Tätigkeiten ein. Neben Mitarbeit in vielen
heimatpolitischen Verbänden wurde
er Kreisvorsitzender des Verbandes der
Heimkehrer, Vorsitzender der Vertriebenen
in Lengerich und Kreisvorsitzender
des Beirates für Vertriebene und Flüchtlinge
bei der Kreisverwaltung Tecklenburg.
Für die vielfältigen Arbeiten erhielt
er verschiedene Auszeichnungen, die
gekrönt wurden durch die Verleihung des
Bundesverdienstkreuzes am Bande am
23. Juni 1967. Im besonderen Maße galt
sein Interesse seinem Fleimatkreis
Königsberg (Pr.) Land. Schon bald nach
seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft
wurde er Kirchspielbeauftragter.
Nach dem Tode des 1. Kreisvertreters,
Fritz Teichert, Dichtenwalde, übernahm
er 1965 dessen Amt, welches er 1975 aus
Altersgründen (82 Jahre) nicderlegte. Bis
zu seinem Tode war Bruno Kerwin Kreisältester
der Kreisgemeinschaft Königsberg-Land.
Er starb am 30. April 1979.
Adolf Hofer - Kreis Fischhausen
Adolf Hofer wurde
1868 auf dem Gut
Skaisgirren (Kreuzingen),
Kreis Elchniederung,
geboren.
1893 übernahm er
den 900 ha Besitz
von seinem Vater.
Er war frühzeitig
sozialen Ideen aufgeschlossen
und begann, sich bald für
die sozialdemokratische Bewegung zu betätigen,
so dass er folgerichtig Mitglied
der SPD wurde. Als Mitglied des preußischen
Abgeordnetenhauses der Fraktion
der SPD arbeitete er aktiv in der
Agrarkommission der Partei mit. Er
stimmte 1916 gegen die Bewilligung der
Kriegskredite im Abgeordnetenhaus.
Aufgrund seiner loyalen Haltung gegenüber
seinen Landarbeitern musste er aus
wirtschaftlichen Gründen das Gut Skaisgirren
und Pleinauken verkaufen.
Er fungierte kurze Zeit mit O. Braun
gemeinsam als Landwirtschaftsminister.
Von 1923 bis 1931 war er Landrat des
Kreises Fischhausen. In seiner idealen
Gesinnung führte er die Verwahungsaufgaben
mit Güte und Mitleid. In seiner
Amtszeit als Landrat hat er für den Kreis
Fischhausen viel Gutes getan. Die Badeorte,
die Stadt Pillau und der Ausbau des
Hafens Neukuhren wurden von ihm gefördert.
Den See- und Binnenschiffern
sowie den Landarbeitern galten seine Sorge.
Der Ausbau der Burg Lochstedt zum
Heimatmuseum und die Verstärkung des
samländischen Küstenschutzes sind auf
seine Initiativen zurückzuführen.
Er war ein gutmütiger Mensch, der sich
immer für die Armen und Bedrängten
einsetzte. In der Kreisbevölkerung war
er beliebt und wurde „Papa Hofer“ genannt.
Die Nationalsozialisten verschmähten
Hofer und beraubten ihn seiner
Pension.
Mit 63 Jahren trat er in den Ruhestand
und starb in ärmlichen Verhältnissen am
3. September 1935 in Berlin.
Gerhard Fischer
Schwaaner Landstr. 24a
18059 Rostock
Tel: (0381) 4000554
Der Mord an einem ostpreußischen
Arbeiterführer - Rudau, Januar 1945
y^ls die Sowjets am 28. Januar 1945
cRudau besetzten, war Albert
Borowski als Mitkämpfer der ostpreußischen
sozialdemokratischen Arbeiterbewegung
der Annahme, ihm und seiner
Frau würde nichts passieren. Er war in
Rudau verblieben. Unter den Menschen,
die in Rudau beziehungsweise im Samland
zwischen 1945 und 1948 totgeschlagen
wurden, elend verhungerten oder an
Epidemien verstarben, befand sich auch
Albert Borowski und seine Frau. Elsa
Kolb berichtet etwa 1952' in einer handschriftlichen
Adressenübersicht an die
Kreisgemeinschaft Fischhausen in Pinneberg,
dass Albert Borowski und seine
Frau erhängt worden seien:
Unter den Überlebenden dieser entsetzlichen
Zeit in Rudau gab es keine Zeugen,
die Einzelheiten vom Leben und
Sterben dieses alten Ehepaares in ihren
letzten Lebenstagen überlieferten. Es
wird allgemein berichtet, dass im Januar
1945 der Königsberger Stadtrat und
Staatsrat Albert Borowski mit seiner Frau
beim Einmarsch der Russen umgebracht
worden sei.
Albert Borowski verantwortlich für
Arbeiter-Selbsthilfeorganisationen
Der Rudauer Bürger Albert Borowski
zählt zu den markantesten Gestalten der
ostpreußischen Arbeiterbewegung. Neben
den politischen und gewerkschaftlichen
Arbeiterverbänden entstanden während
der Sozialistengesetze und im zunehmenden
Maße vor dem 1. Weltkrieg
Selbsthilfe- und Kulturorganisationen
der Arbeiterschaft. Schon früh wurde
eine Konsumgenossenschaft für Ostpreußen
und ein Konsumverein für
Königsberg mit zahlreichen Verkaufsstellen
gegründet. Büro und Lager befanden
sich am Lizent. Vor 1914 wurde
eine weitere Zentrale in Rosenau erbaut.
Zu den aktivsten Initiatoren dieses Selbsthilfewerkes
für die Arbeiter gehörte Albert
Borowski, geboren am 27. 11. 1876
in Rhesau (Kreis Angerburg), evangelischer
Konfession, 1882 - 1890 Volksschulein
Rhesau, 1890- 1891 Schlosserlehre,
nach einem Unfall 1891 - 1894
Sattlerlehre, 1894 - 1897 Militärdienst,
1901 - 1906 Angestellter der OKK in
Königsberg, Oktober 1906 - (1933)
hauptamtlicher Geschäftsführer des Konsumvereins
in Königsberg, 1914 - 1916
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