Full text : Unser Schönes Samland

gewöhnlichen Backwaren sogar Torten
 an. Sicher erinnern sich noch einige
 von Ihnen an die alte Frau Mohr.
Woher sie kam, weiß ich nicht mehr.
Jedenfalls hatte sie neben Brötchen,
die sie in einem „Zieh“ über den
Rücken trug herrlich schmeckende
Hefeteilchen, die in der Mitte dick mit
Mohn versehen und mit Zuckerguß
überzogen waren. Das Stück zu 5 Pfg.
Da läuft einem noch heute das Wasser
im Mund zusammen.
Fleischer Emil Kurowski aus St.
Lorenz fuhr zweispännig, wöchentlich
die Gehöfte an und bot die leckersten
Fleisch- und Wurstwaren feil. Dazu
gehörte natürlich auch das Gespräch
und der Austausch der neuesten Begebenheiten.
 Soweit ich mich erinnere
war Emil Kurowski ein gerngesehenes
Original.
Dann kam aus Cranz des öfteren
ein gewisser „Peper“, seines Zeichens
Fischhändler, einspännig mit offenem
Kastenwagen und bot vorwiegend,
jahreszeitlich bedingt, Stinte an indem
er lauthals rief: „Hoalt Stint, hoalt
Stint, so lang noch welche sind!“ Mit
Fahrrädern vollbeladen aus Neukuhren
 kamen die jungen Fischer und
brachten uns Flundern oder Dorsche.
Das Pfund zu 18 Pfg.
Der Kollex hatte neben Kurzwaren
wie: Fitzeiband, Schnürsenkeln, Nähgarn,
 Druckknöpfen, Taschenmessern
u. v. m. auch „Schiemannsgarn oder
Premke“ von Hannewacker.
Zur geistigen oder musikalischen
Erbauung gab es natürlich für die
Landbevölkerung auch manchmal Gelegenheit.
 Ein Bänkelsänger mit seiner

Klampfe ging von Gehöft zu Gehöft
und sang mit einem herrlichen Timbre
in der Kehle seine ergreifenden
Lieder, so daß unser Hofhund mitheulte.
 Als kleine Bonskes haben wir
natürlich diesen künstlerischen Vortrag
 an der Haustür genau beobachtet,
wie er so schön zittrig sang. Als Belohnung
 gab es meistens wohl ein Dittchen
 und e Runzel Schmalzbrot von
Mutter. Sobald er dann den Hof verlassen
 hatte - ek segg ok all - haben
wir natürlich Sänger gespielt und uns
dabei am Knorpel gepackt und
geschlackert - von wegen des Zitterns,
bis Mutter uns Einhalt gebot und uns
in die Schranken wies. -Sicherlich mit
einem innerlichen Schmunzeln.
Für die Versorgung der Landbevölkerung
 war also bestens gesorgt: Man
erkennt, um es modern auszudrücken,
daß schon damals die Zeichen der
Zeit richtig eingeschätzt und wahrgenommen
 wurden. Dies beweisen die
zuvor genannten Händler, die diese
Aufgabe sicherlich zur Zufriedenheit
beider Seiten erfüllt haben, denke ich
mal. Wir erinnern uns noch heute gern
daran.
Von Dietrich Bonhoeffer stammt
das Zitat:
„Je schöner und voller die Erinnerung,
desto schwerer ist die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt
die Erinnerung in stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne
nicht mit wie einen Stachel,
sondern wie ein kostbares Geschenk. “

Das Weihnachtsfest und die
Jahreswende steht uns nun bevor.

Und wir alle hoffen und wünschen
uns, daß in unserem Lande der Friede
noch recht lange in das nächste
Jahrtausend hineinreicht.
Ich darf mich für diesmal, meine
lieben Regehner, von Ihnen verabschieden
 und Ihnen nur das Allerbeste
 zum Weihnachtsfest und zum

Liebe

Über das diesjährige Kreistreffen in
Pinneberg wird an anderer Stelle ausführlich
 berichtet.
Allen, die nicht kommen konnten
oder einfach nicht „die Kurve kriegten“,
möchte ich nun kurz erzählen was bei
den Rothenern und Nodemsern los war.
Es hatte sich in diesem Jahr eine
stattliche Runde eingefunden: 12 Rothener,
 1 Nodemser, 2 Grebieter und
die Ehepartner einiger Heimatfreunde
waren in Pinneberg angereist. 21 Personen
 habe ich gezählt. Toll!
Neu in der Runde war Käthe Rähse,
jetzt Behr, mit Ehemann, und Manfred
Rähse, der zweite Sohn von Bauer Otto
Rähse. Da gab es erst großes Rätselraten.
 Wer ist es? Aber plötzlich stellt
man Familienähnlichkeiten fest und die
Erinnerung ist wieder da.
Auch Nodems war diesmal vertreten
mit Otto Blömke und Frau Hella. Otto
hatte einen Super-Ortsplan von Nodems
 gezeichnet. Ein Exemplar befindet
sich jetzt im Samland-Museum. Wir hoffen
 nun beide, daß die Ortspläne von
Rothenen und Nodems im Samland-Museum
 gezeigt werden, um die Erin-Jahreswechsel

 wünschen. Insbesondere
 schließe ich dabei unsere Alten
und Kranken mit ein.

In heimatlicher Verbundenheit
Ihr Willy Fischer,
Strumannstraße 4, 48231 Warendorf,
Telefon: 0 25 81-6 03 41

Rothener und Nodemser!

nerung an unsere beiden Heimatorte,
die leider total vom Erdboden verschwunden
 sind, wach zu halten.
Zum ersten Mal dabei waren auch
meine Schwestern Dora Hamann und
Herta Kompauer, geb. Hamann. Sie
waren extra aus dem Raum Stuttgart angereist,
 um einmal die alten Rothener
Freunde wiederzusehen.
Unsere Reihen lichten sich jedoch
von Jahr zu Jahr. Traurig stimmte uns
alle die Nachricht, daß Christel Baumeister
 (Osmy) kurz vor ihrem 80.
Geburtstag verstorben ist. Beim Kreistreffen
 1998 in Pinneberg saß sie noch
vergnügt in unserer Runde, und so werden
 wir sie alle in Erinnerung behalten.
Ich hoffe und wünsche, daß wir uns
alle gesund beim Treffen 2000 Wiedersehen
 und daß vielleicht ein paar
„Neue“ hinzukommen.
Eine schöne Adventszeit, ein frohes
Weihnachtsfest und ein glückliches Jahr
2000 wünscht Eure

Eva Schwarz, geb. Hamann,
Alter Schulweg 8, 25724 Neufeld,
Telefon: 0 4856-3 22

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