Full text : Unser Schönes Samland

gab, ist nicht bekannt. Nach 1450
bestand dann hier die Kirche, zu der ein
Pfarrgut gehörte. Die Ortschaft hat sich
erst langsam entwickelt. Etwa um 1700
wurde die 2-klassige Kirchenschule eingerichtet.
 Nach der „Topographie des
Königreichs Preussen“ von 1785 des
Johann Friedrich Goldbeck hatte St.
Lorenz zu dieser Zeit 11 Feuerstellen.
1844 hatte das Dorf 129 Einwohner
und bestand aus dem Pfarrgut, der
Schule und dem köllmischen Gut mit
Brauereigerechtigkeit und Krug. Sicherlich
 gehörten noch ein paar weitere
Häuser dazu.
Als Kirchdorf war St. Lorenz aber
mit Sicherheit ein Anziehungspunkt
für die Bevölkerung der umliegenden
Dörfer. Dies mag möglicherweise der
Grund gewesen sein, daß die Preußische
 Post am 1.1.1865 in St. Lorenz eine
Postexpedition II. Klasse einrichtete.
Dies war nach Cumehnen, Neukuhren,

Germau und Pobethen die 5.
Postanstalt im nordwestlichen
 Samland. Der Postbezirk
 war nicht mit den Grenzen
 des Kirchspiels identisch,
hatte aber für den Landzusteller
 eine gewaltige Ausdehnung.

Unklar bleibt, wo sich zu
dieser Zeit in St. Lorenz die
Post befand. Eine Postexpedition
 II. Klasse, wie auch die
Postagentur ab 1871, wurden
von Ortseinwohnern im Nebenamt
 betrieben. Hierfür
kam dann wahrscheinlich nur

Die Kirche St. Lorenz etwa um 1940 mit dem nach 1771 verlängerten der Lehrer, der Krüger oder
Kirchenschiff und dem 1905/0Ö wiederhergestellten Turm und Qiebel ein Gutsangestellter infrage.

Die Post in St. Lorenz
Diese Serie über die Post in unseren
Heimatorten wird mit St. Lorenz fortgesetzt.

Von St. Lorenz im alten Pruzzen-Gau
 Beten sind mir leider keine Unterlagen
 über eine frühe Erwähnung des
Ortes bekannt. Oskar Schlicht schreibt
in „Das Westliche Samland“, 2. Band,
Seite 123: „Lange vor der jetzigen
Kirche soll hier eine vom Orden erbaute
 Kapelle gestanden haben, die kirchlich
 von Germau aus versorgt wurde.
Diese Vermutung beruht sicher auf
Wahrheit, denn der in schönstem gotischen
 Stil erbaute Chor, die alte
Kapelle, beweist, daß er einer weit älteren
 Zeit angehört, als der übrige Teil
der Kirche.“ Die Kirche wurde im Jahre
1450 gebaut und dem Heiligen Laurentius
 geweiht. Daher der Namen St.
Lorenz. Ob es zur Zeit der alten Kapelle
 bereits eine kleine Ansiedlung

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Am 10.10.1879 wurde dann die
Post in St. Lorenz durch eine Telegraphen-Anstalt
 erweitert.
Erstaunlich ist für St. Lorenz, daß
bei der Post die Schreibweise des
Ortsnamens immer wieder geändert
wurde. So lautete 1865 bei der Post
der Namen „Sanct-Lorenz“, von 1873
liegt mir ein Poststempel mit der uns
gebräuchlichen Bezeichnung „St. Lorenz“
 vor. Für 1902 gibt es Änderung
in „Sanctlorenz“ und 1907 in „Sanct-Lorenz“
 mit Bindestrich.
Zur eindeutigen Bezeichnung des
Ortes im Postbetrieb und zur Unterscheidung
 von Orten gleichen Namens
im Deutschen Reich wurde ab 1881
ein postalischer Zusatz eingeführt.
Unser St. Lorenz erhielt die Ergänzung
(R. B. Königsberg i. Pr.) |R. B. =
Regierungs-Bezirk], Dies war in Verbindung
 mit der damaligen Schreibweise
 des Ortsnamens eine furchtbar
lange Anschrift, die auch Probleme in
den Poststempeln bereitete. 1889 hieß
der Zusatz dann (Ostpreußen), der
dann 1902 in (Ostpr.) abgekürzt
wurde. 1909 wurde dann der Zusatz in
unserem Bereich weitgehend vereinheitlicht
 und St. Lorenz erhielt, wie
bereits Georgenswalde und Rauschen,
die Bezeichnung (Samland).

Poststempel von St. Lorenz aus derZeit von
1867 - 1923 (Samml. Klemm)

Leider liegen mir aus der bisher
geschilderten Zeit zu wenig Poststücke
vor, um sämtliche Stempelformen abzubilden.
 Möglicherweise wurde auch
bei der preußischen Sparsamkeit nicht
bei allen Änderungen ein neuer Stempel
 angeschafft, solange der alte noch
brauchbar war.
1924 wurde dann die Postagentur
„Sanct-Lorenz (Samland)“ geschlossen.
 Die Gründe sind nicht bekannt.
Vielleicht lag es am wirtschaftlichen
Rückgang dieser Zeit, daß sich der
Postbetrieb in St. Lorenz nicht mehr
rentierte. Oder es lag einfach daran,
daß der uns bisher namentlich nicht
bekannte Postagent in St. Lorenz den
Dienst aufgab.
Die Postversorgung wurde aufgeteilt:
 Dem Gut Abbau St. Lorenz
wurde die Post von Watzum, dem
übrigen Dorf von Rauschen zugestellt.
Nach der allgemeinen Einführung
der Landkraftpost ab 1928 zur besseren
Postversorgung auf dem Lande wurde
1931 in St. Lorenz wieder eine Post mit
dem Status Poststelle eröffnet. Poststellen
 wurden im Nebenamt geführt.
Gleichzeitig wurde bei Schuhmachermeister
 Wichmann eine Öffentliche
Fernsprechstelle eingerichtet, die dem
Ortsnetz Rauschen zugeordnet war.

Poststempel der Poststelle II aus der Zeit nach 1933
(Samml. Klemm) 83