Full text : Unser Schönes Samland

Liebe Regehner Heimatfreunde

einschl. der Ortsteile Watzum, Kalthof und

Tolklauken

zuweilen kommt es in geselliger
Runde vor, daß ich gebeten werde,
etwas über meine ostpreußische Heimat
 zu erzählen. Und was liegt da
näher - außer den sachlichen Themen
über Land und Leute - auch oder gerade
 auch über besonders liebenswerte
Eigenheiten oder typische Marotten
von uns Samländern zu sprechen. Es
gelingt meistens, die Lacher auf seiner
Seite zu haben, vor allem, wenn man
von einer komischen Begebenheit oder
einer Schmunzelgeschichte erzählt.
Weil nicht alle Zuhörer mit den Gepflogenheiten
 und Ausdrucksformen
unserer ostpreußischen Sprache etwas
anfangen können, ist es vielfach notwendig,
 einzelne dieser Ausdrücke zu
erläutern. Das ist manchmal gar nicht
einfach.
Neulich brachte mir eine liebe
Sangesschwester einen Artikel aus
einer Broschüre von 1920 mit. Dort
wird u.a. über die Schachtanlage der
Bernsteingrube „Anna“ bei Kraxtepellen
 sehr ausführlich berichtet. (In einer
späteren Folge des Heimatbriefes
werde ich evtl, darauf eingehen.) Spontan
 sagte ich zu ihr: „Ach, Kraxtepellen,
wo die Hündchens mit dem Zagei bellen!“
 und sie hat mich angeguckt und
erwidert: „Da kann ich nichts mit
anfangen, was ist ein Zagei ?“ Das war
ja nun ziemlich einfach zu erklären. In
unserem Sprachgebrauch kommt auch
das typische Wort „Erbarmung“ des
öfteren vor. Was beinhaltet dieser Ausdruck
 eigentlich - neben dem bekannten

 theologisch christlichen Sinn? -
Zunächst doch wohl, denke ich, das
„Erstaunen“.
Der ostpreußische Schriftsteller
Hans Hellmut Kirst kommt in seinem
Buch „Deutschland, deine Ostpreußen“
 zu folgender interessanter Auslegung:
 „Das Wort Erbarmung - breit
und schwer ausgesprochen, besser
noch: kraftvoll hinausgeseufzt - gehörte
 zu den bevorzugtesten Temperamentsausbrüchen
 der ansonsten ehe
verkniffen schweigenden Ostpreußen.
Es besagte so ziemlich alles, zumeist
aber dieses: es ist einfach nicht zu fassen,
 was da so alles geschieht! Und vieles
 davon, bekundete dieser Ausruf
weiter, ist noch dazu ,saukomisch' - und
so was genossen sie, ohne es aber auch
zugeben zu wollen. ...
Literaten vermochten kein erkennbares
 schweres Tagewerk vorzuweisen,
nicht einmal vorzutäuschen - und so
was machte im hart arbeitenden Ostpreußen
 grundsätzlich mißtrauisch.
So soll ein Gutsbesitzer, über einen
seiner Söhne aufgeklärt, ausgerufen
haben: „Der Bengel gehorcht mir nicht,
aber das kann ich ihm nicht verdenken.
Er hat zwei Dienstmädchen verführt,
den Pastor verprügelt und seinen
Bruder mit einem Messer bedroht, das
mag ja zur Not noch angehen. Aber
dieser Lümmel schreibt sogar Gedichte!
 Da kann man bloß noch sagen
- Erbarmung!“
Ach joa, eent mott ek Ju noch vatelle:
 Nielich krej ek Post vun Hußfelds
Gisela, ons’ fleißige Redakteurin. Und
se frogt an un ment, weil wi ons nu wol
twintich Joahr kenne, ob ek nich e

46

■■■■■■■■■

betke groeter schriewe kun. Se mott
emmerto ehre Oge vadrelle un amend
sik noch e Lup anschaffe. - Ei, villicht
helpe Möhre, docht ek toerscht. Ower,
denn hebb ek mie e Ruck gejewe un
gedoacht: Ek well mi ok betre. - Ek ben
doch froh, dat se mien Geschriewsel
emma so schoen en dem Computer
tippt on manchesmoal ok noch bebildert.
 Dafer segg ek ok von Harten
„Dankscheen“*. Und ek men ok, dat
wie ons alles segge und open metenander
 emgoahne sulle.

Nun steht uns die warme Jahreszeit
bevor, und ich denke der eine oder
andere von uns hat seine Urlaubspläne
schon durchdacht und freut sich auf

hier folgt die Fortsetzung aus
„Unser schönes Samland“ Folge 145,
Seite 49: Hinter der Schule, dort, wo
sich die Straße nach Saltnicken und
nach Osterau gabelt, stand das
Spritzenhaus. Ich erinnere mich noch
an die gute alte Spritze; da wurde noch
mit Manneskraft gepumpt. Später - leider
 weiß ich nicht ab wann - hatte die
Feuerwehr eine Motorspritze. Links
vom Spritzenhaus ging der Weg zu
„Alt-Audehms“, no de Zoagelwepp
sagten wir. Da wohnte die Mutter von
Max Audehm. Nach meiner Erinnerung
 muß sie sehr alt gewesen sein,
aber sie paßte mächtig auf, wenn wir
mal Bergamotten stiebitzen wollten.
Hinter der Scheune stand ein großer

Erholung und Entspannung, um sich
danach mit neuer Kraft den Aufgaben
zu stellen, die ihn erwarten. Ich wünsche
 Ihnen allen gutes Gelingen, auch
den Daheimgebliebenen, die wegen
Alter oder Krankheit und Pflegebedürftigkeit
 zuhause bleiben müssen.
Gute Genesung für alle und machen
Sie’s gut.
Es grüßt Sie alle in alter heimatlicher
 Verbundenheit
Ihr Willy Fischer,
Strumannstraße 4,48231 Warendorf,
Telefon: 0 25 81-6 03 41

* (Danke, lieber Herr Fischer!
Ihre Gisela Hußfeld)

Liebe Rothener ——

Bergamottenbaum. Wenn wir auf Wittkaus
 Feld arbeiteten, stiegen wir
schnell einmal über den Zaun.
Ja, nun wollen wir einmal zum
anderen Ende des Dorfes wandern.
Links ist da erstmal die Stellmacherei
Eggert. Gustav Eggert war unser Bürgermeister.
 Ich glaube, die schriftlichen
Arbeiten machte aber seine Frau.
Eggert hatte auch eine kleine Landstelle.


Der Stellmacherei gegenüber, auf
der anderen Straßenseite, stand ein
Haus mit angebauter Scheune. Da
wohnte Frau Lene Baumeister mit
Sohn Heinrich, später dann Familie
Hinz. Bei den beiden Grundstücken
Eggert und Hinz teilte sich die Straße. 47