Wie im oben genannten Statut zu
lesen ist, sollte der Abzweig von der
Samlandbahn in Dellgienen liegen.
Diese Gut liegt etwas westlich der
Samlandbahn während der dann
namengebende Ort Marienhof östlich
der Bahnstrecke liegt. Anscheinend
wurde der Bahnhof dann etwas weiter
südlich angelegt.
Die zu bauende Strecke von Marienhof
bis Gaffken war 18,6 km lang. Ab
Gaffken bis Fischhausen wurde die
Trasse der Staatsbahn Fischhausen -
Palmnicken mitbenutzt. Dies war durch
die Normalspur von 1435 mm möglich.
Die gesamte Fahrtstrecke von Marienhof
bis Fischhausen betrug 23,5 km.
1901 wurde in Fischhausen ein
eigener Bahnhof der Kreisbahn gebaut,
der etwas nördlich des Bahnhofs
der Staatsbahn lag. Der Personenverkehr
ging aber weiterhin zum Staatsbahnhof,
auch um den Anschluß nach
Pillau oder in Richtung Königsberg zu
gewährleisten.
Nennenswerte Probleme scheint es
beim Bau nicht gegeben zu haben,
denn es gibt darüber keine Berichte.
Gleich hinter dem Bahnhof Marienhof
mußte der Ausläufer des Alk-Gebirges,
wo auf dem Städteberg das
Kurhaus Dellgienen lag, durchschnitten
werden. Die weitere Trasse verlief
dann westwärts und überquerte zwischen
Ladtkeim und Wernershof das
Forkener Mühlenfließ. Der nächste
Haltepunkt war Kotzlauken, das
jedoch ein Stück abseits der Bahn lag.
Es folgte Arissau, von wo aus reizvolle
Spaziergänge nach Siegesdicken und
zur Siegesdickener Schlucht möglich
waren und der nächste Halt war
Thierenberg, dessen Kirche mit alten
Malereien ebenfalls einen Besuch
lohnte. Beim Haltepunkt Norgau
überquerte die Bahnlinie die Straße
Fischhausen-Cumehnen und beim
Haltepunkt Compehnen lohnte sich
eine Besteigung der Antonienhöhe
mit den Drei-Kaiser-Eichen. Es folgt
der Haltepunkt Kallen, dann biegt die
Kreisbahn bei Gaffken auf die Strecke
der Staatsbahn Fischhausen - Palmnicken
ein und erreicht nach rund 5
km die Kreisstadt Fischhausen.
Der Betrieb der Fischhausener Kreisbahn
Die Betriebsführung der Fischhausener
Kreisbahn wurde ebenfalls - wie
die der Samlandbahn - der Ostdeutschen
Eisenbahngesellschaft Königsberg
Pr. (OEG) übertragen. Durch den
Partnerschaftsvertrag mit der Samlandbahn
soll dieser auferlegt worden sein,
keine Konkurrenz durch eine Schienenverbindung
von Warnicken nach Palmnicken
zu schaffen.
Trotzdem war nach den Worten
von Jörg Petzold die Fischhausener
Kreisbahn eine „Sozialbahn“. Dies
zeigt sich deutlich im Betriebsergebnis.
Die Auswertung der Geschäftsberichte
durch ihn zeigt die jährlichen
Defizite im 5-stelligen Bereich, die
von der OEG, der Samlandbahn AG
und zum kleinen Teil vom Kreis
Fischhausen getragen wurden. Den
Aktionären ist wohl nie eine Dividende
gezahlt worden.
