Full text : Unser Schönes Samland

Qrenzräumungsfest in Peyse

Wer erinnert sich nicht gern an das
Grenzräumungsfest, das immer wieder
auf der Festwiese bei der Försterei stattfand,
 bei Herrn Oberförster und Hegemeister

 Sonnenberg.
Was war das für ein tolles Ereignis
für das kleine Fischerdorf Peyse. Schon
i die Vorbereitungen und das Ausschmücken
 und aufstellen der Tribüne
und der Tanzdiele sowie der vielen Verkaufsstände
 war für uns Kinder ein halbes

 Fest.
Am Sonnabend war bereits Musik
und Tanz, aber am Sonntagmorgen,
wenn der Dampfer „Altstadt“ im Peyser
Hafen festgemacht hatte, ging's richtig
los. Die Musikkapelle empfing die vielen
 Königsberger Gäste und begleitete
sie zur Försterei. Dort hatten sich auch
schon die Honoratioren vom Fischhausener
 Magistrat eingefunden und
viele Gäste aus den umliegenden Dörfern
 Neplecken, Zimmerbude, Widitten,
 Gr. Heidekrug usw. Nun war es
endlich soweit. Mit lautem Tschingbumtrara
 wurde das Fest eröffnet. Es
folgten die Begrüßungen und Ehrungen
mit wohlausgewählten Reden und witzigen
 Einlagen, viel Musik und Gesang
der Peyser- und Nachbarvereine.
Einer der Höhepunkte war das
„Stutzen“ der Forsteleven zum Jungförster.
 Die größte Kiefer auf der Festwiese
 war der „Stutzbaum“. Der Reihe
nach wurden die angehenden Förster
aufgerufen, von zwei Oberförstern gepackt
 und mit dem verlängerten Rückgrat
 in gebückter Haltung unter lautem
Hauruck und großem Tusch an den
Baum „gestutzt“, und damit es auch laut
knallte hatten die Forstlehrlinge ein

Brett vor den Achtersteven in die Hose
geschoben. Unter lautem Hallo und viel
Geschrei kamen alle Anwärter an die
Reihe. Danach wurde fröhlich gefeiert
und das Ponarther und Schönbuscher
Bier floß in Strömen. Manch einer
mußte sich am nächsten Tag von seiner
Frau anhören: „Joa, joa, gestre Ponarther
 on hiede Woater“, wenn er seinen
 Nachdurst löschte.
Doch nun zurück zu den Vorbereitungen.
 Für uns Jungen begann die
Festvorbereitung sehr zeitig. Da das
Geld immer knapp war, suchten wir
bereits lange vorher Bernstein am
Strand. Diese Schätze wurden dann bei
Signalwärter Holstein gegen ein paar
Dittchen oder evtl, eine Mark abgeliefert.
 Dieses Geld wurde eisern für das
Fest gespart. Von den Großeltern gab es
dann auch noch eene halwe Gille und
wenn Mutter gut aufgelegt war noch een
Achthalwer (25 Pfg.). Dafür kauften wir
uns Pfefferminzstangen, Bonbon, Sprudel
 und andere Sachen. Wenn man
dann auch noch einen älteren Bruder
oder Vetter in dem Trubel fand, gab es
evtl, einen Schluck Bier.
Die Älteren versuchten sich im Luftgewehrschießen
 auf Scheiben oder Blumen.


Für uns Jungen waren auch Kletterbäume
 mit schönen Preisen aufgestellt.
Da hingen Taschenmesser, kleine Würste,
 Taschentücher, usw. Wer bei dieser
Kletterei ein Taschenmesser erwarb
war vor Stolz mindestens 10 cm größer.
Zuhause war man doch erst ein Junge,
wenn man ein Taschenmesser, ein paar
Meter Schnur und ein paar Kieselsteine
enne Fupp (Hosentasche) hatte.

Ganz besonders erinnere ich mich
noch an ein großes Fest, zu dem hatten
I Peyser Marjellchen ein paar Fischer aus
Königsberg geworben. Es gab auch
4 einen Umzug durch das Dorf. Auf
J einem großen Langholzwagen von Bauer
 Ernst Schöttke stand eine kleine
Lomme, darin in Fischerkleidung der
, alte Opa Horn (Krinker) und Opa Element
 (Schuckeneit). Dabei hatten sie
Netze und und stellten die Schwimmnetzfischerei
 nach. (De Schwemmnettfescherie
 ging op Zander on Bressem.
Da wurt gejogt watt datt Tich hehl on
I de Lomme droge.) Die beiden alten
Fischer standen also im Boot, hatten
Pumpstöcke in den Händen und stachen
 damit außenbords und klopften
I an die Bordwand, nahmen auch einen
kräftigen Schluck aus der Flasche und
j einer brannte sich seine Pfeife an,
| während der andere ein ordentliches

54 Jahre nach dem Ende des letzten
Krieges fand am 5./6. Juni 1999 das
sechste Polenner-Treffen in Werl-Hilbeck
 statt. Natürlich gehörten auch die
ehemaligen Bewohner der umliegenden
schul- und verwaltungsmäßig mit Polennen
 verbundenen Ortschaften wie
Gauten, Linkau usw. dazu. Die Beteiligung
 fiel in diesem Jahr allerdings
wesentlich schwächer aus. Waren es
beim ersten Treffen noch 112 Teilnehmer,
 waren dieses Mal 31-66 vor
zwei Jahren - angereist. Zu einem
1--------------------------------------------------Stück

 vom Priem abbiß. Leider gibt es
kein Foto von diesem Umzug; es war
der letzte in Peyse, der mit viel Musik
durch das Dorf zog.

Und da fällt mir ein: Es gab auch
eine kleine Heimatgruppe unter der
Leitung von E. Mörke und Artur Neumann
 (auch Artur Zee genannt). Beide
haben seinerzeit auf Einladung in Berlin
mit einem selbstgetexteten Lied für Ostpreußen
 geworben. Der Refrain ging so:
„Schiddel de Bix, schiddel de Bix, nich
to langsoam, nich to fix!“ Vielleicht
kennen einige Leser das Lied oder können
 sich an die Begebenheit erinnern?
Unsere schönes Grenzräumungsfest
war immer etwas Besonderes für das
sonst so stille und bescheidene Fischerdörfchen
 Peyse.

Euer Paul Horn,

Bei der Ziegelhütte 8, 72555 Metzingen

großen Teil liegt es daran, daß seit 1989
bereits 39 Polenner gestorben sind.
Daneben konnten einige aus terminlichen
 bzw. krankheitsbedingten Gründen
 nicht kommen. Trotzdem waren bei
dem diesjährigen Treffen zwei Pollenner
 das erste Mal dabei. Dieses
berichtete Alfred Behnke bei seiner
Begrüßung in der „schönsten Stadt
Westfalens“.

Im übrigen hatte er das Treffen in
der „Lindenschänke“ unter Mithilfe seiner
 Angehörigen wieder zu aller Zu-6.

 Polenner-Treffen in 10 Jahren

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