Full text : Unser Schönes Samland

Der Lebensweg einer Samländerin - ein Schicksal

von zigtausend ausgewanderten Ostpreußen

den Booten unten am Strand, dann
führte ein schmaler Fahrweg zum Haus
von Otto Heyse, und weiter gab’s den
„Kraig-Weg“, auf dem auch Fuhrwerke
fahren konnten. Im Sommer fuhren die
Kutschen des Sacherauer Gutsbesitzers
am Strand. Wir Kinder spielten am
Strand in dem schon etwas eingesandeten
 Fischkutter Seemann und rochen
abends nach Teer.
Etwas abseits vom Dorf steht das
Holzhaus von Otto Heyse; er war Zimmermann
 und hatte Bienenstöcke. Au
weia - Frieda Baumeister und ich wurden
 einmal von den ausschwärmenden
Bienen „überfallen“ und waren dankbar,
 daß die alte Frau Heyse unsere
„Wunden“ kühlte. Unsere Fahrräder,
die wir vor Schreck am Weg liegen
ließen, wurden erst spät abends geholt.
Zum Schluß will ich die Kraig nicht
vergessen. In den Jahren vor dem

Zweiten Weltkrieg wurde hier von der
Dorfjugend ein Wanderweg angelegt.
Kleine Brücken führten über das Wasser
 und an den Seiten standen Bänke
zum Ausruhen. Aber schon während
des Krieges hat sich niemand mehr um
die Pflege dieses Weges gekümmert
und langsam verfiel alles. Und nun ist
alles verfallen und Vergangenheit, aber
ich habe gedacht, so ganz vergessen soll
unser Rothenen noch nicht sein. Vielleicht
 können Sie, liebe Leser, noch
mehr über Rothenen erzählen? Setzen
Sie sich hin und schreiben es auf. Ich
hab’s getan und hoffe, ich habe Euch
damit eine Freude gemacht.

Eure Eva Schwarz, geb. Hamann,
Alter Schulweg 8, 25724 Neufeld,
Telefon: 0 48 56-3 22

Elisabeth Karlsson, geb. Allenberg,
erblickte das Licht der Welt am 24.
April 1928 in Klein Medenau. Hier
verlebte sie ihre allerersten Lebensjahre
 bis ihr Vater 1937 seinen Arbeitsplatz
 und gleichzeitig den Wohnort
wechselte und nach Kallen zog. Nachdem
 sie 1934 in Medenau eingeschult
war, besuchte sie nun in Kallen die
Schule bis 1942. Konfirmiert wurde sie
in der evangelischen Kirche zu Fischhausen
 am Palmsonntag, dem 29. März
1942. Danach war sie in der Landwirtschaft
 und zwischendurch für die
Dauer von 6 Wochen als Aushilfskraft
im Haushalt auf dem Gut Kallen tätig.
Wie alle Ostpreußen, mußte sie zu
Beginn des Jahres 1945 - löjährig -
vor den Kriegsereignissen mit ihrer
Familie auf die Flucht gehen. Diese
Odyssee fand im Oldenburger Land
vorerst ihr Ende, aber die schlimme
Zeit des Flüchtlingsdaseins begann. In
ständiger Sorge ums tägliche Sattwerden
 und ohne Ausblick auf eine
geregelte Arbeit, lebte sie mit ihrer
Familie von 1945 - 1950 so dahin. Als
ein Lichtblick erschien ihr die Bekanntgabe,
 daß Schweden weibliche
deutsche Arbeitskräfte suchte. Lisbeth,
j wie sie allgemein genannt wurde, war
bereit und meldete sich. Das war im
| Spätherbst 1950. -Bis Februar 1951
mußte sie allerdings noch warten ehe
die entsprechenden Arbeits- und Reisepapiere
 angekommen waren. Mit 22
Jahren - auf sich allein gestellt - wagte
sie die Reise in ein fremdes Land.
Uppsala, nördlich von Stockholm
[ gelegen, war ihr Reiseziel. Auf dem
Hauptbahnhof in Stockholm angekommen,

 stand sie nun da mit einem
Pappschild um den Hals auf dem
stand: „Var finns tä et tili Uppsala?“
(Wo finde ich den Zug nach Uppsala?)
Man half ihr weiter und sie gelangte an
ihr Ziel.

Lisbeth war nicht die einzige junge
Deutsche, die in Schweden zu der Zeit
Arbeit suchte. Sie traf andere deutsche
Mädchen, schloß Freundschaften und
baute sich einen neuen Lebenskreis
auf. Schnell lernte sie die Landessprache,
 das gab ihr die Möglichkeit
auch an einen Arbeitsplatzwechsel mit
besseren Verdienstmöglichkeiten zu
denken. Nach einem dritten Arbeitsplatzwechsel
 fand sie, eine für sie gut
bezahlte Anstellung in einer Fabrik in
Stockholm - die im Nachhinein sehr
weitreichende Folgen haben sollte . . .
In der Kantine dieser Fabrik traf
Lisbeth einen jungen Schweden, der
nur wenige Worte deutsch sprechen
konnte, jedoch gerne die deutsche
Sprache erlernen wollte; und er bot
Lisbeth an, wenn sie ihm darin behilflich
 wäre, würde er ihr seinerseits die
schwedische Landessprache vollständig
 beibringen. Aus diesen Sprachübungen
 erwuchs nach und nach eine
Sympathie, deren Endergebnis die am
30. Juli 1955 stattfindende Hochzeit
war. In der deutschen Kirche in Stockholm
 fand die Trauung statt. Aus dieser
Ehe sind 3 Kinder hervorgegangen, 2
Töchter und 1 Sohn.

Bei ihren ständigen Besuchen in
Deutschland hörte Lisbeth von den in
Pinneberg alljährlich stattfindenden
Heimattreffen der Samländer und entschloß
 sich, auch einmal dabei zu sein.

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