Allerdings zeigen die Beförderungsleistungen,
daß für diese Bahn durchaus
t C.
eine Notwendigkeit bestand. Nach den
ausgewerteten Geschäftsberichten wurden
bereits im Gj. 1901/02 über 18.100
Personen und 9.820 to Güter befördert,
ln den Jahren vor dem 1. Weltkrieg
lagen diese Zahlen bei über 40.000 Personen
und 19.000 to Güter. Der 1. Weltkrieg
brachte im Gütertransport einen
Rückgang, während der Personenverkehr
bis zu den Inflationsjahren stark
anstieg (Gj 1918/19: 116.652 Pers.). Die
Hochinflation mit ihren wirtschaftlichen
Nachwirkungen brachte im Gj. 1923/24
eine Beförderung von nur 31.199 Personen
und 8.619 to. Die Werte stiegen in
den Folgejahren wieder an, erreichten
aber nur selten die Beförderungsleistung
von vor 1914. Sie schwankten in
den 30iger Jahren zwischen 30.000 und
35.000 Personen und erreichten im
Güterverkehr nur 1935/ 36 wieder den
Stand von 1914 mit 18.898 to. Dies sollen
hauptsächlich Ziegeltransporte aus
Fischhausen für die Neubauten in den
Siedlungsorten gewesen sein.
Die Fahrpläne und Fahrkarten
Die Fischhausener Kreisbahn unterlag
dem Status der Kleinbahnen
nach dem Gesetz von 1892. Sie durfte
somit nur eine Höchstgeschwindigkeit
von 30 km/h fahren (die neue ICE-Trasse
München - Berlin ist für das
10-fache ausgelegt).
Nach den Fahrplänen von 1936
und 1944 fuhren auf der Strecke 3
Zugpaare, die etwas über 1 Stunde für
die 23,5 km brauchten. Lt. Aufzeichnungen
von Jörg Petzold aus älteren
Geschäftsberichten wurde dies im
Geschäftsjahr 1907/08 eingeführt. Bis
dahin verkehrten im Winterhalbjahr
täglich nur 2 Zugpaare. Mit Ausbruch
des 1. Weltkriegs wurden die Zahl der
Züge wieder auf 2 Paare, d. h. 2 Züge
in jeder Richtung, reduziert.
Allerdings wird in dieser Quelle
auch immer wieder betont, daß im
Winter Verkehrstörungen und Betriebsausfälle
durch starke Schneeverwehungen
auftraten. Dies war im Winter
1917/18, 1923/24 und 1930/31 besonders
ausgeprägt. Im Winter 1928/29
mußten die Fahrten an 39 Tagen ausfallen!
Doch auch im März/ April 1931
gab es noch an 11 Tagen Ausfälle.
An Fahrkarten von dieser Strecke
liegt in meiner Sammlung nicht viel
6. Marienhof—Fiscfafaausen
| 602 604 ' 606
km B a h n h ö f e
601 603 605
6.35 14.17 18.12
-
ab Königsberg Nordbhf.. . an 7.20 15.0S 18.50
•S 7.26
= 7.S4
£? 7.39
H 7.49
7.56
8.03
8.11
8.20
8.30
S15.10
S 15.19
•£15.24
¿15.34
''15.41
15.48
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16.06
16.15
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•o 219.10
§ «319.17
t«£12.28
19.33
-s 7 19.40
= ¿19.48
o o 19.57
^ 00 20.06
4,07
6,78
7,90
10,33
12,82
16,23
18,60
23,50
ab Marienhof (3;. . . .an
M Kotzlauclceii x . . . .
Arissau X .............................
Thierenbergi Kr. Fischh.)
Norgau x ......................
Compehnen X . . . .
Kallenx......................
Gaffken..................... \ \
an Fischhausen Reichsbhf. ab
-s 6.30
- 6.20
™ 6.13
f- 6.05
6.55
5.49
5.41
5.35
5.25
¡3,14.05
2 13.55
£ 13.49
¿13.43
•"13.33
13.26
t3.17
13.10
12.57
&18.02
-a 17.52
§ S17.45
■o? 17.39
§ . 17.32
g 17.25
= c 17.17
o S17.ll
‘" ‘"17.00
Fahrplan der Kreisbahn von 1936 (Samland-Museum Pinneberg)