Anliegen meines heutigen Beitrags
soll sein, Sie ganz weit in unsere Vergangenheit
mitzunehmen und ich
möchte Sie bitten, mich dabei ein
Stück Weges zu begleiten. Es soll gewissermaßen
ein kleiner Denkanstoß
sein für diejenigen, die es schon
immer mal wissen wollten, woher wir
eigentlich kommen. Darüber möchte
ich das Leitwort stellen:
Woher kommen wir, wer sind wir
und wo liegen unsere Wurzeln?
Um dieses Thema erschöpfend
und umfassend zu behandeln fehlen
mir allerdings die fachlichen Kenntnisse.
Deshalb möchte ich zunächst
auf folgende Quellen hinweisen, die
ich dazu herangezogen habe, und wo
Sie alles nachlesen können.
1. Der Samlandkreis Fischhausen,
v. Juli 1959,
Verfasser: Hermann Sommer
2. Der Landkreis Samland, v. 1966,
Verfasser: Dr. jur. Paul Gusovius
Seite 63-71 u. 461-468
3. Dorfgeschichte der Gemeinde
Regehnen, von 1965,
Verfasser: Emil Plötz, S. 4 + 5.
Die meisten von Ihnen kennen
noch unseren ehemaligen stellvertretenden
Kreisvorsitzenden des Kreises
Fischhausen, den Kreisheimatpfleger
Hermann Sommer, Museumsleiter von
Burg Lochstädt (s. dazu S. 463 v. Dr.
Gusovius). Er hat, wie in der Quellenangabe
bereits erwähnt, im Jahr 1959,
in exzellenter Form innerhalb weniger
Wochen eine Festschrift zum zehnjährigen
Bestehen der Kreisgemeinschaft
des Samlandkreises Fischhausen
nach der Vertreibung für seine
Mitarbeiter und Freunde erstellt, die
die Thematik des obigen Leitwortes
erschöpfend behandelt. Wie es Hermann
Sommer gelungen ist, viele Exponate
aus seiner langjährigen Arbeit
von Burg Lochstädt nach Pinneberg
während der letzten Kriegswirren zu
bringen, vermag ich nicht zu sagen.
Wenn Sie unser Samland-Museum
in Pinneberg besuchen, hängen im Eingangsbereich
in der oberen Etage
gleich rechts im ersten Raum einige
total vergilbte, großformatige Schaubilder
über archäologische Bodenfunde
aus der Vorzeit (gezeichnet v. H.
Sommer). Nach meinen Beobachtungen
gehen die meisten Besucher daran
achtlos vorüber. Da, wie eben erwähnt,
diese Schaubilder mit ihrer Beschreibung
kaum noch zu entziffern sind,
habe ich sie noch einmal neu gezeichnet,
um damit zu verdeutlichen, wie
vielseitig und umfangreich diese Bodenfunde
aus den verschiedenen Zeitepochen
im westlichen Samland vorgekommen
sind. Die topographische
Lage der Fundstellen zu den Ortschaften
und ihre jeweiligen Beschreibungen
habe ich in den Quellenangaben nur
selten vorgefunden. Sicherlich werden
diese Aufzeichnungen dem Geheimen
Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
in Berlin-Dahlem vorliegen und archiviert
sein. Dieses näher zu erforschen
erfordert natürlich neben finanziellen
Mitteln auch viel Zeit und setzt fachliches
Wissen voraus. Das wäre doch
eine lohnende Aufgabe für Diplomoder
Examensarbeiten von jungen
nachwachsenden Samländern.
(
Man sagt, daß das westliche Samland
ein einziges mit einer dünnen Grasnarbe
zugedecktes, archäologisches Museum
ist, wie sie keine Landschaft Europas
aufzuweisen hat. Das belegen die
zahlreichen Bodenfunde, die in fast
jedem Ort nachweisbar vorgekommen
sind. Allein im Samlandkreis Fischhausen
gibt es etwa 250 Fundplätze aus verschiedenen
Zeitepochen.
Die von mir neu gezeichneten graphischen
Darstellungen kann man den
folgenden drei Perioden der Vorzeit
zuordnen:
1 Jüngere Steinzeit von 4000 - 1500
v. Chr.
2. Bronzezeit von 1500- 150 v. Chr.
3. Vorrömische Zeit von 150-0
Römische Kaiserzeit von 0 - 400 n.
Chr.
Die Bevölkerung des Samlandes hat
in den ältesten Zeiten, soweit die Forschung
zurückzublicken vermag, dem
gotischen Stamme angehört, ist aber
indogermanischen Ursprungs gewesen.
Spätere Zeiten brachten die der litoslawischen
Familie angehörenden Pruzzen
ins Land, welche die älteren Bewohner
teils verdrängten, teils aber
auch sich mit ihnen vermischten. Sie
waren es, die der deutsche Ritterorden
beim Betreten des Landes im 13. Jahrhundert
hier antraf und nach langem
Kampf zur Unterwerfung brachte. Anhand
der Gräberfunde aus dieser Vorzeit
hat man Einblick über das Aussehen
der Urbevölkerung bekommen.
Es handelte sich vorwiegend um langbeinige
und langgesichtige - langschädlige
Menschen des nordisch-germanischen
Typs.
In unserer Gemeinde in Regehnen
hat man um 1880 zwei große Gräberfelder
gefunden. Die Ausgrabungen
wurden durch das Prussia Museum
Königsberg durchgeführt. Eines davon
liegt südlich auf der „Heide“ und das
andere westlich vom Ort auf der
„Lau“. Die letzte Grabung fand im
Jahre 1937 auf der „Lau“, nahe der
Hofstelle des Bauern Karl Grow, unter
der Leitung des Museumsleiters Hermann
Sommer, Lochstädt, statt. Es
handelte sich um ein Urnengräberfeld.
Während eines Schulausflugs hat der
Grabungsleiter uns einige Fundstücke
gezeigt und näher erläutert.
Nach den im Jahre 1928 - 1933
vorgenommenen Feststellungen sind
allein im Warnicker Forst noch 82
unberührte Hügelgräber gezählt worden.
Weiter wird berichtet, daß bei
polizeilichen Ermittlungen 1912 nachgewiesen
wurde, daß allein eine Firma
aus Neukuhren über 2000 Hügelgräber
zerstört hat, um die Steine zu Schotter
verarbeitet, für den Straßenbau zu verwenden.
Aus Jahrhunderten davor ist
bekannt, da diese Hügelgräber überall
auf den Hügeln und Geländekuppen
standen und bei zunehmender Besiedlung
- nach der Ordenszeit - der
Landbearbeitung im Wege waren,
beseitigt wurden. Aus dem 15. und 16.
Jahrhundert liegen bereits viele Nachrichten
vor, daß auch viele Hügelgräber
von Schatzgräbern durchwühlt und die
Steine zum Hausbau herausgeholt wurden.
Somit sind viele dieser Zeugen
vernichtet worden.
Unser Samlandkreis Fischhausen
bildet eine rechteckige Halbinsel, die