Full text : Unser Schönes Samland

Von Reinhold Gutsch, Wilhelm
Raabe Straße 3, 37120 Bovenden, Telefon:
 05 51 - 8 29 07, erhielt ich folgenden
 Bericht über die Siedlung Groß
Kuhren:
In den 30er Jahren entstanden überall
in Deutschland Siedlungen. Das war
zurückzuführen auf die Verordnung des
Reichspräsidenten vom 6. Oktober 1931
in Verbindung mit einer weiteren Verordnung
 vom 19. Februar 1935 über die
besondere Förderung von Kleinsiedlerstellen.

Diese Kleinsiedlerstellen sollten aus
etwa einem halben Morgen Land (1250
qm) mit einem kleinen Wohnhaus und
einem kleinen Stallgebäude bestehen. Den
Siedlern, das waren einfache Handwerker
und Arbeiter, sollte dadurch die Möglichkeit

 gegeben werden, durch mietfreies
Wohnen, durch Kleintierhaltung und Gemüse-
 und Obstanbau ihre Einkommenssituation
 zu verbessern.
Die Förderung bestand nun darin, daß
günstige Kredite zur Verfügung gestellt
wurden und die Planung und Ausführung
durch Bauträgergesellschaften übernommen
 wurde.
Auch die in den Jahren 1936-37 in
Groß Kuhren erbauten 10 Kleinsiedlerstellen
 entsprachen diesen Vorgaben.
Die Bauträger-Gesellschaft war die
„Heimbau Samland GmbH“ mit Sitz in
Königsberg.
Diese Gesellschaft besorgte die Kredite,
 kaufte das Land und übernahm
auch die Bauplanung, die Materialbeschaffung
 und die Baudurchführung.

Siedlungshaus der Familie Qutsch

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Um die Baukosten niedrig zu halten,
konnten die Siedler Teile der Bauausführung
 in Eigenleistung übernehmen.
Mein Vater, der Zimmerer Albert Gutsch,
und der Nachbar, der Zimmerer Fritz
Kugge, übernahmen die Ausführung der
gesamten Fundamentierungs- und Rohbauarbeiten
 in Eigenleistung. Die „Heimbau
 Samland GmbH“ stellte aber das
Material zur Verfügung.
Im Frühjahr 1936 fiel dann der Startschuß.
 Ein Bagger stand aber für das Ausheben
 der Baugrube und der Fundamentgräben
 nicht zur Verfügung. Das wurde
mit Spaten und Schaufel und tatkräftiger
Mithilfe der Verwandtschaft erledigt. Für
die Beton- und Mörtelzubereitung gab es
auch keinen Betonmischer, das ging auch
mit Schaufel, Harke und Gießkanne.

Für die fachmännische Ausführung
der Maurerarbeiten wurde dann aber der
Maurer Fischer aus Groß Kuhren verpflichtet.

Für den Dachstuhl mußten rohe
Baumstämme auf der Baustelle behauen
und zugesägt werden. Das war für die beiden
 Zimmerleute aber kein Problem. Ein
Problem war aber die knappe Zeit, denn
neben dem Beruf konnte man nur nach
dem Feierabend und am Wochenende am
eigenen Haus arbeiten. Nach etwas über
einem Jahr war es dann soweit. Das Dach
war gedeckt, und es konnten die Fenster
und Türen eingesetzt werden. Da es in
Groß Kuhren weder Kanalisation noch
Wasserleitung gab, war in den Häusern
nur eine sparsame Eletroinstallation zu
verlegen.

Siedlungshaus der Familie FJoffmeister im Juli 1999 49