Im „Reich“ würde sie das Paradies
erwarten, aber wenig war zunächst davon
zu spüren.
Am 20. Oktober 1999 feierte Lenchen
ihren 90. Geburtstag - etwas
altersschwach, aber gesund, wofür wir
unserem Herrgott danken.
Wir wünschen ihr von ganzem Herzen,
daß sie ihren Frohsinn wiederfinden
möge - weißt Du noch, Lenchen,
Du warst immer ein fröhliches Kind.
Marlies Stern, Via 27 Marzo 65,
1-19122 La Spezia,
Telefon: 00 39-01 87-7 30412
„100 Jahre Samlandbahn"
Vor 100 Jahren, am 14. Juli 1900,
hatte die Samlandbahn ihre Jungfernfahrt.
Ein Ereignis, das große Auswirkungen
auf die Entwicklung der
Badeorte an der Nordküste des Samlands
hatte und das für das gesamte
Wirtschaftsleben im nordwestlichen
Samland Bedeutung erlangte. Mit der
Bahn konnte die große Produktemenge
der Landwirtschaft - Getreide und
Hackfrüchte - über weite Strecken befördert
werden. Bis dahin waren Pferd
und Wagen die einzigen Verkehrsmittel,
die nur sehr begrenzte Entfernungen
zurücklegen konnten.
Die Eisenbahnen im Samland im
Überblick
Als 1835 die erste Eisenbahn von
Nürnberg nach Fürth fuhr, begann in
Deutschland das Zeitalter des Bahnbaues.
ln den westlichen Industriegebieten
ging es sehr rasch voran. 1852
erreichte dann die erste Eisenbahnstrecke
Ostpreußen; es war die Strecke
der Ostbahn von Marienburg bis
Braunsberg, die 1853 von Braunsberg
nach Königsberg weitergeführt wurde.
Bis zum Anschluß an das „Reich“ vergingen
noch weitere 5 Jahre. Erst mit
Fertigstellung der großen Eisenbahnbrücke
über Weichsel und Nogat zwischen
Dirschau und Marienburg am
12.10.1857 konnte die Ostbahn durchgängig
von Berlin bis Königsberg verkehren.
Damit erreichte 1853 erstmals eine
Eisenbahn auch das samländische
Gebiet. Verständlicherweise kristallisierte
sich Königsberg Pr., die ostpreußische
Landeshauptstadt, als Verkehrsknotenpunkt
heraus. Das bedeutete
aber auch, daß alle Strecken, die
von oder nach Königsberg führten,
über das die Stadt umgebende samländische
Gebiet verliefen. Es ist aber
auch erstaunlich in welch rascher
Folge diese Strecken gebaut wurden:
1860 Weiterführung der Ostbahn
von Königsberg Pr. nach Eydtkuhnen
zur russischen Grenze,
1865 Fertigstellung der Südbahn
von Pillau bis Königsberg Pr.,
1866 Fertigstellung der Südbahn
von Königsberg Pr. nach Bartenstein,
die dann über Rastenburg, Lyck,
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Prostken und später bis Brest weiterging,
1889, am 1.10. wurde die Strecke
Königsberg Pr. Labiau eröffnet, die ein
Jahr später bis Tilsit führte.
Soweit die überregionalen Bahnen.
Der Preußische Staat hat anfänglich
den Bau von Bahnen privaten Gesellschaften
überlassen und erwarb diese
erst später. Sie wurden zu Staatsbahnen.
Im regionalen Bereich überließ er den
Bau weiterhin privaten Gesellschaften
und regionalen Gebietskörperschaften.
Im Samland war es 1875 der Gutsbesitzer
Becker in Palmnicken, der spätere
Teilhaber der Firma Ständen &
Becker, der die Strecke Fischhausen -
Palmnicken bauen ließ, die dann 1884
vom Preußischen Staat übernommen
und dem öffentlichen Verkehr übergeben
wurde.
Die Königsberg - Cranzer Eisenbahn
nahm Sylvester 1885 den Betrieb
auf. Berliner Bankleute hatten 1884
ein Comité gegründet, daß die Genehmigung
des Projekts als Nebenbahn
nach dem Preußischen Eisenbahngesetz
von 1838 erhielt. Entgegen allen
Unkenrufen warf diese Bahn bereits
im ersten Jahr Gewinn ab. 1895 wurde
die Strecke von Cranz nach Cranzbeek
zu den Anlegeplätzen der Schiffe auf
dem Kurischen Haff fertiggestellt.
Durch das Kleinbahngesetz vom 28.
Juli 1892 konnten auch Bahnen gebaut
werden, die nicht den hohen Anforderungen
des Preußischen Eisenbahngesetzes
von 1838 unterlagen, dem
noch die Königsberg-Cranzer Eisenbahn
unterstand. Dies führte zum Bau
zahlreicher Kleinbahnstrecken in Ostpreußen
mit unterschiedlichen Spurweiten.
Sie sind in dem Heft „Eisenbahn-Kurier
Special 52“ von Jörg
Petzold, Dresden, beschrieben und
reich bebildert. Im Samland waren dies:
+ die Strecke der Samlandbahn, Normalspur
(1435 mm),
+ die Strecke Cranz - Neukuhren der
Königsberg-Cranzer Eisenbahngesellschaft,
Normalspur (1435 mm),
+ die Strecke Groß Raum - Ellerkrug
der Kleinbahngesellschaft Gr. Raum
- Ellerkrug GmbH, (1435 mm),
+ die Strecken der Königsberger Kleinbahn
AG, Schmalspur (750 mm):
- Königsberg Pr. Königstor - Possindern,
- Prawten - Schaaksvitte,
+ die Fischhausener Kreisbahn der
Fischhausener Kreisbahn AG, Normalspur
(1435 mm).
Die Gründung der Samlandbahn-Aktiengesellschaft
Die gute Rendite der Königsberg -
Cranzer Eisenbahn ließ auch eine
Eisenbahnstrecke zu den anderen
Badeorten an der samländischen Ostseeküste
gerechtfertigt erscheinen. Die
3 Gesellschaften, Ostdeutsche Kleinbahn-Aktiengesellschaft,
die Ostpreußische
Südbahn und Lenz & Co, projektierten
seit 1897 eine schmalspurige
Kleinbahn von Königsberg Pr. nach
Neukuhren und dann weiter an der
Ostseeküste entlang bis Warnicken,
mit einem Abzweig bei Marienhof
quer durch den Kreis Fischhausen zur
Kreisstadt.
Am 13. April 1899 wurde dann die
Samlandbahn-Aktiengesellschaft mit 9