Object : Unser Schönes Samland

Uer bommer war sehr groi> ... - Begegnungen

und Beobachtungen im östlichen Samland -

Die „Samländischen Kulturtage“
waren natürlich ein wichtiger Teil des
Programms, aber dann ging es auf die
Dörfer am Pregel, wo die russischen
Freunde erfreut warteten.
Mit Willi Skulimma und Bärbel
Beutner hatten sich zwei kleine Gruppen
 auf die Reise gemacht. So ganz
glücklich war die Lösung nicht; man
reiste per Flugzeug und Eisenbahn an
und hatte vor Ort keinen eigenen Bus
zur Verfügung, aber zögerliche Anmeldungen
 und vage Hotelzusagen
sowie auch die politische Großwetterlage
 hatten die Vorbereitungen recht
schwierig gemacht. Dabei besteht bei
vielen Landsleuten der Wunsch nach
Busreisen, wie man immer wieder heraushört;
 es ist nicht nur bequemer,
sondern die Gemeinschaft wächst im
Bus mehr zusammen, und wenn sich
die Landsleute aus einem Dorf oder
Kirchspiel schon auf der Hinreise
allerhand erzählen können, ist das Erlebnis
 vor Ort umso schöner. Deshalb
an dieser Stelle die Bitte, gerade die
Sonderfahrten rechtzeitig zu planen
und sich möglichst bald dafür zu entscheiden.
 Umso besser gelingen dann
auch die Busfahrten.
Die Heimatkreisgemeinschaft Landkreis
 Königsberg war aber doch auf
dem Rauschener Treffen gut vertreten.
Über 100 Landsleute vom Pregel waren
angereist, und von den elf Mitgliedern
des Kreisausschusses nahmen sieben an
dem Treffen teil, außerdem Gerda
Weiß als Kreisälteste.
Wieder standen außer Ausflügen
auf die Nehrung und nach Pillau
Besuche im Dorf auf dem Programm.

Die Waldauer verbrachten einen
ganzen Tag in ihrem Dorf, bekamen
den Kindergarten gezeigt, den Willi
Skulimma gut ausgestattet hat, besuchten
 den Künstler Andrej Barinov und
wurden von der Verwaltung offiziell
begrüßt. Sie berichteten von der üppigen
 Bewirtung, sehr lieben Kindern
im Kindergarten und von einer harmonischen
 Gemeinschaft mit den
Russen.
Diese wiederum sind zu Recht
stolz auf ihren deutschen Ehrenbürgermeister
 Willi Skulimma. Das
neue Pflaster und die Blumenanlagen
vor dem Bürgermeisteramt, die Renovierung
 des Kindergartens und neue
Einzäunungen an mehreren Stellen
des Dorfes gehen auf seine Initiative
zurück und sind größtenteils von ihm
selbst durchgeführt worden. Seine
Aktivitäten sind bis nach Königsberg
bekannt. Stolz berichtete die Dolmetscherin
 Nadja den Heiligenwaldern,
daß Waldau bei einem Bezirkswettbewerb
 den ersten Platz als verschönertes
 Dorf eingenommen habe. Die
nächsten Projekte: die Säuberung des
Teiches und der Verkauf von Erfrischungen,
 falls Badebetrieb einsetzt,

sind in Planung.
Aus organisatorischen Gründen
fuhren die Waldauer und die Heiligenwalder
 an verschiedenen Tagen in ihre
Dörfer. Die Heiligenwalder hielten
zuerst an der Kirche von Arnau an. Da
die Katharinenkirche zu Arnau und
die Heiligenwalder Kirche sozusagen
Schwestern sind und auch vom Kaliningrader
 Denkmalschutzamt so angesehen
 werden, ist das Interesse natür-46



lieh groß. Mit Freude stellte man fest,
daß ein Bauzaun um das Kirchenterrain
 errichtet ist und der Turm eingerüstet
 ist. Mit der Renovierung des
Turmes soll noch in diesem Jahr
begonnen werden. Das bestätigte auch
der Leiter des Denkmalschutzamtes,
den Georg Artemjew und Bärbel
Beutner ein paar Tage später aufsuchten.
 Er gab auch für die Kirche von
Heiligenwalde neue Hoffnung, daß
nämlich die Sowchose in absehbarer
Zeit die Kirche freigeben werde. Für
das Jahr 2000 würden damit die Aussichten,
 Weiterarbeiten zu können, in
greifbare Nähe rücken. Die Kirchen
Arnau, Heiligenwalde und Kumehnen
wurden als für den Denkmalschutz
vorrangige Objekte genannt.
In Waldau konnten die Heiligenwalder
 wieder einmal feststellen, welche
 Möglichkeiten die Gegend am
Pregel bietet. Es sind ja nicht nur die
Kirchen, in Waldau sind das Schloß,
das frühere Lehrerseminar und die
alte Schule sehenswerte Gebäude. Für
eine Tagesfahrt Arnau - Waldau -
Heiligenwalde bietet sich ein Abstecher
 nach Tapiau an, das in seiner
alten deutschen Stadtanlage erhalten
geblieben ist und gute und gemütliche
Einkaufsmöglichkeiten bietet. Ein solcher
 Tagesausflug könnte in Heiligenwalde
 mit der Besichtigung der Kirche
und der Schule und der inzwischen
schon berühmten Fischsuppe am Pregel
 enden, die für alle, die einen solchen
 Nachmittag einmal erlebt haben,
unvergeßlich ist.
Auch in diesem Jahr verbrachten
die deutschen und russischen Heiligenwaldeer

 wieder wunderbare Stunden
 am Pregel. Die strahlende Sonne
machte den Genuß der Fischsuppe,
der Gurken und Tomaten aus den
Heiligenwalder Gärten und der Wurst,
die man zu einem Schluck Wodka
schon nehmen sollte, zu einem besonderen
 Erlebnis.
Doch zuvor gab es bedeutsame
Begegnungen. Die zweite Frau des
Lehrers und Kantors Mollenhauer
nahm an der Reise teil. Elise Mollenhauer
 ist inzwischen auch schon lange
Witwe - Herr Mollenhauer wäre 108
Jahre alt -, aber es war ihr ganz großer
Wunsch, einmal Heiligenwalde und
die Schule zu sehen. Nun zeigte Herr
Artemjew ihr die frühere Lehrerwohnung,
 die Klassenräume und die
Turnhalle. Sie war überwältigt. Auch
die Kirche zu sehen, wo ihr Mann als
Kantor und Chorleiter gewirkt hatte,
war ein großes Glück für sie.
Ein genauso tiefes Erlebnis hatte
Beate Gerlach. Sie besuchte das großelterliche
 Haus, in dem ihr Vater und
ihre Tante aufgewachsen sind, eines
der beiden Siedlungshäuser an der
Domäne. Eine rußlanddeutsche Familie
 ist dort vor kurzem eingezogen. Sie
hörten bewegt die deutsche Familiengeschichte
 - die Dolmetscherin Nadja
war dabei - und baten die Enkelin in
Garten und Haus. Alles wurde gezeigt
und erläutert, Äpfel und Gurken
mußten mitgenommen werden sowie
ganz frische Karotten: für „zuhause“
aus dem „heimatlichen“ Garten. Es
war eine der bewegendsten Begegnungen
 seit langem, und die junge Frau,
lange nach dem Krieg hier im Westen 47