerstieten (Kolodtzy),
Prilacken (Bratskoe), Reesen, Seefeld
(Prostomoe), Siegesdicken, Spallwitten,
Taplacken (Talpaki), Wernershof und
Wiekau (Khrustalnoe).
36
mama
Kinderheim Kruglowo/Polennen
Als 1991 Nordostpreußen für Besucher
geöffnet wurde flogen mein
Mann und ich gleich Anfang Mai - damals
noch über Riga - nach Königsberg.
Nach einer Stadtrundfahrt dort, galt
unser erster Besuch meinem Heimatdorf
Polennen (Kruglowo) mit einem
Taxifahrer, der Deutsch sprach. Riesengroß
war meine Enttäuschung, als ich
keine Häuser sah und schließlich an den
Eisenbahnschienen in Godnicken (auch
da stehen keine Häuser mehr) erkannte,
daß wir an Polennen vorbeigefahren
waren. Erst auf dem Rückweg sah ich
hinter Bäumen versteckt ein Gebäude,
das die alte Schule sein mußte. Als wir
an ihr ankamen, konnte ich das den russischen
Bewohnern anhand mitgebrachter
alter Fotos beweisen. Anfangs waren
sie uns gegenüber sehr mißtrauisch, hatten
sie doch solch einen Besuch noch
nicht gehabt. Dank unseres Taxifahrers
war das Eis aber bald gebrochen, uns
wurde das Haus gezeigt und da ich mich
noch an die Lage der Räume (bis zu
meinem 6. Lebensjahr hatten wir darin
gewohnt) erinnern konnte, war schnell
der Kontakt geknüpft, der bis heute
noch anhält.
Außer der alten Schule fänden wir
das sogenannte Armenhaus und vier
Siedlungshäuser vor, von denen das
eine inzwischen vollkommen abge-I
branntist.
Neu war aber an der Straße nach
Königsberg eine große Militäranlage.
Als das Militär später diese Anlage
nicht mehr benötigte und räumte,
hinterließ es ein 131 ha großes Gelände
mit mehreren größeren festen Gebäuden.
Hier wurde vor etwa drei Jahren ein
Kinderheim (Kindersozialrehabilitationszentrum)
eröffnet, das Waisenkinder,
Straßenkinder aus Königsberg
und Kinder, deren Eltern nicht in der
Lage sind, diese zu erziehen, aufnimmt.
Wir erfuhren davon bei einem kurzen
Besuch, den wir 1997 dort machten und
hörten, wie sehr dieses Heim auf
Spenden aller Art angewiesen ist. Es
untersteht dem Sozialamt der Stadt
Königsberg.
Einige Zeit später lasen wir im
„Königsberger Express“, daß die Stadt
Kiel Partnerstadt von Königsberg ist
und in diesem Rahmen auch das
Kinderheim in Polennen unterstützt.
Auf Anfrage bei der zuständigen Stelle
in Kiel erfuhren wir, daß 1997 einer
Delegation der Kieler Sozialverwaltung
bei einem Besuch in Königsberg auch
dieses Kinderheim in Polennen vorgestellt
wurde. Daraufhin wurde in Kiel
beschlossen, dieses Heim zu fördern.
Seither sind etwa DM 120.000 an Geldspenden
für Einrichtung und Renovierung
gestiftet worden, wofür die
benötigten Materialien und Gegenstände
im nördlichen Ostpreußen gekauft
wurden und werden.
Bei unserem Polenner Treffen in
Werl-Hilbeck am 5./6. Juni dieses
Jahres beschlossen wir ehemaligen Bewohner
des Ortes, auch etwas zur
Unterstützung des Kinderheimes in
unserem Heimatdorf beizutragen. Die
Kollekte des Gottesdienstes, der extra
für uns abgehalten wurde, wurde diesmal
für das Kinderheim bestimmt.
Alfred Behnke, der immer mit viel
Engagement unsere Treffen organisiert, 37