Der Adebar (Odebero = germ, der Glücksbringer)
Erinnerungsfoto
Es war an einem schönen Augustmorgen
1945 in Königsberg-Schönfließ.
Ich stehe vor der Schule an der
Chaussee und schaue in Richtung der
Kreuzburger Straße. Im warmen Sonnenschein
stakt ein Storch über die
Wiesen und sucht einen Frosch oder
ein vorwitziges Mäuschen. Ganz in
Gedanken versunken ob dieser Idylle
bin ich plötzlich von 3 Zivilrussen umringt,
die mich ohne ein Wort zu reden
mit flinken Fingern ausplündern. Ich
bin mit HJ-Uniform bekleidet, aber
mit braunen neutralen Knöpfen, das
sind zwei Brusttaschen, zwei Hosentaschen,
eine Gesäßtasche und eine
Hamstertasche in der Jacke. Ich komme
mir vor wie ein Garderobenständer.
Alles was nicht niet- und
nagelfest ist wechselt seinen Besitzer,
was da sind Drehbleistift, Notizbuch,
Taschenmesser, Dietrich, Blechschachtel
mit Nägeln, altes Fünfmarkstück,
eine Gewährkugel, ja selbst das
Taschentuch. So schnell wie sie gekommen
sind, sind sie auch wieder
fort und ich bin froh, nichts abbekommen
zu haben. Etwa 100 Meter weiter
stakt noch immer der Storch und hat
von all dem nichts bemerkt. Da naht
aus Richtung Rosenau ein Soldat der
Roten Armee zu Fuß, auf der Schulter
den Karabiner 44 und den obligatorischen
Armeerucksack. An den Beinen
Wickelgamaschen und abgelatschte
hohe Schuhe. Als er etwa auf meiner
Höhe ist, entdeckt auch er den Storch
und handelt sofort. Er nimmt den
Karabiner von der Schulter, lädt durch
und schon bricht der Schuß. Ich bin
vor Schrecken ganz starr, doch er
schultert erneut den Karabiner, grinst
mich beifallheischand an und trabt
weiter in Richtung Ludwigswalde. Als
der feige Mörder hinter der Kurve verschwunden
ist laufe ich zum Storch, er
ist mausetot! Ich schleife das Tier zum
Haus und frage die Frauen, ob man
den Storch essen kann, aber alle lehnen
ab, weil er ein Raubvogel sei, grünes
Fleisch hätte und nicht schmecke.
Außerdem bringe es Unglück den
Glücksbringer zu töten. In einem
Sandloch im Dorf verscharre ich das
arme Opfer. Drei Tage später höre ich
von den Dorfleuten, daß kurz vor
Tharau ein junger russischer Soldat
von einem amerikanischen Studebaker-Dreiachser
mitgerissen und von
den schweren Doppelreifen der
Hinterachsen getötet worden war. Ob
das wohl der Storchen mörder war?
Heute glaube ich es! -
Kindtaufe Martin Samel 1929 in Fischhausen
1. Reihe von r.n.l.: Marie Prieß, geb. Brocks, Anna Prieß, Hebamme, Marie
Samel, geb. Prieß, Alwine Samel, Marie Tromp
2. Reihe von r.n.l.: August Helmke (Onkel), Franz Prieß, Ernestine Prieß,
Friedrich Samel, Lina Prieß, Albert Tromp, Lehrer Schulz.
H. B. Rostock
U 25jähriges Ortstreffen Moditten —
Liebe Landsleute, Herzliche Grüße
unser Jubiläumstreffen findet vom
Redaktionsschluß für Folge 144 ist der 10. Oktober 1999
17.9. - 19.9.1999 im Knüllhotel Tann-Eck
in Schellbach im Knüllwald statt.
Alle Moditter und Angehörige sind
herzlich eingeladen. Bitte weitersagen!
Heinz Kecker,
Springkamp 5,
38104 Braunschweig,
Telefon: 0531-3715 71
77 76